Mittwoch, 13. Juni 2018

Jean-Gabriel Causse - Arthur und die Farben des Lebens




Verlag: C.Bertelsmann
Seiten: 288
Erschienen: 10. April 2018
Preis: 20 Euro (Ebook: 15.99 Euro)









Von einem auf den anderen Tag beginnen plötzlich die Farben auf der Welt zu verschwinden. Alles ertrinkt in Eintönigkeit und Leere und sowohl Mensch als auch Tier scheinen von Tag zu Tag depressiver zu werden.
Arthur, ehemaliger Mitarbeiter einer französischen Buntstiftfabrik, geht der Ursache des plötzlichen Schwunds der Farben auf den Grund. Hilfe bekommt er dabei von seiner Nachbarin, einer blinden Wissenschaftlerin und ihrer bezaubernden kleinen Tochter.
Und dann, nach einem ewigen Schwarz und Grau, geschieht es. Eine Farbe kehrt auf die Erde zurück aber warum gerade diese? Und wo sind die anderen Farben?

"Arthur und die Farben der Welt" von Jean-Gabriel Causse hat mich vor allem wegen des ungewöhnlichen Ausgangsszenarios unheimlich fasziniert. Was geschieht mit den Menschen, wenn von einem auf den anderen Moment plötzlich alles schwarz, grau und weiß ist? 
Aus anfänglichem Unverständnis der Situation wächst relativ schnell eine ausgewachsene Depression aus den Menschen heraus denn in einer Welt zu leben, in der es keine Farben gibt, scheint für die meisten Menschen mit keinerlei Glück verbunden zu sein. In dieser ausweglosen Situation begegnen wir Arthur, ausgerechnet ehemaliger Mitarbeiter einer Buntstiftfabrik, die passenderweise an dem Tag, an dem die Farben verschwanden pleite gemacht und schließen musste. 
Der Protagonist Arthur steckt mitten in einer ausgewachsenen Midlife Krise, welche sich bei ihm vor allem im übermäßigen Alkoholkonsum bemerkbar macht. Aber ausgerechnet diesem ausgebrannten ehemaligen Lebemann ist es nach Monaten einer farblosen Welt gegönnt zum ersten Mal wieder einen winzigen Farbtupfer in diesem eintönigen Universum zu finden. Von diesem Moment setzt Arthur alles daran dem Rätsel der verschwundenen Farben auf die Spur zu kommen, nicht ahnend, dass der Ursprung des Geheimnis bei ihm selbst liegt.
"Arthur und die Farben der Welt" ist eine herzerwärmende, liebevolle und teils fast schon philosophische Geschichte geworden. Das Buch lebt vor allem von seinen liebevollen Figuren, die man am liebsten allesamt in echt gerne kennen würde und mit denen man jederzeit bereit ist sich ins nächste Abenteuer zu stürzen. Causse' Geschichte bietet dem gegenüber allerdings genauso viele üble Schurken, die sich dem hoffentlich glücklichem Ausgang dieses bezaubernden Buches immer wieder in den Weg stellen wollen. "Arthur und die Farben des Lebens" enthält viele Botschaften über das Leben, die vor allem besagen mehr auf seinen Gegenüber zu achten und im Leben die Kleinigkeiten zu sehen, die es erst lebenswert machen. 
Ich glaube, dass es schwer ist die Geschichte nicht zu mögen, weil sie zweifellos ein gutes Gefühl hinterlässt. Wer neugierig geworden ist, muss sich wohl auch in eine Welt ohne Farben fallen lassen. 
Keine Sorge, es lohnt sich! 

