Sonntag, 12. März 2017

Olivier Bourdeaut - Warten auf Bojangles





Verlag: Piper
Seiten: 158
Erschienen: 01. März 2017
Preis: 18.00 Euro (Ebook: 16.99 Euro)







Georges große Liebe ist seine Frau.
Für sie würde er alles tun. 
Mit ihren gemeinsamen Sohn feiert die kleine Familie das Leben. Und wann immer sie können, tanzen Georges und seine Frau zu Nina Simones 'Mr.Bojangles', sie mixen sich Cocktails und genießen jeden einzelnen Tag ihre besondere und schwindelerregende Liebe zueinander. Georges Frau gibt den Takt vor, sie ist schillernd und extravagant, sie erfindet die schönsten Dinge und hat die verrücktesten Ideen. 
Doch dann kommt plötzlich der Tag, als Georges nach Hause kommt und seine Frau auf einer Krankentrage vor der Wohnung wiederfindet. Eine ihrer verrückten Ideen ist nach hinten losgegangen und hat dazu geführt, dass ihre Wohnung in Brand gesteckt wurde. 
Und dann sind da noch die Ärzte, die eine Diagnose haben und Therapien vorschlagen. Aber das würde bedeuten, dass alles, worauf ihre Liebe aufbaut, zusammenfallen würde, und das kann Georges nicht zulassen...

"Warten auf Bojangles", von Olivier Bourdeaut war der Überraschungsbestseller des französischen Bücherjahres und es ist schon erstaunlich zu beobachten, wie viele Emotionen der Autor auf seinen bloß 158 Seiten vereint hat. Die Geschichte erzählt von der hoffnungsvollen, wunderschönen und zugleich tieftraurigen Liebe Georges und seiner Frau. Unglaublich viele liebevolle Details beschreiben die einzigartige Beziehung, die die beiden zueinander haben, beispielsweise gibt Georges seiner Frau jeden Tag einen neuen Namen, um die Tage frisch und jung zu halten. Aber die wohl interessanteste Figur in der Geschichte ist seine Frau selbst. Sie siezt alle Menschen, sogar ihren eigenen Gatten und ihren Sohn, aus Gründen, die im ersten Moment nur ihrer eigenen Logik entsprechen, aber auf dem zweiten Blick nicht mehr so abwegig sind. Zudem legt sie sich mit jeden ihrer Mitmenschen an, die ihre eigene kleine heile Welt zerstören wollen. Aus diesem Grund nimmt sie ihren Sohn aus der Schule, um ihn, gemeinsam mit ihren Mann, zu Hause zu unterrichten und zwar Dinge, die wirklich sinnvoll sind und die er im späteren Leben gebrauchen kann.
Bourdeaut schafft eine eigene kleine Welt für seine Protagonisten. Eine Welt, in der Parties, Cocktails und Tanzen die wichtigsten Rollen spielen und die er mit einem Luftschloss krönt. Das ist ein Haus in Spanien, über den Wolken, das sich die Familie kauft, um dort Urlaub zu machen. Ein Ort, der das Abkapseln der Familie in ihre heile Welt noch einmal unterstreicht und der gerade am Schluss des Buches eine wichtige Rolle spielt. Und in dieses eigene Erschaffen eines perfekten Lebens, in dem nur die wichtigen Dinge zählen, taucht plötzlich ein hässlicher Feind auf, die Realität, in Form von Ärzten, die die Besonderheit von Georges Frau zu einer Krankheit hinabstufen, die es zu behandeln gilt. 
Erzählt wird "Warten auf Bojangles" abwechselnd aus Sicht des gemeinsamen Sohnes und Georges selbst, von dem man sogar einige Einblicke in die Vergangenheit des Paares bekommt. 
Wie lautet nun das Fazit?
Zwischendurch hat mich das Buch mit seiner großen Anzahl verschiedener Emotionen fast schon etwas überwältigt, weil ich das in dieser Form auch nicht erwartet habe. Zugleich war ich überrascht, wie gut die grenzenlose Lebensfreude und die liebevolle Hoffnung mit der tieftraurigen Melancholie dieser Geschichte kombiniert wurden. 
Zart zerbrechlich und mit einer poetischen Sprache hat Olivier Bourdeaut ein wirklich besonderes Buch geschrieben. Gekrönt wird das Ganze dann noch mit dem charmanten Flair der zwanziger Jahre, der nicht nur einmal zwischendurch an den großen Gatsby erinnert. 

Kommentare:

  1. Das klingt wirklch toll <3
    Sehr schöne Rezension! Bin auf jeden Fall neugierig geworden.

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    1. Dankeschön <3
      Ja, ich war wirklich angenehm überrascht. Sag mir auf jeden Fall, wie du es fandest, wenn du es lesen solltest :)

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