Mittwoch, 4. November 2020

Ava Reed- Wenn ich die Augen schließe

 



Verlag: Loewe
Seiten: 320
Erschienen: 08. Oktober 2020
Preis: 14.95 Euro (Ebook: 11.99 Euro)









Die frühen Morgenstunden, eine dunkle Straße, ein voll besetztes und viel zu schnelles Auto und plötzlich ein ohrenbetäubender Knall.
Norah und ihre Freunde sind auf dem Rückweg von einer Party, als das Auto in einem Wildunfall verwickelt wird und von der Straße abkommt. Weil Norah als Einzige nicht angeschnallt war, verletzt sie sich am schwersten und wird in ein künstliches Koma versetzt. Als sie wieder daraus erwacht, sind ihre Eltern und ihre kleine Schwester Lu unendlich dankbar, doch bald schon wundern sie sich auch, als Norah ausgerechnet kurz nach ihrem Aufwachen nach Sam fragt, ihrem Kindheitsfreund, mit dem sie zusammen aufgewachsen ist. Denn eigentlich reden Norah und Sam schon eine ganze Weile nicht mehr miteinander...

Stell dir vor, dir fällt eine Geschichte vor die Füße, die zunächst schnell erzählt zu sein scheint, die du glaubst zu durchschauen und zu wissen, was kommt, doch dann verwandelt sie sich in etwas völlig anderes. 
Ava Reed's neuer Jugendroman "Wenn ich die Augen schließe" beginnt wie vor ihm wohl schon hunderte Jugendromane oder -filme begonnen haben. Ein genervter Teenager, der es nicht erwarten kann von zu Hause zu verschwinden, um mit seinen Freunden auf die Party des Jahres zu gehen. Ein toller Abend, eine durchgefeierte Nacht, der Nachhauseweg, der in einer Katastrophe endet. Schon hier beginnt "Wenn ich die Augen schließe" vom Stereotypischen abzuweichen, denn die Norah, die im Krankenhaus aus dem künstlichen Koma erwacht, ist ein völlig anderer Mensch, als die Norah, die noch vor kurzer Zeit genervt ihre kleine Schwester aus ihrem Zimmer geschmissen hat. Es scheint, als sei ihr gesamtes inneres Wesen durchgeschüttelt worden und die einzelnen Teile liegen verstreut herum. Dass Norah dazu auch noch teilweise an einer Amnesie leidet und auch einzelne Gefühle und Empfindungen überhaupt nicht mehr empfindet oder nicht mehr zuordnen kann, macht das Ganze sicherlich nicht einfacher. Doch sie ist sich sicher, dass Sam ihr würde helfen können, denn schon ihr gesamtes Leben haben die beiden doch irgendwie alles zusammen geschafft. Als Norah aber erfährt, dass Sam und sie schon seit einiger Zeit nicht mehr miteinander reden und schon gar nicht mehr befreundet sind, kann sie das nicht glauben. Sie fragt sich, was für ein Mensch sie vor dem Unfall gewesen und vor allem was zwischen Sam und ihr vorgefallen ist. 
Ava Reed erzählt hier in ihrer gewohnten und intensiven Feinfühligkeit, aber auch mit einer gewissen Raffinesse, denn erst ganz langsam wird die gesamte tragische Weite ihrer Geschichte vor den Leserinnen und Lesern ausgebreitet. Auch ich habe gedacht, dass sich die gesamte Geschichte eigentlich um Norahs Unfall dreht, doch während des Lesens wird deutlich, dass sie eigntlich nur der Auslöser für eine ganze Kette von Ereignissen war, die danach ihren Lauf nahmen. 
"Wenn ich die Augen schließe" ist eine wichtige und berührende Geschichte über Mobbing. Über die Opfer, über die Täter, die in ganz verschiedenen Formen auftreten, über die Hintergründe, über die Folgen und über die Ausmaße, die gerade im Internetzeitalter erschreckende Formen annehmen. Ava Reed lässt in ihrem Roman alle zu Wort kommen, sie beleuchtet dieses wichtige und schwierige Thema von allen Seiten und hätte vielleicht sogar noch ein paar Seiten dran hängen können. Weil wir doch alle irgendwie schon einmal in unserem Leben mit Mobbing in Berührung gekommen sind oder vielleicht sogar immer noch in Berührung kommen. "Wenn ich die Augen schließe" ist somit auch ein Appell, dass es wichtig ist über dieses Thema zu sprechen und es präsent zu halten, um Täter zu identifizieren und um Opfer zu helfen aus ihrer Rolle auszubrechen. Eigentlich um beiden Positionen zu helfen aus ihren Rollen auszubrechen und überhaupt um Hilfe zu bitten. 
Auch wenn "Wenn ich die Augen schließe" einen ernsten und wichtigen Hintergrund hat, war es für mich auch eine Art Wohfühlgeschichte. Weil die Autorin ein Talent hat Schauplätze und einige Nebencharaktere wohlig und sympathisch zu zeichnen, dass man sie irgendwie auch gerne in seinem Leben hätte. Und auch die krasse Wandlung der Hauptfigur vor und nach dem Unfall fand ich sehr gelungen. Erstens, weil ich die Norah davor sowieso nicht gut leiden konnte und zweitens, weil der Mensch zu dem sie nach dem Unfall wurde eigentlich nur eine Fortsetzung des Menschen war, der sie mal gewesen ist und der auch immer noch in ihr steckte. 
Ava Reed's neuer Jugendroman verlässt ziemlich schnell das Stereotypische und wird zu einer tiefer greifenden und wichtigen Geschichte über Mobbing, über die Frage, was für ein Mensch man sein will und was im Leben am meisten zählt. Sehr gelungen und intensiv erzählt. 