Montag, 28. Mai 2018

Matt Ruff - Lovecraft Country





Verlag. Hanser
Seiten: 433
Erschienen: 14. Mai 2018
Preis: 24 Euro 









An dieser Stelle beginne ich normalerweise immer mit dem Inhalt eines Buches, damit zumindest ein kurzer Überblick vermittelt wird, um was es in der Geschichte eigentlich geht. Es gibt allerdings Bücher, so habe ich in den letzten Tagen gelernt, da kann man dieses 'eigentlich' nicht beschreiben, egal, wie sehr man es versucht. 
Es gibt Bücher, die haben so viel, dass ein bloßer Grundriss ihres Inhalts nicht einmal ansatzweise dem nahe kommt, was man eigentlich vermitteln will, was man sagen möchte.Wenn man es simpel ausdrückt, möchte ich mit diesem Text wohl sagen, dass man "Lovecraft Country" von Matt Ruff unbedingt lesen muss.
Ohne Ausnahme oder Einschränkungen.
Für mich gehört dieses Buch zu den besten, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, auch wenn ich einen prägnanten Grund, der sofort einleuchtet, nicht benennen kann. "Lovecraft Country" wirft, obwohl es durchaus wichtige Botschaften vermittelt, trotzdem nicht mit philosophischen Weisheiten um sich. Es ist keine Geschichte, bei der man am liebsten auf jeder Seite mindestens ein Zitat hervorheben möchte, weil es so schön geschrieben ist. Es ist viel mehr ein intensiver und nicht erklärbarer Sog, der den Leser von der ersten Seite packt und während der gesamten Handlung nicht mehr loslässt. "Lovecraft Country" gehört zu diesen Geschichten, an die man denkt, auch wenn man sie nicht gerade liest und die einen breit lächeln lassen, entweder, weil man an eine vergangene gelesene Szene denkt oder weil man sich darauf freut schon bald weiter lesen zu dürfen. 
"Lovecraft Country" ist eines dieser Bücher, bei denen man den ein oder anderen Satz noch ein zweites Mal lesen muss, um ganz sicher zu gehen, dass man das auch gerade wirklich so gelesen hat. Und es gehört zu diesen Geschichten, bei denen man jedes einzelne Wort gierig aufsaugt aus purer Angst irgendetwas zu verpassen.
Doch was ist "Lovecraft Country" jetzt eigentlich genau?
Die Geschichte ist ein wilder Genremix aus Fantasy, Science-Fiction und den dunkelsten Zeiten amerikanischer Geschichte, die Rassentrennung in den fünfziger Jahren. Genreuntypisch spielen in Ruffs Roman schwarze Protagonisten die Helden und das machen sie mit einer solchen beeindruckenden Intensität und Genialität, dass man ihnen am liebsten ständig applaudieren möchte. "Lovecraft Country" lebt von seinen Figuren in jeder einzelnen Zeile und es lebt überdies von seinem verrückten Handlungsstrang, der uns von Grusel- und Spukhäusern ohne Umwege auf andere fremde Planeten befördert. Gleichzeitig besitzt dieses Buch eine erschreckende Aktualität, die die fünfziger Jahre als etwas erscheinen lassen, dass man gestern im Fernsehen gesehen oder in der Zeitung gelesen hat. 
Es ist schon beeindruckend ein Buch zu schreiben, das gleichzeitig belehrt, zum Nachdenken anregt, auch abseits der Lesezeiten und dabei noch so wahnsinnig gut unterhält. Matt Ruff hat dieses Kunststück vollbracht. 

Montag, 14. Mai 2018

/Filmrezension/ Eleanor & Colette






Regie: Billie August
FSK: 12 Jahre
Genre: Drama/Filmbiografie
Länge: 1 Stunde, 55 Minuten
Starttermin: 03. Mai 2018







Eleanor Riese macht nach einer ihrer zahlreichen Selbsteinweisungen in eine psychiatrische Klinik Nägel mit Köpfen und engagiert die zielstrebige Anwältin Colette. Eleanor ist sich ihrer Schizophrenie und ihrer Angstattacken durchaus bewusst, sie verweigert auch nicht die Medikamenteneinnahme, es geht ihr darum nicht zwangsweise mit Medikamenten vollgepumpt zu werden, sondern selbstständig, wozu sie durchaus in der Lage ist, über die Dosis bestimmen zu dürfen.
Vor Gericht geht es schnell nicht nur mehr um Eleanors Schicksal, sondern um das von 150 000 psychisch kranken Menschen in den Vereinigten Staaten, die regelmäßig gegen ihren Willen mit Medikamenten vollgepumpt werden, ungeachtet der Nebenwirkungen und Risiken einer solchen unkontrollierten Medikamentendosis. 
Wegen ihrer besonderen und einzigartigen Art nimmt Eleanor nicht nur ihre Anwältin für sich ein, sondern alle Menschen in ihrer Umgebung aber besonders zwischen diesen grundverschiedenen Frauen entsteht eine Freundschaft, die zeigt, dass alles möglich ist, wenn man nur fest genug darum kämpft.

