Montag, 10. August 2020

Lesemonat Juni

 


Hallo lieber komplett verspäteter Lesemonat Juni. Ja, manchmal kommt das Leben dazwischen und einige Blogbeiträge müssen warten. Aber glücklicherweise kann man alles nachholen und aus diesem Grund reiche ich heute meinen Lesemonat Juni nach. Im Juni habe ich insgesamt acht Bücher gelesen mit 3426 Seiten. Zwei Monatshighlights waren dabei, die kommen aber zum Ende des Lesemonats. Dann sind die Fakten geklärt, los geht's.

Das erste Buch kommt von Philippe Lancon. Der Autor saß in der Redaktion der französischen Satirezeitung 'Charlie Hebdo', als diese von Terroristen überfallen wurde und zwölf Menschen getötet wurden. In "Der Fetzen" erzählt Lancon, der bei dem Anschlag schwer verletzt wurde, seinen langen Weg zurück in ein Leben, das die Gesellschaft als 'normal' bezeichnet. Doch für den Journalisten wird schnell klar, dass sein Leben nie wieder normal sein wird. Unfassbar intensiv und manchmal schwer zu ertragen schreibt der Autor, aber gerade deswegen ist dieses Buch so wichtig, weil es die Wahrheit erzählt. Schonungslos und ehrlich.

Weiter ging es im Juni mit dem Buch "Das Geheimnis von Shadowbrooks" von Susan Fletcher. In der Geschichte geht es um eine junge Frau Clara, die eine Einladung in den Süden Englands erhält. Sie soll das Gewächshaus vom Anwesen Shadowbrooks ausstatten und macht sich auf dem Weg aus den grauen und regnerischen London in den malerischen Süden. Doch auf dem Anwesen angekommen, merkt Clara schnell, dass irgendetwas nicht stimmt in diesem großen Haus. Die Haushälterinnen verhalten sich seltsam und der Hausherr, der die Einladung ausgesprochen hat, lässt sich überhaupt nicht blicken. Und dazu offenbart sich Clara noch ein Geheimnis, auf Shadowbrooks soll ein Geist umgehen. 
Von der ersten Seite an habe ich mich von der Geschichte unglaublich unterhalten gefühlt und manchmal, das muss ich zugeben, habe ich mich auch wirklich gegruselt, wenn es um die Geistergeschichte gegangen ist. Vor allem aber hat mir die Hauptfigur gefallen, die mich zwischendurch immer wieder an die Bronte Charaktere erinnert hat. Ein alles in allem wirklich gelungener Roman.

Das nächste Buch war ein bereits von mir lang erwartetes Prequel der Tribute von Panem Reihe. "Das Lied von Vogel und Schlange" von Suzanne Collins. In der Geschichte erzählt die Autorin das Leben des Präsidenten von Panem in Katniss Everdeens Zeit: Coriolanus Snow. Und das war wahnsinnig interessant, erst einmal überhaupt ein Blick in ein Panem zu bekommen, dass etliche Jahre vor Katniss Hungerspielen existiert und gerade frisch aus dem Krieg der Rebellen kommt. Es war interessant, weil es in diesem Buch völlig andere Hungerspiele statt finden und am meisten interessant war die Tatsache, dass wir einen, zumindest zu Beginn der Geschichte, charakterlich völlig anderen Snow kennen lernen, der mühelos den gesamten Plot tragen kann. Auch, wenn "Das Lied von Vogel und Schlange" einige Längen hat, bin ich doch von dem Prequel völlig überzeugt, weil es einen ganz anderen Blickwinkel öffnet.

Weiter ging es im Juni mit dem Buch von C.A. Fletcher. In "Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt" betreten wir eine fast entvölkerte Welt, in der der Protagonist sich auf eine lange Reise macht seinen Hund wiederzufinden, der ihm nach einer List gestohlen wurde. C.A. Fletchers Buch ist eine stille Geschichte über das, was im Leben wirklich wichtig ist in einer Welt, die sich die Natur längst zurückgeholt hat. Mit dem Ende hätte ich dann überhaupt nicht gerechnet und auch wenn der Roman ebenfalls ein paar Längen hat, wurde ich doch bestens unterhalten. 

Der Monat ging weiter mit dem Buch von Edna O'Brien. In "Das Mädchen" wird die Geschichte von Maryam erzählt, die aus ihrer nigerianischen Schule von Boko-Haram Kämpfern an einen unbekannten Ort entführt wird und dort die Hölle einer Gefangenschaft durchleben muss. Mit ihrer Freundin Buki gelingt ihr schließlich die Flucht und nun muss sie sich ihr Leben zurückkämpfen und das beschreibt die Autorin mit einer unglaublichen Empathie und Feinfühligkeit. "Das Mädchen" ist ein Buch über Gewalt gegen Frauen und ihre Fähigkeit diese immer und immer wieder zu überwinden. Pflichtlektüre!