Donnerstag, 1. Oktober 2020

Holly Bourne - War's das jetzt?


 


Verlag: dtv-bold
Erschienen: 18. September 2020
Seiten: 416
Preis: 16.90 Euro (Ebook: 14.99 Euro)






Es gibt Situationen, da möchte man in Bücher hineinklettern, man möchte auf geradem Weg zur Hauptfigur marschieren und diese einmal ordentlich durchschütteln, und wenn man diesen Impuls gleich mehrmals hintereinander hat, dann könnte es durchaus sein, dass man es mit "War's das jetzt?" von Holly Bourne zu tun hat. Und das ist keine überspitzte Formulierung, denn Holly Bournes Roman über ihre Hauptfigur Tori, die im äußeren Schein ein Bilderbuchleben in London führt, als über die Landesgrenzen hinaus erfolgreiche Schriftstellerin und in einer glücklichen Langzeitbeziehung befindend, ist eine Herausforderung. 
"War's das jetzt?", das war eine Hassliebe auf der ersten Seite und mir fiel es wahrscheinlich noch nie so schwer ein Buch am Ende wirklich zu bewerten, denn wie fand ich 'War's das jetzt?" eigentlich? Auf der einen Seite ist da mein ständiger Zwiespalt mit der Protagonistin, auf der anderen Seite allerdings das Gefühl komplett in dem Roman versunken zu sein, und ihm seitdem nicht mehr aus dem Kopf zu kriegen. Aber erst einmal der Reihe nach:
Der Inhalt in "War's das jetzt?' ist schnell abgerissen. Es geht um Tori, die in London zusammen mit ihrem Freund Tom in einer Eigentumswohnung lebt. In den Zwanzigern schrieb Tori eine Art Selbstfindungsbuch, das zu einer Bibel für ihre Fangemeinschaft geworden ist und von dem sie auch, mittlerweile kurz vor ihrem 32. Geburtstag, immer noch gut leben kann. Toris beste Freundin heißt Dee, zu Beginn der Geschichte ein chronischer Langzeitsingle, die mit allerlei Datingkatastrophen aufwarten kann und mit der Tori die gleichen Dinge verabscheut, wie Babyparties oder pompöse Hochzeiten in der Natur der Londoner Vororte, bis Dee auf genau einer solcher Hochzeiten plötzlich ihrem Traummann begegnet und ihr Leben eine komplette Wendung nimmt.
Holly Bourne baut ganz bewusst Toris Leben als eines auf, auf das man neidisch sein muss, denn äußerlich scheint Tori alles zu haben, doch zu Beginn des Buches wird schnell deutlich, dass sie eines am besten kann: eine Rolle spielen. Ganz schnell zerbricht die Fassade eines perfekten Lebens und offenbart einiges, was dahinter liegt. Toris beruflicher Erfolg entpuppt sich als laufendes One-Hit-Wonder, denn seit ihrem ersten Buch, das mittlerweile einige Jahre auf dem Buckel hat, hat Tori nichts mehr geschrieben, als Pseudo-Weisheiten bei ihren Signierstunden in einer Widmung, und das Schlimme daran: Sie hat auch keine Idee, ihr Kopf scheint wie leergefegt. 
Und wenn man Tori in ihrer Langzeitbeziehung mit Tom als 'unsicher' bezeichnen würde, wäre das sehr weit untertrieben, denn sie zittert vor Angst. Mit einer unglaublich tief sitzenden Angst davor verlassen und - wohlgemerkt - nicht davor ihren Freund zu verlieren, sondern mit Anfang 30 wieder Single und alleine zu sein, merkt Tori nicht, dass sie sich in einer fast schon nicht mehr zu ertragenden toxischen Beziehung befindet. Das, was Tom jahrelang mit seiner Freundin anstellt, ist emotionale Erpressung der schlimmsten Sorte, die in 'Sexszenen' gipfelt, die an sexuellen Missbrauch grenzen. Diese Szenen der Beziehung konnte ich emotional fast nicht mehr stemmen und musste das Buch weglegen. Ich war enttäuscht, wütend, traurig und empfand entsetzliches Mitleid mit Tori, vor allem, weil sie in ihrem ständigen Wahn ihr perfektes Leben der Außenwelt zu präsentieren sich selbst ihrer Familie und ihrer besten Freundin nicht anvertraut und Tom weiterhin als 'idealen Mann' darstellt.
Holly Bourne schreibt ihren Roman auf so unfassbar ehrliche Art und Weise, dass es weh tut. Es gab Szenen, in denen ich Tori und ihr Handeln auf's Innerste nicht verstanden habe und dann wiederum gab es Situationen, in denen ich mich fast ertappt fühlte, weil ich es so nachvollziehen konnte, wie sie sich fühlte und handelte. Ertappt gefühlt habe ich mich ebenfalls an den Stellen, an denen Holly Bourne mit den Sozialen Medien abrechnet und der Gesellschaft einen Spiegel vorhält. 
Und obwohl ich nach der Lektüre von "War's das jetzt?" kilometerweit entfernt davon war mich glücklich und zufrieden zu fühlen, sondern eher eine tiefe Traurigkeit empfand, war ich doch froh das Buch gelesen zu haben. Holly Bourne hat nicht nur ein unglaubliches Talent dafür mit Worten zu entblößen, sondern schreibt über Themen, die sehr wichtig sind und gerade in Romanen viel zu wenig zur Sprache kommen. Deswegen ist "War's das jetzt?" irgendwie auch eine Art Selbstfindungsbuch, denn genau wie die Hauptfigur Tori rechnet man auch ein wenig mit sich selbst ab, fühlt sich entlastet von der Gesellschaft vorgegebenen Zwangsvorstellungen und reflektiert das eigene Leben. Und das ist manchmal schmerzhaft, aber auch unglaublich befreiend. 