Auch mehrere Tage nach meinem Kinobesuch von "Eleanor & Colette" fällt es mir immer noch schwer die Fülle der Emotionen zu erfassen, die mich überwältigt haben, nach dem der Abspann über die Kinoleinwand lief. 
Was für eine einzigartige, was für eine wunderschöne, besondere, tieftraurige, Mut machende, berührende und inspirierende Geschichte. 
Helena Bonham Carter, so scheint es, spielt mit Eleanor Riese die Rolle ihres Lebens. Fast in jeder Szene wollte ich ihr für ihre grandiose schauspielerische Leistung applaudieren.
Ich hätte im Vorfeld niemals damit gerechnet, dass mich dieser Film so berühren würde. Ich bin davon ausgegangen, dass der Handlungsverlauf, der auf wahren Begebenheiten beruht, größtenteils die Seite dieses äußerst bedeutenden und schwierigen Falls beleuchtet. Dem war allerdings nicht so. 
Natürlich wurden oft die Gespräche über die Strategie in diesem Fall zwischen Colette und ihrem Partner Mort gezeigt und auch einige Gerichtsszenen waren enthalten, doch schnell wurde deutlich, dass der Hauptfokus der Erzählung auf die besondere Freundschaft zwischen Eleanor und Colette, Eleanors Wesen und dem allmählichen Wandel in Colettes Privatleben gelegt wird, weil die zunächst introvertierte Colette im Laufe der filmischen Handlung immer mehr erkennt, was im Leben wirklich wichtig ist. Und das liegt natürlich größtenteils an ihrer neuen Freundin Eleanor, die permanent so viel Bedeutendes und Wichtiges von sich gibt, dass man eigentlich den ganzen Tag mit einem Block und Stift neben ihr hergehen müsste.
"Eleanor & Colette" erlaubt einen wichtigen Blick hinter die Fassade einer unglaublichen und inspirierenden Frau, der das Leben nicht nur in gesundheitlicher Hinsicht übel mitgespielt hat und die trotzdem unbeirrt ihren Weg geht und die niemals vergisst, was wichtig ist. Zudem scheint der Film, nach den unfassbaren Diskussionen um einen neuen Gesetzesentwurf in Bayern, in dem psychisch kranke Menschen wie Straftäter behandelt werden sollen, genau zum richtigen Zeitpunkt zu kommen. 
"Eleanor & Colette" wirft ein neues Licht auf einen der wichtigsten Gerichtsprozesse in der amerikanischen Geschichte, der für so viele Menschen eine enorme Bedeutung hatte. Außerdem zeigt dieser wunderschöne Film, dass Freundschaft alles möglich machen kann. Sie lässt mühsam aufgerichtete Mauern einbrechen und Lebensweisen komplett überdenken. Sie zeigt das Wahre, das Wunderschöne, das Zerbrechliche und die Stärke in Menschen. Und sie macht es möglich, dass du solche Filme am liebsten umarmen möchtest, weil sie dir in gerade einmal zwei Stunden so viel geben.
Dieses Seven-Up trinke ich auf dich, Eleanor!
Unbedingt anschauen!

Donnerstag, 26. April 2018

(Lisa schreibt) Ich bin keine scheiß Märchenprinzessin!

Disney Filme, vor allem, wenn es um Märchen geht, mögen wir alle. Vor allem Happy Ends, in denen die Märchenprinzessin am Ende ihren Prinzen bekommt und Friede, Freude, Eierkuchen herrscht.
Doch wer hätte gedacht, dass ausgerechnet einige Exemplare des männlichen Geschlechts in Märchenfilmen zwischen Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden können?

