Mittwoch, 28. September 2016

Marci Lyn Curtis - Alles, was ich sehe





Verlag: Königskinder (Carlsen)
Seiten: 427
Erschienen: 18. März 2016
Preis: 18.99 Euro (Ebook: 10.99 Euro)






Aufgrund einer Erkrankung, verlor Maggie vor einiger Zeit ihr Augenlicht und muss nun mit dem harten Schicksal zurechtkommen fortan als Blinde durch ihr Leben zu gehen. Doch Maggie schafft es einfach nicht dieses Leben anzunehmen. Sie will nicht tapfer sein, sie will nicht das mutige, blinde Mädchen sein, das trotz allem ihr Leben meistert. Denn das entspräche nicht der Wahrheit. Maggie zieht sich zurück von ihren jetzt ehemaligen Freunden, ihren Hobbies, einfach allem, was sie ausgemacht hat. Auch auf den Unterricht, der ihr eigentlich dabei helfen soll zumindest mit ihrer Umwelt zurechtzukommen, kann sie gut verzichten. 
Doch dann ändert sich plötzlich alles, als Ben in Maggies Leben tritt. Ben ist ein zehnjähriger, altkluger, hinreißender aber vor allem ganz besonderer Junge, denn er ist der Einzige, den Maggie plötzlich wieder sehen kann. Ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, wie das möglich ist, entsteht zwischen den beiden eine ungewöhnliche Freundschaft. Und dann ist da auch noch Bens Bruder Mason, der zufällig der Sänger von Maggies Lieblingsband ist und in Sachen 'hinreißend sein' seinen jüngeren Brüder in nichts nachsteht. 
Doch Mason lässt Maggie immer wieder grob abblitzen, weil er glaubt, dass sie ihre Blindheit nur vortäuscht und es nicht ehrlich mit Ben meint.
Maggie weiß, dass man sie wohl möglich in die Irrenanstalt einliefern wird, wenn sie den besonderen Umstand erwähnt, der Ben in ihr Leben gebracht hat. Doch dann erfährt Maggie plötzlich, warum sie ausgerechnet nur Ben sehen kann und alles andere wird unwichtig...

Wisst ihr, was mein großes Ding ist?
Dass ich immer wieder das Glück habe diese besonderen Bücher lesen zu dürfen. Diese Bücher, die den Herzschlag beschleunigen. Weil sie schön sind und weil sie gut tun. Weil sie nachklingen und weil du hoffst die Menschen, die du in diesen Büchern triffst, auch im echten Leben zu begegnen. Ich würde sehr viel für einen Ben in meinem Leben machen. 
Aber auch, weil sie schrecklich sein können. Schön und schrecklich zugleich. Schrecklich schön. Weil sie dir einen dicken Kloß im Hals verpassen. Weil sie dir sagen, dass das Leben kurz ist und du das Beste draus machen sollst. 
Und das ist wohl auch die größte Botschaft, die das Buch "Alles, was ich sehe" von Marci Lyn Curtis seinen Lesern mitgeben will. Mach das Beste aus dem, was du hast. Auch wenn du Schicksale zu tragen und Lasten unzählige Berge hochzuschleppen hast. Irgendwo wartet genau das, wofür diese Mühen es wert waren. 
Und wenn ich nun die Frage beantworten müsste, ob diese Botschaft bei mir, als Leserin, angekommen ist? Dann würde das Wort 'Ja' einfach zu wenig Aussagegehalt besitzen. 'Ja' beschreibt nicht im Mindesten, was diese Geschichte mit mir angestellt hat. Wie sollte sie auch anders, wenn sie mit so unglaublich wundervollen Charakteren ausgestattet wurde?
Maggie? Ich kann mir nicht im Entferntesten vorstellen, wie es ist blind zu sein, auch wenn ich es, während der Lektüre, mehr als einmal versucht habe. Maggie hatte die Möglichkeit die Schönheit der Welt sehen zu dürfen, bevor sie mit ihrem Schicksal von einem auf den anderen Moment zurechtkommen musste und genau das will sie nicht einsehen. Sie will nicht einsehen, dass sie nie wieder etwas sehen wird und noch niemals zuvor habe ich Gedankengänge, Aussagen und Handlungen von einem Protagonisten so sehr nachvollziehen können, wie bei ihr. Natürlich konnte ich mich nicht in sie hineinversetzen, denn wer hätte das schon gekonnt, der es nun mal nicht kennt aber ich habe den Menschen 'Maggie' verstanden, sowohl in ihren schlechten, als auch in ihren guten Eigenschaften. Und ganz ehrlich? Selten zuvor wollte ich in ein Buch hineinkriechen, um einen Charakter einfach nur zu umarmen und ihm Trost zu spenden. 
Ben? Eigentlich reichen Worte nicht aus, um Ben zu beschreiben. Ben muss man erleben, man muss ihn kennen lernen, mit ihm und manchmal auch über ihn lachen, man muss Sachen sagen wie "Ach, Ben!" und genervt die Augen verdrehen aber vor allem muss man ihn bewundern. Nicht nur, weil er der wohl witzigste zehnjährige Junge auf diesen Planeten ist. Nicht nur, weil er charmant, altklug und absolut hinreißend ist. Nicht nur, weil er, wenn er solche Sachen über sich lesen würde, wahrscheinlich so etwas sagen würde, wie "Das wusste ich schon alles aber red' ruhig weiter!". Nein, vor allem, weil er stark ist. Ben ist so unglaublich stark und weil er mutig ist. Wenn andere Leute sagen: "Das kann ich nicht!", macht Ben es einfach. Wie ich schon bereits erwähnte, würde ich sehr viel für einen Ben in meinem Leben machen. 
Aber auch alle anderen Figuren in "Alles, was ich sehe" tragen die Geschichte. Dieses Buch würde ohne diese Charaktere einfach nicht funktionieren, die Botschaft würde es nicht. Aber glücklicherweise gibt es sie alle und sie warten darauf ihre Geschichte zu erzählen. Mich hat genau diese Geschichte mehr als berührt. 
"Alles, was ich sehe" gehört zu diesen besonderen Büchern, die die eigene, individuelle Leserwelt ein klein bisschen besser machen, die insgesamt alles einfach schöner machen. Und die einen zu der Frage veranlassen, was wohl das eigene ganz große Ding ist.

Meins sind solche Bücher.
Unbedingt lesen!

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