Nachdem ich zuletzt einen Ausflug in das Genre des Liebesromans unternommen
und ein Reread von 'Kirschroter Sommer' gestartet habe, ging es weiter mit dem zweiten Teil von Carina Bartsch. In "Türkisgrüner Winter" wird die Liebesgeschichte zwischen Emily und Elyas weiter erzählt und wie beim ersten Lesen hat mir der zweite Teil wesentlich besser gefallen, als der Erste. Möglicherweise, weil die Geschichte sehr viel mehr ins Detail ging, als noch im ersten Roman, der nur an der Oberfläche kratzte und auch, weil die Charaktere viel zugänglicher wurden und auch oft weniger nervig. Zusammenfassend war das Ganze ein gelungenes Reread, das mich dazu noch gebracht hat auch den kürzlich erschienenen dritten Teil der Reihe lesen zu wollen. 

Kommen wir nun zu meinem ersten Monatshighlight. "1000 Serpetinen Angst" von Olivia Wenzel ist ein intensiver Debütroman, eine unfassbar wichtige Geschichte und ein Fest der Selbstreflexion. Es geht um Rassismus im Alltag, immer und überall. Es ist ein Monolog, ein Frage und Antwort Spiel. Es ist wirr und meistens ohne roten Faden, es ist ungewöhnlich und ein Buch, das man aus vielen verschiedenen Gründen nicht so schnell vergessen wird. Manche Sätze möchte man sich ausschneiden und an die Wand hängen. Ein Buch, das man unbedingt, unbedingt lesen sollte. 

Das letzte Buch und das zweite Monatshighlight kommt von Franka Frei und heißt "Periode ist politisch". Für mich kam das Lesen dieses Buches ein bisschen einer Offenbarung gleich. Sooft habe ich mich in Franka Frei's Worten wiedergefunden, ich habe mich ertappt aber gleichzeitig verstanden gefühlt. Ich habe es alles gefühlt, jede einzelne Seite und gespürt, wie die Revolution losgebrochen wurde. Franka Frei spricht darüber, welche Folgen es haben kann weiterhin nicht offen über die Periode zu sprechen. Und diese Folgen sind weitreichender, als sich irgendjemand vorstellen kann. Sie betreffen nicht nur den Alltag von menstruierenden Menschen, sondern auch die gesamte Gesellschaft. Wie oft ich zwischen den Zeilen genickt und mich einfach verstanden gefühlt habe, ich kann es nicht zählen. "Periode ist politisch" ist ein Buch, das wirklich JEDER lesen sollte. 

Sonntag, 21. Juni 2020

Marc Elsberg - Gier (Die Welt am Abgrund)




Verlag: blanvalet
Seiten: 448
Erschienen: 25. Februar 2019)
Preis: 24 Euro (Taschenbuch: 12 Euro, Ebook: 14.99 Euro)








"Stoppt die Gier!", rufen sie und "Mehr Gerechtigkeit!".
Auf der ganzen Welt sind die Menschen in Aufruhr. Sie demonstrieren gegen drohende Sparpakete, Massenarbeitslosigkeit und Hunger - die Folgen einer neuen Wirtschaftskrise, die Banken, Unternehmen und Staaten in den Bankrott treibt. Nationale und internationale Konflikte eskalieren. Nur wenige Reiche sind die Gewinner. Bei einem Sondergipfel in Berlin will man Lösungen finden. Der renommierte Nobelpreisträger Herbert Thompson soll eine Rede halten, die die Welt verändern könnte, denn angeblich hat er die Formel gefunden, mit der Wohlstand für alle möglich ist. Doch dazu wird er nicht mehr kommen. Bei einem Autounfall sterben Thompson und sein Assistent - aber es gibt einen Zeugen, der weiß, dass es Mord war, und der hineingezogen wird in ein gefährliches Spiel. Jan Wutte will wissen, was hinter der Formel steckt, aber die Mörder sind ihm dicht auf den Fersen...
(Quelle: RandomHouse)