Ich bin Single und - entgegen der Überraschung vieler, vor allem männlicher Zeitgenossen- bin ich es gerne. Ich liebe es völlig frei über meine Zeit bestimmen zu können. Ich liebe es abends mit Freunden wegzugehen und zu flirten mit wem ich will. Und vor allem vergöttere ich diese freien Tage, in denen ich einfach in meinen Schlafklamotten im Bett liegen bleiben kann, um den ganzen Tag zu lesen. Ich befinde mich in einer Phase meines Lebens, in der ich mir vollkommen selbst genüge und das Einzige, was ich brauche ein volles Bücherregal ist- und vielleicht sechs Wochen Strandurlaub.

Trotzdem komme ich nicht umhin in vielen Gesprächen, die ich mit Männern führe in allen möglichen gesellschaftlichen Bereichen des Lebens, direkt oder indirekt heraus zu hören, dass ich unmöglich "gerne" partnerlos sein kann. Es wäre doch schön immer jemanden an seiner Seite zu haben und überhaupt würde ich das doch bestimmt nur sagen, weil ich in Wahrheit eben doch eine Beziehung will, einsam bin und aus meiner Einsamkeit gerettet werden möchte. Ich frage euch jetzt ganz ehrlich:
Tickt ihr noch ganz richtig?

Wie könnt ihr euch herausnehmen, dass ihr zu glauben wisst, wie meine tiefsten Sehnsüchte aussehen? Wieso könnt ihr nicht glauben, dass es Frauen gibt, die ihr Leben mit sich selbst vollkommen ausreichend finden und dabei - oh große Überraschung - glücklich sind? Wieso sind nach über zweihundert Jahren Emanzipation Frauen, die alleine leben, einsam und müssen gerettet werden, während Männer, die den gleichen Lebensstil pflegen als charismatische Junggesellen betitelt werden? 
Oh je, wer wirklich glaubt, dass wir in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben läuft wahrscheinlich sein Leben lang mit Tomaten auf den Augen durch die Gegend.

Ich bin keine scheiß Märchenprinzessin!

Ich lebe in keinem meterhohen Turm, in dem mich meine böse Stiefmutter gespertt hat. Ich habe keinen gläsernen Schuh verloren und schon gar nicht wurde ich mit einem Apfel vergiftet und nur der Kuss meiner wahren Liebe kann mich wieder aufwecken.
Ich muss nicht gerettet werden!

Tut mir einen Gefallen und versucht dieses Bild der holden Jungfrau in Nöten aus euren Köpfen zu vertreiben, denn - entschuldigung, am Telefon, es ist für euch - das 21. Jahrhundert ist dran. 
Natürlich möchte ich mit diesen Artikel nicht alle männlichen Wesen über einen Kamm scheren, denn ich möchte sowieso in keiner Welt leben, in der jeder dieses Frauenbild inne hat. Genauso wenig kann ich sagen, ob ich in einem, in drei oder in fünf Jahren immer noch dieses Leben in der Art führen werde. Aber wenn doch, dann ist es meine Entscheidung. Denn es ist mein Leben, das ich leben kann, wie ich es möchte.

Und gerade fühlt es sich verdammt gut an.