Sonntag, 27. September 2020

Sally Rooney - Normale Menschen

 



Verlag: Luchterhand
Seiten: 320
Erschienen: 17. August 2020
Preis: 20 Euro (Ebook: 15.99 Euro)







Stellt euch vor, ihr lernt zwei Menschen kennen, die unglaublich gut zueinander passen, die sich ergänzen und scheinbar in- und auswendig kennen, auf die jeder - eigentlich normalerweise nervige - Kalenderspruch wie 'jeder Topf hat seinen Deckel' zu passen scheint, und dann merken diese beiden Menschen nicht, wie sehr sie sich in dem jeweils anderen wiederfinden und wie perfekt sie füreinander sind. 
Und schon sind wir mittendrin in Sally Rooneys Roman "Normale Menschen", in der die Autorin von einer Liebesgeschichte erzählt, die aus dem Leben gegriffen zu sein scheint. Wenn man etwas jemals als zeitgenössische Literatur bezeichnen kann, dann dieses Buch.
Es begann ganz unschuldig in der Küche eines viel zu großen Hauses, das mit seiner Ausstattung Außenstehenden sofort klar machen will, dass in diesem Haus das Geld reichlich vorhanden ist, in einer irischen Kleinstadt. Marianne und Connell gehen zusammen zur Schule und damit enden auch schon ihre Gemeinsamkeiten. Es ist nicht nur, dass beide aus völlig verschiedenen Gesellschaftsschichten kommen: Während Marianne das große protzige Haus, in denen sich die beiden Hauptfiguren zum ersten Mal bewusst wahr nehmen, ihr Zuhause nennt, kommt Connell eher daher, was man im allgemeinen Sprachgebrauch wohl 'untere Mittelschicht' bezeichnen würde. Und während Connell der allseits beliebte, mit vielen befreundete und mit noch mehr gut bekannte, Typ ist, ist Marianne dagegen eine krasse Außenseiterin. Doch bei ihrer ersten Unterhaltung entdecken beide, dass viel mehr in den jeweils anderen steckt, als sie vorher geahnt haben, und die Geschichte der beiden beginnt.

Erzählt wird in "Normale Menschen" auf ganz besondere Art und Weise. Wir begleiten Marianne und Connell in bestimmten Zeitabschnitten ihres Lebens, was dazu führt, dass sich ihre Geschichte über mehrere Jahre vor den Leserinnen und Lesern ausbreitet. Durch diesen Erzählstil lässt Sally Rooney sehr viel Raum offen für Interpretationen, da durch die Zeitsprünge vieles vorher Geschehene nicht weiter ausgeführt wird. Dieser Intepretationsraum lässt die Handlung immer unvorhersehbar erscheinen, da man sich teils mit freudigem und teils mit bangem Gefühl fragt, was in der Zwischenzeit passiert sein könnte. Und auch Sally Rooneys Schreibstil hebt sich von bisher Gekanntem ab. Auffällig und ungewöhnlich ist, dass sie die Anführungszeichen vor der wörtlichen Rede weglässt. So allerdings fesselt sie ihre Leserinnen und Leser an ihre Geschichte, denn, wenn man jedes Mal die-oder denjenigen ausfindig machen muss, der gesprochen hat, wird man nicht dazu verführt Abschnitte in der Geschichte querzulesen, sondern sich intensiv mit dem Geschriebenen auseinander zu setzen. 