Stell dir vor, du willst bloß erste Hilfe bei einem Autounfall leisten und gerätst plötzlich ins Visier eiskalter Killer und wenn das noch nicht genug ist, ist auch noch die Polizei hinter dir her, die seltsamerweise dich für einen skrupellosen Mörder hält. 
Herzlich Willkommen im Ausgangsszenario von Marc Elsberg's aktuellem Thrillerstreich: "Gier - Die Welt am Abgrund". Nachdem mich Elsbergs Debüt "Black Out" wie so viele andere in Euphoriestürme ausbrechen ließ und mir gleichzeitig ein mehr als unbehagliches Gefühl bescherte, als bei der eigenen Selbstreflexion klar wurde, wie sehr man eigentlich vom Stromnetzwerk abhing und wie angreifbar man damit war, war ich natürlich sehr gespannt etwas Neues von Elsberg zu lesen. 
Am Ende der Lektüre von "Gier", war ich allerdings enttäuscht. Die Geschichte über eine Welt in der nächsten Wirtschaftskrise und dem Altenpfleger Jan Wutte, der zufällig ins Visier von Auftragskillern gerät, ist ganz nett, mehr aber auch nicht. Auch den erzählerischen Aspekt mit der revolutionären Idee eines Nobelpreisträgers, mit der er ein ganzes System zum Einsturz bringen und neu aufzubauen gedachte, konnte mich am Ende nicht überzeugen.
Es fehlte der Geschichte der Glanz, die Originalität und den unverwechselbaren Realismus, den man noch mit "Black Out" verbunden hat. 
Ein Unschuldiger, der eigentlich nur helfen wollte und einen ehrbaren Beruf ausübt, bei dem er überdies auch noch schlecht bezahlt wird, dieses Szenario gab es zudem außerdem auch schon so oft, das es im Zusammenhang mit der Geschichte oft schwerfällig und nicht überzeugend wirkte. Zudem nahm es auch noch fast den gesamten Realitätsanspruch aus der Handlung und Elsbergs Romane leben eigentlich von den fast schon beängstigenden realen Handlungssträngen. 
Sicherlich sind die anderen behandelten Themen im aktuellen Elsberg Thriller auch uns bekannte Themen. Klimawandel, die immer mehr wachsende Schneise zwischen reich und arm, das Erstarken einer besorgniserregenden rechten Bewegung, doch ungeachtet ihrer Priorität werden sie hier leider zu wenig angeschnitten und bleiben somit eher Nebenthemen. 
Die immer wieder angeschnittene mathematische Komponente in "Gier" war manchmal durchaus interessant, doch weiß ich am Ende nicht, ob mir das nötige mathematische Wissen dafür gefehlt hat, denn nach manchen Abschnitten hatte ich nicht wirklich mehr das Gefühl der Handlung folgen zu können.
Während der Lektüre gab es demnach einige Schwierigkeiten für mich zu überwinden und da mich das Ende des Romans auch nicht überzeugen konnte, 
bleibt "Gier" leider für mich ein gewöhnlicher Thriller, der schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwinden wird. 

Franka Frei - Periode ist politisch (Ein Manifest gegen das Menstruationstabu)





Verlag: Heyne Hardcore
Seiten: 256
Erschienen: 2. März 2020
Preis: 18 Euro (Ebook: 13.99 Euro)







Wie oft wurde die Menstruation als 'Frauenproblem' abgetan, mit der es sich nicht weiter zu beschäftigen galt? Wie oft wurde die Menstruation gar tabuisiert oder wurde nieder geschwiegen, so dass sie ein Geheimnis oder sogar Mysterium wurde, über das nur hinter vorgehaltener Hand geredet wurde? Dabei handelt es sich bei der Menstruation um eine faszinierende Körperfunktion, um die sich immer noch zahlreiche falsche Annahmen ranken. Aus diesem Grund macht sich Franka Frei daran eines der größten Tabus unserer Zeit zu brechen und zeigt auf, welchen gravierenden Einfluss das Schweigen über die Periode auf alle Bereiche unseres gesellschaftlichen Lebens hat...
Die Revolution kommt. Und sie wird blutig.