Samstag, 21. April 2018

Lesemonat Januar

Hi. Ich heiße Lisa und habe auch im Januar Bücher gelesen. Deswegen heißt dieser Beitrag folgerichtig "Lesemonat Januar". Herzlich Willkommen. Ich freu mich, dass ihr hier seid. Macht euch gemütlich, nehmt ein Stück Kuchen, denn es wird lang. Im Januar habe ich insgesamt elf Bücher gelesen, ein Ebook war dabei und es waren 4726 Seiten. 
Ein Jahreshighlight war bereits in diesem jungen Jahr dabei. Das kommt, wie immer, am Ende des Beitrags. 
Dann kann es ja jetzt losgehen. 
Das erste Buch aus dem Lesemonat Januar kommt von Betty Smith. "Ein Baum wächst in Brooklyn" ist eigentlich ein Klassiker, wurde im Insel Verlag aber neu verlegt mit diesem wunderschönen Cover. Der Inhalt hat mich auch sofort angesprochen und ich war sehr gespannt, was mich erwarten würde. Bekommen habe ich schließlich eine sogleich melancholische aber zugleich wunderschöne Geschichte über ein junges Mädchen namens Francie, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Brooklyn aufwächst. Trotz der vielen Steine, die ihr immer wieder in den Weg gelegt werden, bleibt Francie dran und geht ihren Weg weiter. "Ein Baum wächst in Brooklyn" ist eine Geschichte, die zum Verweilen einlädt und eine, die man nicht so schnell vergessen wird. 
Das nächste Buch ist auch das einzige Ebook, das ich im Januar gelesen habe. Es kam von Ernest Cline. "Ready Player One" wurde bereits fürs Kino verfilmt und bevor ich mir den Film ansehen wollte, musste ich natürlich das Buch lesen. Und ich war wirklich sehr positiv überrascht. Cline hat mit seiner virtuellen Realität, die OASIS, eine unglaublich vielschichtige und großartige Science-Fiction Welt erschaffen, die wirklich Spaß gemacht hat. Genauso hat mir die permanente Hommage an die Popkultur der achtziger Jahre viel Freude bereitet, die jede Seite durchzogen hat. "Ready Player One" ist für jeden Science-Fiction Fan ein absolutes Muss. 
Weiter ging es im Januar mit dem neusten Werk von meinem japanischen Lieblingsautoren Haruki Murakami. Auf "Die Ermordung des Commendatore. Eine Idee erscheint" habe ich mich schon sehr lange gefreut. Die Geschichte um einen namenlosen Erzähler und Maler, der zunächst ziellos durch Japan reist und sich dann in dem abgelegenen Haus eines berühmten Künstlers niederlässt, um der Zivilisation zu entfliehen, hat mich dann auch unglaublich fasziniert. Obwohl Murakami eher ruhig erzählt, hat sich, während die Seiten nur so dahin flogen, eine große Intensität aufgebaut und ich wollte immer unbedingt wissen, wie es weiter geht. Das werde ich auch schon bald, da "Die Ermordung des Commendatore" der erste Teil einer Dilogie ist und ich schon sehr bald den zweiten Teil lesen werde. Zu diesem Buch gibt es auch eine Rezension von mir.
Das nächste Buch aus dem Lesemonat war der zweite Teil einer Reihe. "Lady Midnight", der erste Teil einer neuen Serie aus meinem Lieblingsschattenweltuniversum, hat mir unglaublich gut gefallen. Die ganzen Figuren habe ich sofort ins Herz geschlossen und natürlich auch für die Geschichte eine besondere Schwäche entwickelt. Leider muss ich sagen, dass der zweite Teil "Lord of Shadows" von Cassandra Clare nicht mithalten konnte. Ich hatte das Gefühl, dass die Handlung auch locker in die Hälfte der Seiten gepasst hätte und aus diesem Grund haben sich die Seiten sehr gezogen. Das Ende mit dem gewaltigen Cliffhangar hat mich dann aber doch wieder neugierig gemacht, so dass ich mir den dritten Teil auch holen werde.