Aber auch ohne dieses erzählerische Stilmittel ist es fast nicht möglich sich von "Normale Menschen" nicht fesseln zu lassen, denn was für eine unfassbare und intensive Tiefe Sally Rooney ihren beiden Hauptfiguren eingehaucht hat, das ist schon beeindruckend. In der gesamten Geschichte wirken Marianne und Connell immer ein wenig so, als würden sie über den anderen Menschen in ihrem Leben stehen. Sie setzen sich mit einer unglaublichen Intensität mit ihrem eigenen Leben und Themen, die ihre Mitmenschen in ihrem Alter noch oder überhaupt nicht interessieren, auseinander und heben ihren Blick weit über den Tellerrand hinaus. Auf der anderen Seite allerdings wirken sie in ihrem Verhalten sich und einander gegenüber teilweise kindlich und oft auch selbstzerstörerisch, was teilweise aber auch an ihren persönlichen Hintergründen liegt. Connell, der anfangs symapthische und beliebte Typ aus der Schule, zeigt bald, dass er beinahe schon verzweifelt seinen Platz im Leben sucht und einfach nicht fündig wird. Auf der einen Seite möchte er unebdingt dazugehören, fühlt sich aber auf der anderen Seite seinen Mitmenschen überhaupt nicht zugehörig und gerade das Verhalten seiner Freunde auf der Schule gegenüber Marianne, widert ihn an. Marianne, anfangs die krasse Außenseiterin in der Schule, die allerdings wenig Probleme mit dieser Rolle hat, scheint es überhaupt nicht zu interessieren, was ihre Mitmenschen über sie denken. Bald allerdings wird deutlich, dass sie auf der verzweifelten Suche nach Liebe ist und nach jeder weiteren Zurückweisung jeglicher Art ihren eigenen Wert immer mehr in Frage stellt. 
Mariannes und Connells Geschichte, die Wegpunkte, an denen sich ihre Leben berühren sind durchzogen von Missverständnissen aller Art, woran man auch merkt, wie jung sie noch sind und wie nahe an der Realität Sally Rooneys Roman ist. Denn man findet in "Normale Menschen" alles über das Erwachsenwerden: Liebe Freundschaft, Sex, Zurückweisung, Füreinander da sein und die scheinbar endlose Suche nach dem eigenen Ich und dem Platz im Leben. 
Und dann ist da noch diese große Liebesgeschichte zweier Menschen, von der man auf jeder Seite hofft und bangt, dass sie am Ende doch noch zueinander finden. 

Mittwoch, 23. September 2020

Erin Morgenstern - Das sternenlose Meer



Verlag: Blessing
Seiten: 640
Erschienen: 25. Mai 2020
Preis: 22 Euro (Ebook: 17.99 Euro)




Wir betreten die Bibliothek irgendeiner amerikanischen Universität. Draußen ist es kalt und erste Schneeflocken fliegen in der Dämmerung an den großen Fenstern der Bibliothek vorbei. In einer besonders verwinkelten Ecke treffen wir auf einen jungen Mann namens Zachary. Neben ihm steht ein großer wackliger Bücherstapel, und vor ihm noch ein weiterer. Sofort wird klar, Zachary liebt Bücher, doch gerade blättert er mit großen glänzenden Augen in bloß einem einzigen Buch. Schon auf dem ersten Blick unterscheidet es sich von den anderen Büchern in der Bibliothek und auch, dass es ohne Signatur ist, macht es noch ein bisschen mysteriöser, doch das größte Geheimnis soll Zachary erst später herausfinden, als er erkennt, dass er in "Süßes Leid", so lautet der Titel des Buches, seine eigene Geschichte zu lesen bekommt. Für Zachary beginnt ein fantastisches Abenteuer.

 Es mag sein, dass Zachary die Hauptfigur in "Das sternenlose Meer" von Erin Morgenstern verkörpert, doch in Wahrheit ist er die Spitze eines verwinkelten, in vielen Richtungen aufgebautes, aufeinander gestapeltes, fantastisches und großartig aufgebautes Erzählkonstrukt, das an wunderbarer Erzählkunst nicht mehr zu überbieten ist. Allein der Haupthandlungsstrang ist so wunderbar fantasievoll und voller neuen Ideen, dass man jeden Weg, den Zachary geht mit großen Augen verfolgt und es nicht mehr erwarten kann, weiter zu blättern. 
Doch dann sind da noch die vielen Nebengeschichten, scheinbar wahllos zusammengewürfelt, die immer wieder die Haupthandlung unterbrechen, aber meistens mit dem sternenlosen Meer in Verbindung stehen, genau wie Zacharys Erzählstrang. Allen voran geht die kurze Geschichte von Schicksal und Zeit, die Zachary zu Beginn des Buches erzählt bekommt und mit dessen Motive und Symbole es man immer wieder im Verlauf zu tun bekommt. 
Doch, was ist diese Autorin bloß für eine großartige Erzählerin? Was für wunderbare Geschichten sie in "Das sternenlose Meer" vereint, die sofort ins Herz gehen und mit deren Worte man sich am liebsten zudecken möchte. Und scheinbar wahllos zwischen die Seiten geschoben, ergeben sie doch mit jeder weiteren gelesenen Seite immer mehr Sinn und verweben sich langsam mit der Haupthandlung. 
Wie viele andere Leserinnen und Leser, die in das sternenlose Meer getaucht sind, habe auch ich mich einstweilen ein bisschen verloren gefühlt in den vielen Geschichten mit den unzähligen Hintertüren und Symbolen, und auch am Ende des Buches fühlte ich mich mit vielen offenen Fragen alleine gelassen, doch zusammenfassend war "Das sternenlose Meer" eine großartige und vor allem einzigartige Leseerfahrung. So etwas wie Erin Morgensterns Nachfolger des Bestsellers "Der Nachtzirkus" habe ich zuvor noch nie lesen dürfen. Dazu sprüht dieses wunderbare Buch auch noch dazu von einer unbändigen Liebe zum geschriebenen Wort. Alles in "Das sternenlose Meer" ist voller Geschichten und Bücher und Katzen, die fast schon obligatorisch zu unzähligen Regalreihen voller Bücher und dem Lesen dazugehören und ein bisschen die heimlichen Stars des Buches sind. Aber nicht nur die Liebe zu Büchern wird hier thematisiert, sondern auch die Liebe allgemein, die man fast durchgehend in der Geschichte findet. An jeder geheimnisvollen und verwinkelten Ecke leuchtet sie einem entgegen und beweist immer wieder, was für eine große Macht sie besitzt und dass sie Raum- und Zeitgrenzen überwindet. 

Wer Fantasy liebt und dazu noch eine Schwäche für besondere Bücher besitzt, der muss "Das sternenlose Meer" im Bücherregal stehen haben, denn vielleicht ist es genau das besondere Buch, diese magische und besondere Geschichte, die auch Zachary in "Süßes Leid" im Bücherregal gefunden hat.
Seid ihr bereit für ein großes Abenteuer?

Donnerstag, 10. September 2020

Lesemonat Juli

 

Und wieder einmal etwas verspätet kommt hier mein Lesemonat Juli. Im Juli dieses Jahres habe ich insgesamt acht Bücher gelesen mit 3414 Seiten. Das war ja schon einmal nicht schlecht, dann kann es ein wenig ausführlicher werden. 

Das erste Buch aus dem Monat Juli kommt von Patrick Rothfuss. "Der Name des Windes" stand schon länger auf meiner Liste der Bücher, die ich unbedingt bald lesen wollte - und ich wurde nicht enttäuscht. Der Auftakt der Reihe ist eine abenteuerreiche Reise, nicht nur eine fantastische, sondern auch eine fantasievolle Geschichte und eine faszinierende Lebensbeichte. Ich freue mich schon sehr auf den geteilten Nachfolger und natürlich auf den Abschluss der Reihe (der leider noch nicht veröffentlicht ist, aber auch ich reihe mich nun in die Leserinnen und Leser ein, die hoffen, dass die Veröffentlichung nicht mehr lange dauert)

Weiter ging es mit dem zweiten Teil der Ellingham Academy Serie. Der Auftakt von Maureen Johnson "Was geschah mit Alice?" hat mich total überrascht und mir richtig gut gefallen. Eine interessante und detailreiche Detektivgeschichte, die in einem alten Internat in den Wäldern Vermonts spielt. Da musste natürlich auch der zweite Teil "Die geheimnisvolle Treppe" her und wieder einmal war ich begeistert. Stevie, weiterhin die unglaublich sympathische Heldin der Geschichte, ermittelt nach ihrer kurzen Abwesenheit weiter im spektakulären 'Ellingham Fall' im Internat, und wieder stellen sich ihr einige Hindernisse in den Weg und da ist auch immer noch David, der in den Pausen, wenn sich Stevie nicht gerade mit ihrer Detektiv Arbeit beschäftigt, in ihrem Kopf herumspukt. Genauso wie der Vorgänger endet auch "Die geheimnisvolle Treppe" mit einem gemeinen Cliffhanger, der dazu führt, dass man das Erscheinungsdatum den Abschlussbandes rot im Kalender anstreichen wird.

Das nächste Buch kommt von keinem Unbekannten. "Der Outsider" von Stephen King war meine erste Urlaubslektüre im Juli und immer wieder bin ich erstaunt, was dieser Mann alles kann. "Der Outsider" ist ein hochspannder Kriminalroman geworden, der ganz langsam mit immer mehr mystischen Elementen gespickt wurde und mit einem guten Ende aufwarten konnte. Nicht eine Sekunde wurde ich in der Geschichte nicht unterhalten und so waren die etwa siebenhundert Seiten auch im Nu ausgelesen. Es ist immer gut Lieblingsautoren zu haben, man wird einfach so gut wie nie enttäuscht. 

Die nächste Urlaubslektüre kommt von einer Frau, von der sicher noch Stephen King einiges hätte lernen können. Die Grande Dame des Kriminalromans Agatha Christie. Ihr Roman "Und dann gab's keines mehr" stand ebenfalls schon länger auf meiner Wunschliste und spielt auf einer einsamen Insel, auf der zehn völlig unterschiedliche Personen eingeladen werden in ein großes Sommerhaus, das dann relativ zeitnah nach der Ankunft der Inselgäste Schauplatz eines Mordes wird. Und während die übrig gebliebenen Personen noch rätseln, was passiert ist, bahnt sich auch schon das nächste Unglück an. Auch "Und dann gab's keines mehr" hat mich hervorragend unterhalten und auch ich wurde lange in die Irre geführt, bis ich wusste, was da auf der Insel vorgeht. Ein toller Krimi. 