Weiter ging es im Januar mit "Rattatatam, mein Herz. Vom Leben mit der Angst" von Franziska Seyboldt. Jeder sechste Deutsche erleidet im Laufe seines Lebens einmal eine Angststörung. Und doch ist dieses gesamte komplexe Thema immer noch ein großes Tabu in unserer Gesellschaft. In ihrem unglaublich mutigen und großartigen Buch nimmt die Autorin die Angst unter die Lupe. Es geht um ihre persönliche Erfahrungen, doch zugleich ist "Rattatatam, mein Herz" ein Mutmachbuch, das verändern will und das zumindest bei mir auch geschafft hat. Unglaublich wichtig und sehr lesenswert!
Im Januar gingen die Reihen weiter. Auch den zweiten Teil der Percy Jackson Reihe von Rick Riordan habe ich im Januar gelesen. "Im Bann des Zyklopen" hat mir genau wie der Auftakt unglaublich gut gefallen. Ich mochte den Humor und den actionreichen Handlungsstrang. Im zweiten Teil der Reihe macht sich Percy auf den Weg, um seinen besten Freund Grover aus der Gewalt eines Zyklopen zu befreien. Auch im Camp Half Blood geht es mal wieder drunter und drüber. Begleitet wird Percy bei seiner gefährlichen Reise von einem ganz besonderen Freund, der noch einen wichtigen Stellenwert in Percys Leben einnehmen wird. 
Apropo Reihe. Auch mit einer anderen ganz besonderen Reihe, von der ich schon eine ganze Menge im Vorfeld gehört habe, habe ich im Januar angefangen. Ich war sehr gespannt auf "Ich fürchte mich nicht" von Tahereh Mafi und das zu Recht. Der Autorin ist eine sehr gute Dystopie gelungen, die aber vor allem durch ihren besonderen Schreibstil sich von den anderen abhebt. Dystopien kann man schon fast nicht mehr neu erfinden, aber trotzdem ist "Ich fürchte mich nicht" zu einem ganz besonderen Reihenauftakt geworden, der Lust auf die kommenden Teile macht. 
Das nächste Buch aus dem Januar war eines dieser Bücher, das schon ewig auf meiner Wunschliste stand. "Im Herzen der Gewalt" von Edouard Louis schien eine ganz besonders intensive Geschichte zu sein. Das war sie auch. Zweifellos. Da es allerdings mein erstes Buch von dem Autoren war, musste ich mich dann auch erst einmal mit dem ganz besonderen Schreibstil von diesem anfreunden. Leider habe ich relativ schnell gemerkt, dass es mir dadurch nicht gelungen ist in die Geschichte hinein zu finden und mit ihr warm zu werden. Da "Im Herzen der Gewalt" dazu auch noch relativ wenige Seiten hatte, plätscherte die Geschichte an mir vorbei und konnte sich leider nicht bei mir festsetzen. 
Mein erstes Buch von Ray Bradbury war nicht das allseits bekannte "Fahrenheit 451", sondern "S is for Space", eine Science Fiction Kurzgeschichtensammlung, die teilweise wirklich irre Themen hatte. Natürlich waren einige Geschichten, so wie das bei Kurzgeschichten üblich ist, nicht unbedingt mein Ding aber genauso viele haben mich zugleich gut unterhalten. Wer auf klassische Science-Fiction steht, ist bei Ray Bradbury auf jeden Fall gut aufgehoben. 
Zum Schluss des Lesemonats kommt wie immer mein Highlight. "Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken" ist sogar schon ein Jahreshighlight geworden und das zu dieser frühen Zeit im Jahr. Aber für mich persönlich hat sich John Green in diesem Roman noch einmal übertroffen. Möglicherweise liegt es auch an der ganz persönlichen Komponente, die das Thema Zwangserkrankungen für mich inne hat, aber Green hat es geschafft dieses schwierige Thema sowohl sensibel, mit Humor und gleichzeitig mit einer Wichtigkeit zu nehmen, die beeindruckend war. Ein ganzes Buch, das beeindruckt und Mut macht und so verdammt wichtig ist. 