Weiter ging es im Juli mit "Schöner als überall" von Kristin Höller. Die Autorin hat eine zarte und poetische Geschichte über das Erwachsen Werden geschrieben. Noah und Martin sind schon ihr ganzes Leben Freunde, auch als beide aus ihrem verschlafenen Wohnort nach München ziehen. Am Anfang der Geschichte kehren sie genau dorthin wieder zurück und erfahren auf unterschiedliche Weise, was im Leben wirklich zählt- und wie sie dieses leben wollen. Vor allem die Sprache, die Kristin Höller benutzt, hat mir besonders gut gefallen.

Im Juli gab es dann auch wieder ein bisschen Poesie. Poesie von der besonders schönen Sorte. Seit mir Amanda Lovelace mit "The princess saves herself in this one" das Herz gebrochen hat, musste jeder ihrer Gedichtbände bei mir einziehen, genauso wie zuletzt "break your glass slippers", der Beginn einer neuen Reihe, die mir wieder einmal sehr gut gefallen hat. Ich kann gar nicht genau beschreiben, warum mich die Worte der Autorin jedes Mal so besonders rühren, aber es scheint, als öffnete sich jedes Mal etwas in mir beim Lesen ihrer Gedichte und ich fühle mich verstanden. So, als ob jemand ein paar meiner Gedanken in Worte fasst. Ein unglaubliches Talent, das diese Frau besitzt.

Von meinem vorletzten Buch aus dem Lesemonat hätte wahrscheinlich auch nicht der Autor John Ironmonger gedacht, dass es jemals so eine erschreckende Aktualität erlangen würde. Zunächst erzählt der Autor "Der Wal und das Ende der Welt" von einem Aussteiger, der an der Küste eines kleinen und entlegenden Küstenorts strandet und freundlich und fast schon liebenswert von den Bewohnern des Ortes aufgenommen wird. Bald schon stellt sich heraus, dass die Hauptfigur anscheinend einem Wal seine Rettung aus den Fluten verdankt und auch seine weitere Geschichte an diesem entlegenden Ort wird immer wieder von diesem Tier geprägt. Als dann eine dramatische Grippeepidemie die Welt heimsucht, müssen die Bewohner des Dorfes zusammen arbeiten, um sich durch diese erschreckenden Zeiten zu retten. John Ironmonger ist eine großartige Geschichte gelungen, ein beeindruckendes Stück Menschlichkeit und wie immer wieder einzelne Personen Geschichte prägen können - oder eben ein riesiger Wal.

Das letzte Buch aus dem Juli war ein Reread eines meiner Lieblingsbücher. In "Small World" von Martin Suter begegnen wir Konrad Lang, einer der liebevollsten Figuren, die ich jemals kennen lernen durfte. Martin Suters Hauptfigur erkrankt langsam an Demenz. Es fängt mit Kleinigkeiten an, dass der Schlüssel plötzlich im Eisfach landet oder der Weg zum Einkaufen vergessen wird und steigert sich langsam in Dramatische. Besonders wichtig ist, dass die Aufmerksamkeit auf eine Krankheit gelenkt wird, für die es noch viel zu wenig Verständnis gibt. 

Das war es auch schon wieder mit meinem Lesemonat, der sehr erfolgreich war. Es geht weiter in den August. 

Sonntag, 6. September 2020

Ambrose Parry - Die Tinktur des Todes




Verlag: Pendo (Pieper)
Seiten: 464
Erschienen: 31. August 2020
Preis: 16.99 Euro (Ebook: 12.99 Euro)






Herzlich Willkommen im alten Edinburgh. Enge Gassen, verschlungene und versteckte Winkel an jeder Ecke, zwielichtige Typen in langen Mänteln und grimmigem Gesichtsausdruck. Überall scheint ein mysteriöser Nebel über der gesamten Szenerie zu liegen.
In diesem Edinburgh begegnen wir einer Figur, die gerade mit einem verzerrten Gesichtsausdruck, aus dem der Schrecken und die Furcht noch nicht ganz gewichen sind, aus einem Hauseingang gestolpert kam. Als wäre der Teufel persönlich hinter ihm her, flieht der Mann in eine besonders dunkle Gasse und verschwindet im Nebel. Und so sind wir mitten herein ins Ausgangsszenario des historischen Kriminalromans "Die Tinktur des Todes" von Ambrose Parry, dem Pseudonym der Autoren Christopher Brookmyre und Marisa Haerzman, gefallen. Begegnet sind wir der Hauptfigur Raven, der sein bisheriges Leben in den eher zwielichtigen Gegenden Edinburghs verbracht hat und die Chance bekommt sein Leben zu ändern, als Lehrling des berühmten Arztes Dr.Simpson, spezialisiert auf Geburtshilfe, gut betucht und häufig im Milieu der reichen Bevölkerung Edinburghs unterwegs. Doch bevor Raven auch nur einen Schritt in seinem neuen Aufgabengebiet unternehmen kann, beginnt eine erschütternde Mordserie in der schottischen Stadt und mit dem Hausmädchen aus Dr. Simpsons Haushalt, Sarah, begibt sich Raven auf die Spur des Täters. 
Sicherlich muss man bei "Die Tinktur des Todes" zuerst die wunderbare Atmosphäre des Romans herausheben, die sich vor allem im alten Edinburgh verdichtet und den Leser ganz langsam vollkommen einnimmt. Edinburgh wirkt schließlich auch heute immer noch mystisch und geheimnisvoll, was bietet sich da besser an einen Kriminalroman im historischen Edinburgh spielen zu lassen? 
Auch wenn sich die Handlung an manchen Stellen des Buches etwas gezogen hat, hat mir mein Ausflug ins alte Schottland insgesamt gut gefallen. Tatsächlich hatte ich mit Raven, als Hauptfigur, manchmal meine Probleme, weil er oft überheblich wirkte und auch ein bisschen undurchsichtig, doch ungefähr bei der Mitte der Geschichte wurde er zugänglicher und es wurde deutlich, dass er eigentlich nur Gutes im Sinn hat. 
Sarah, die für mich der heimliche Star des Romans war, war mir dagegen von der ersten Seite an sympathisch. Ihre Klugheit und Neugier haben mir sofort imponiert und ich empfand wahrscheinlich genauso oft wie Sarah selbst die vollkommene Ungerechtigkeit ihrer Situation, dass sie mit ihren Ambitionen in die falsche Zeit geboren, diese nicht ausleben konnte und ihr ganzes bisheriges Leben eine einzige Unterforderung war. Umso mehr imponierte mir, dass sie trotzdem immer wieder Wege fand ihre Interessen durchzusetzen und somit diesen historischen Kriminalroman einen Hauch Feminismus verlieh. 
Die schlussendliche Auflösung der Geschichte hatte ich dann auch erst ganz am Schluss vorausgeahnt und die genretypische Präsentation des Schurken war dann eine kleine Überraschung.
Zum Abschluss möchte ich noch betonen, dass "Die Tinktur des Todes" auch in medizinischer Hinsicht unglaublich interessant zu lesen war, weil man sehr viele Einblicke in die medizinische Arbeit zur Zeit, in der der Roman spielt, bekommt und die - so gehe ich aus - exakt recherchiert war, da ein Teil des Autorenduos, Marisa Haetzman, Medizinhistorikerin ist, zwanzig Jahre als Anästhesistin gearbeitet hat und ihre Forschungsarbeit zur modernen Anästhesie überhaupt erst die Idee zum vorliegenden Roman geliefert hat. Auch, wenn dem Leserin und dem Leser einige historische Medizinpraktiken in "Die Tinktur des Todes" die Haare zu Berge stehen lassen wird, war dies doch eine interessante Abrundung des Romans, der Interesse weckt an den Folgebänden. 

"Die Tinktur des Todes" ist der Auftakt der 'Die Morde von Edinburgh' Reihe. 

 

Montag, 10. August 2020

Lesemonat Juni

 


Hallo lieber komplett verspäteter Lesemonat Juni. Ja, manchmal kommt das Leben dazwischen und einige Blogbeiträge müssen warten. Aber glücklicherweise kann man alles nachholen und aus diesem Grund reiche ich heute meinen Lesemonat Juni nach. Im Juni habe ich insgesamt acht Bücher gelesen mit 3426 Seiten. Zwei Monatshighlights waren dabei, die kommen aber zum Ende des Lesemonats. Dann sind die Fakten geklärt, los geht's.

Das erste Buch kommt von Philippe Lancon. Der Autor saß in der Redaktion der französischen Satirezeitung 'Charlie Hebdo', als diese von Terroristen überfallen wurde und zwölf Menschen getötet wurden. In "Der Fetzen" erzählt Lancon, der bei dem Anschlag schwer verletzt wurde, seinen langen Weg zurück in ein Leben, das die Gesellschaft als 'normal' bezeichnet. Doch für den Journalisten wird schnell klar, dass sein Leben nie wieder normal sein wird. Unfassbar intensiv und manchmal schwer zu ertragen schreibt der Autor, aber gerade deswegen ist dieses Buch so wichtig, weil es die Wahrheit erzählt. Schonungslos und ehrlich.

Weiter ging es im Juni mit dem Buch "Das Geheimnis von Shadowbrooks" von Susan Fletcher. In der Geschichte geht es um eine junge Frau Clara, die eine Einladung in den Süden Englands erhält. Sie soll das Gewächshaus vom Anwesen Shadowbrooks ausstatten und macht sich auf dem Weg aus den grauen und regnerischen London in den malerischen Süden. Doch auf dem Anwesen angekommen, merkt Clara schnell, dass irgendetwas nicht stimmt in diesem großen Haus. Die Haushälterinnen verhalten sich seltsam und der Hausherr, der die Einladung ausgesprochen hat, lässt sich überhaupt nicht blicken. Und dazu offenbart sich Clara noch ein Geheimnis, auf Shadowbrooks soll ein Geist umgehen. 
Von der ersten Seite an habe ich mich von der Geschichte unglaublich unterhalten gefühlt und manchmal, das muss ich zugeben, habe ich mich auch wirklich gegruselt, wenn es um die Geistergeschichte gegangen ist. Vor allem aber hat mir die Hauptfigur gefallen, die mich zwischendurch immer wieder an die Bronte Charaktere erinnert hat. Ein alles in allem wirklich gelungener Roman.