Das war er auch schon wieder. Mein sehr langer Lesemonat Januar. 
Ich wünsch euch einen schönen Abend. 

Lisa. 

Montag, 16. April 2018

/Filmrezension/ Ready Player One





Regisseur: Steven Spielberg

FSK: 12 Jahre 
Genre: Science-Fiction, Action
Länge: 2 Stunden, 19 Minuten
Starttermin: 05. April 2018








Wade Watts lebt in einer Art überdimensionaler Wohnwagensiedlung am Rande von Oklahoma City im Jahr 2045. Nach zahlreichen Wirtschafts- und Naturkatastrophen ist das Leben in der Realität ein einziger Kampf geworden. Aus diesem Grund verbringen die Menschen den Großteil ihrer Freizeit in einer virtuellen Realität, namens OASIS, in der die einzige Grenze die menschliche Fantasie darstellt. In der OASIS ist alles möglich und jeder darf der sein, der er will.
Als vor einigen Jahren der Gründer der OASIS, James Hallaway, starb, gab er ein unglaubliches Geheimnis preis. Irgendwo in seinem gewaltigen Universum der virtuellen Realität, versteckte er ein sogenanntes Easter Egg. Nach drei erfolgreich gelösten Rätseln soll der erste Finder des Easter Egg Hallaways Erbe werden und die Führung des gesamten OASIS Universums übernehmen. Lange Zeit tat sich im Wettbewerb überhaupt nichts, bis Wade, ein fanatischer Hallaway Verehrer, das erste Rätsel knackt und plötzlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht...

Normalerweise gehe ich als große Skeptikerin ins Kino, wenn es heißt, dass eine literarische Science-Fiction Vorlage verfilmt werden soll, vor allem, wenn ich das Buch erst vor kurzem gelesen habe. Science-Fiction Welten sind vielschichtiger als normale Welten und so können die eigene Vorstellungskraft und die filmische Realität noch intensiver kollidieren, als sie es ohnehin bei filmischen Literaturadaptionen regelmäßig tun. 
Doch Steven Spielberg ist mit der Verfilmung von Ernest Clines Roman "Ready Player One" etwas Erstaunliches gelungen. Er hat die OASIS lebendig gemacht. Er hat es geschafft die virtuelle Realität für den Kino-Zuschauer zugänglich zu machen. Zugleich ist es ihm gelungen einen guten Kompromiss bei der Frage zu finden, wie die Handlung im Buch auf die Filmleinwand gebracht werden sollte, was wohl vor allem daran lag, dass der Autor des Romans selbst am Drehbuch mit geschrieben hat. Und zum Schluss hat er das vollbracht, was "Ready Player One" zum großen Teil ausgemacht hat. Spielberg hat die Hommage an die Filme, Serien, Musik und Videospiele, also an die Popkultur der achtziger Jahre, die jede Seite von Clines Roman durchzieht, so charmant und fast schon perfekt in die filmische Version umgesetzt, dass ich mich mehr als einmal dabei erwischt habe, wie ich grinsend die Handlung des Films verfolgt habe. Wer sich also einigermaßen in den Achtzigern auskennt, wird bei "Ready Player One" voll auf seine Kosten kommen. Wer eine besondere Schwäche für dieses Jahrzehnt hat, der wird diesen Film lieben. 
Auch die Besetzung, die zum Großteil eher unbekannt war, war hervorragend gewählt. Gerade die Hauptfigur, verkörpert durch den Schauspieler Tye Sheridan, spielte den Charakter Wade Watts detailgetreu und authentisch. Aber auch die Nebenfiguren haben ihre Sache sehr gut gemacht. 
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Verfilmung von "Ready Player One" etwas geschafft hat, was nur sehr wenige Literaturverfilmungen vor ihr geschafft haben: Sie ist ihrer Vorlage gerecht geworden. Spielberg hat keinesfalls versucht Clines Roman bloß stumpf nachzuerzählen. Er hat Handlungselemente übernommen, allerdings auch da verändert, wo es nötig gewesen war. Das führte übrigens auch zu meiner absoluten Lieblingsszene, die sich größtenteils in einem sehr berühmten Hotel abgespielt hat. Was es mit dieser Szene auf sich hat, müsst ihr schon selbst herausfinden.
Auf ins Kino! 

Sonntag, 15. April 2018

Laetitia Colombani - Der Zopf






Verlag: S.Fischer 
Erschienen: 21. März 2018
Seiten: 288
Preis: 20 Euro (Ebook: 16.99 Euro)







Smita lebt mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in einem kleinen indischen Dorf. Sie träumt von einem anderen Leben für ihre Tochter und kämpft wie verbissen darum, diesen Traum zu verwirklichen.
Sarah lebt in Kanada und ist eine erfolgreiche Alleskönnerin. Sie ist sowohl leidenschaftliche Anwältin, als auch Mutter und meistert ihr Leben mit einem Perfektionismus, der beeindruckend ist. Bis zu dem Tag, der alles verändert.
Guilia arbeitet in der Fabrik ihres Vaters in Sizilien, die seit mehreren Generationen aus sizilianischen Haaren Perücken anfertigt. Guilia liebt ihr Leben genauso wie es ist und möchte, dass es immer so bleibt, bis die Familie plötzlich ein Schicksalsschlag ereilt. 