Das nächste Buch war ein bereits von mir lang erwartetes Prequel der Tribute von Panem Reihe. "Das Lied von Vogel und Schlange" von Suzanne Collins. In der Geschichte erzählt die Autorin das Leben des Präsidenten von Panem in Katniss Everdeens Zeit: Coriolanus Snow. Und das war wahnsinnig interessant, erst einmal überhaupt ein Blick in ein Panem zu bekommen, dass etliche Jahre vor Katniss Hungerspielen existiert und gerade frisch aus dem Krieg der Rebellen kommt. Es war interessant, weil es in diesem Buch völlig andere Hungerspiele statt finden und am meisten interessant war die Tatsache, dass wir einen, zumindest zu Beginn der Geschichte, charakterlich völlig anderen Snow kennen lernen, der mühelos den gesamten Plot tragen kann. Auch, wenn "Das Lied von Vogel und Schlange" einige Längen hat, bin ich doch von dem Prequel völlig überzeugt, weil es einen ganz anderen Blickwinkel öffnet.

Weiter ging es im Juni mit dem Buch von C.A. Fletcher. In "Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt" betreten wir eine fast entvölkerte Welt, in der der Protagonist sich auf eine lange Reise macht seinen Hund wiederzufinden, der ihm nach einer List gestohlen wurde. C.A. Fletchers Buch ist eine stille Geschichte über das, was im Leben wirklich wichtig ist in einer Welt, die sich die Natur längst zurückgeholt hat. Mit dem Ende hätte ich dann überhaupt nicht gerechnet und auch wenn der Roman ebenfalls ein paar Längen hat, wurde ich doch bestens unterhalten. 

Der Monat ging weiter mit dem Buch von Edna O'Brien. In "Das Mädchen" wird die Geschichte von Maryam erzählt, die aus ihrer nigerianischen Schule von Boko-Haram Kämpfern an einen unbekannten Ort entführt wird und dort die Hölle einer Gefangenschaft durchleben muss. Mit ihrer Freundin Buki gelingt ihr schließlich die Flucht und nun muss sie sich ihr Leben zurückkämpfen und das beschreibt die Autorin mit einer unglaublichen Empathie und Feinfühligkeit. "Das Mädchen" ist ein Buch über Gewalt gegen Frauen und ihre Fähigkeit diese immer und immer wieder zu überwinden. Pflichtlektüre!

Nachdem ich zuletzt einen Ausflug in das Genre des Liebesromans unternommen
und ein Reread von 'Kirschroter Sommer' gestartet habe, ging es weiter mit dem zweiten Teil von Carina Bartsch. In "Türkisgrüner Winter" wird die Liebesgeschichte zwischen Emily und Elyas weiter erzählt und wie beim ersten Lesen hat mir der zweite Teil wesentlich besser gefallen, als der Erste. Möglicherweise, weil die Geschichte sehr viel mehr ins Detail ging, als noch im ersten Roman, der nur an der Oberfläche kratzte und auch, weil die Charaktere viel zugänglicher wurden und auch oft weniger nervig. Zusammenfassend war das Ganze ein gelungenes Reread, das mich dazu noch gebracht hat auch den kürzlich erschienenen dritten Teil der Reihe lesen zu wollen. 

Kommen wir nun zu meinem ersten Monatshighlight. "1000 Serpetinen Angst" von Olivia Wenzel ist ein intensiver Debütroman, eine unfassbar wichtige Geschichte und ein Fest der Selbstreflexion. Es geht um Rassismus im Alltag, immer und überall. Es ist ein Monolog, ein Frage und Antwort Spiel. Es ist wirr und meistens ohne roten Faden, es ist ungewöhnlich und ein Buch, das man aus vielen verschiedenen Gründen nicht so schnell vergessen wird. Manche Sätze möchte man sich ausschneiden und an die Wand hängen. Ein Buch, das man unbedingt, unbedingt lesen sollte. 

Das letzte Buch und das zweite Monatshighlight kommt von Franka Frei und heißt "Periode ist politisch". Für mich kam das Lesen dieses Buches ein bisschen einer Offenbarung gleich. Sooft habe ich mich in Franka Frei's Worten wiedergefunden, ich habe mich ertappt aber gleichzeitig verstanden gefühlt. Ich habe es alles gefühlt, jede einzelne Seite und gespürt, wie die Revolution losgebrochen wurde. Franka Frei spricht darüber, welche Folgen es haben kann weiterhin nicht offen über die Periode zu sprechen. Und diese Folgen sind weitreichender, als sich irgendjemand vorstellen kann. Sie betreffen nicht nur den Alltag von menstruierenden Menschen, sondern auch die gesamte Gesellschaft. Wie oft ich zwischen den Zeilen genickt und mich einfach verstanden gefühlt habe, ich kann es nicht zählen. "Periode ist politisch" ist ein Buch, das wirklich JEDER lesen sollte.