Drei unterschiedliche Frauen.
Drei Leben.
Drei Welten. 
Drei Kontinente.
Zunächst scheinen Laetitia Colombanis Protagonistinnen in "Der Zopf" nichts gemeinsam zu haben. In ihren unterschiedlichen Welten scheinen gemeinsame Anknüpfungspunkte fast unmöglich zu sein. Doch Colombani ist mit ihrem Debütroman wahrhaftig ein kleines Kunststück gelungen. Zuerst noch lose, verknüpft sie immer mehr die einzelnen Handlungsstränge dieser drei besonderen Frauen miteinander, so dass sich plötzlich doch gemeinsame Berührungspunkte ergeben und natürlich wird an dieser Stelle auch deutlich, woher die Geschichte ihren Namen bekommen hat. Das Verknüpfen wirkt in der Hinsicht, dass die Autorin einen erzählerischen Zopf flechtet, der immer dichter wird.
Doch neben dieser besonderen Erzählweise stehen natürlich ihre Figuren. Alle drei Frauen meistern ihr Leben auf ganz unterschiedliche Weisen und haben plötzlich mit besonderen Vorkommnissen zu tun, die ihr bisheriges Leben komplett auf den Kopf stellen. Man bewundert Colombanis Protagonistinnen, weil sie unfassbar stark sind und sich niemals von ihren Zielen abbringen lassen. Durch die starken Persönlichkeiten der Figuren, erkennt man schnell die eigentliche Intention dieses Buches, die ebenso wunderbar ist, wie die Geschichte: Wir Frauen können alles, was wir uns vornehmen, auch erreichen und weder gesellschaftliche, noch persönliche Grenzen werden uns aufhalten können. Und wir sind sogar noch stärker, wenn wir uns zusammentun und die Kraft der Gemeinschaft erkennen. Auch wenn wir es nicht sehen, das Band, das wir knüpfen, wird niemals zerreißen. 
Colombanis Figuren leben die Botschaft ihrer Geschichte auf jeder einzelnen Seite. Obwohl "Der Zopf" in Relation wenige Seiten hat, wird hier trotzdem eine gewaltige, eine großartige und vor allem eine wichtige Geschichte erzählt. Und auch das, was zwischen den Zeilen steht, ist so wichtig, wenn nicht sogar am wichtigsten: In "Der Zopf" geht es um Frauen, die in vielen Teilen der Welt immer noch keinerlei Recht besitzen über ihr eigenes Leben zu bestimmen. Es geht um Ausgrenzung in gesellschaftlichen und persönlichen Bereichen von Frauen, die als selbstverständlich angesehen werden und auch in der Realität in dieser Form immer und immer wieder statt finden. Es geht um das Brechen mit Traditionen für ein höheres Ziel. 
Colombani legt ihren Protagonistinnen immer wieder Steine in den Weg, weil die Welt da draußen eben so ist. Auch wenn wir uns das immer wieder einreden, leben wir in keiner gleichberechtigten Gesellschaft und genau diesen Punkt hält die Autorin in ihrem Roman der Welt vor. Doch so, wie sie ihren Figuren Steine in den Weg legt, stemmen diese die Steine immer wieder weg und gehen konsequent ihren Weg weiter. 
"Der Zopf" ist ein unglaublich beeindruckendes und besonderes Buch geworden. Eine Geschichte, die aufrüttelt und hoffentlich auch verändert. Und eine Geschichte, die zeigt, dass man alles schaffen kann, wenn man nie den Glauben an die eigene Persönlichkeit und Stärke verliert.