Diese Bücher, die alles an die richtige Stelle zu rücken scheinen. 
Diese Bücher, in denen du dich selbst sooft wiederfindest, dass es schon fast unheimlich zu sein scheint. 
Die aufgeschriebenen Wörter, diese Gedanken, die dich an manchen Stellen ungläubig den Kopf schütteln lassen, auf anderen Seiten lassen sie dich wissend nicken und manchmal bescheren sie dir so viele 'Aha-Momente' auf einem Schlag, dass es einer Erleuchtung gleich kommt. 
So viel Inspiration, diese Bücher, von denen du überzeugt bist, dass sie die Welt besser machen könnten, wenn sie nur genügend Leute lesen würden. 
All das hat "Periode ist politisch" mit mir gemacht. 
Ein gutes Anzeichen dafür, dass mir ein gelesenes Buch besonders gut gefallen hat, ist, dass ich noch lange, nachdem ich die letzte Seite gelesen habe, immer wieder anfange darüber zu sprechen. Bei Franka Frei's "Periode ist politisch" kam das sogar noch häufiger vor, da das Thema besonders bei Frauen in meinem Alter quasi immer präsent ist. Fast jeden Tag werden wir mit unserer Menstruation in irgendeiner Weise konfrontiert, sei es in der Werbung, wenn wir mit einem schnellen und geübten Griff die Packung Tampons in den Einkaufswagen packen oder gute Miene zum bösen Spiel machen, wenn wir mit einem von Menstruationskrämpfen geplagten Unterleib versuchen unseren Alltag auf die Reihe zu bekommen. Aber vor allem werden wir meistens mit der Periode heimlich konfrontiert, weil es in der Gesellschaft nicht angesagt ist offen über das zu sprechen, was den Alltag von vielen menstruierenden Menschen auf massive Weise beeinflussen kann. Seit ich "Periode ist politisch" gelesen habe, hat in dem Bereich ein Umdenken bei mir statt gefunden. Ich fange an offener zu sein, mich ganz bewusst und vielleicht ein wenig selbstbewusster mit meiner Menstruation auseinander zu setzen und vor allem beginne ich drüber zu reden. Und dabei heraus kam Erstaunliches: in meinem Freundeskreis haben wir uns gefragt, warum wir erst jetzt angefangen haben so ausführlich über die Menstruation zu reden. Schließlich ist es ein gutes Gefühl zu wissen, dass man mit manchen Problemen innerhalb der eigenen Periode nicht alleine ist und sich darüber austauschen kann. 
Franke Frei hat vieles geschrieben, mit dem ich mich identifizieren konnte. Sie hat vieles geschrieben, dass ich noch nicht wusste oder dass mir nicht bewusst war, beispielsweise der problematische Umgang mit Werbung für Menstruationsprodukte, die genau diese gesellschaftliche Ächtung, dass Frauen in der Öffentlichkeit bluten, ausnutzt, um ihre Produkte zu vermarkten. Franka Frei hat mir beigebracht über den Tellerrand hinauszuschauen und gezeigt, in wie vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens negativ eingegriffen wird, wenn die Menstruation weiterhin tabuisiert wird. Deswegen ist es wichtig, dass solche Bücher in die Welt hinausgetragen werden, denn nur so können Dinge verstanden werden, über die sich manche Menschen wahrscheinlich vorher nie Gedanken gemacht haben, und das Leben menstruierender Menschen in vielerlei Hinsicht verbessert werden.
Die Revolution kommt. Und sie wird blutig. 

Sonntag, 14. Juni 2020

Lesemonat Mai


Herzlich Willkommen zu meinem Lesemonat Mai. Im vergangenen Monat habe ich insgesamt sechs Bücher gelesen mit 2674 Seiten. Zwei Monatshighlights waren auch dabei, die kommen aber - wie immer - am Ende. Dann hätten wir die Daten geklärt, es kann losgehen.

Das erste Buch aus dem Mai kommt von Chandler Baker. "Whisper Network" stand schon sehr lange vor Erscheinen auf meiner Wunschliste. Eine Geschichte, in der sich vier Frauen, Kolleginnen und Freundin gegen ihren übergriffigen Chef am Arbeitsplatz wehren und somit das Thema 'sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz' behandelt, über solche Geschichten muss immer wieder geredet werden. Die Autorin hat hieraus ein spannendes Buch gemacht, das eine Mischung aus Kriminalgeschichte und Gesellschaftsroman geworden ist. Einzig die Figuren waren mir persönlich etwas überzeichnet. Zu "Whisper Network" habe ich auch eine Rezension geschrieben. 

Weiter ging es im vergangenen Monat mit einem sehr wichtigen Buch, das für mich schon fast zur Pflichtlektüre gehört. "Unsichtbare Frauen" von Caroline Criado Perez. Schon lange nicht mehr habe ich bei einer Lektüre sooft ungläubig den Kopf geschüttelt, wie bei diesem Buch, in dem die Autorin ihren Leserinnen und Leser detailliert und vor allem durch zahlreiche Quellen verdeutlicht, dass Frauen in jeder Gesellschaft permanent unterdrückt werden, und das in vielen Fällen überhaupt nicht wahr nehmen. Habt ihr euch beispielsweise schon einmal darüber Gedanken gemacht, dass die Stadtplanung durch und durch männlich organisiert ist? Oder dass im gesundheitlichen Bereich Frauen eine größere Wahrscheinlichkeit haben Nebenwirkungen von Medikamenten zu bekommen, weil die Dosierung bei der Vielzahl der Medikamente auf den männlich durchschnittlichen Prototypen zugeschnitten ist? Natürlich werden in "Unsichtbare Frauen" auch die bereits 'bekannten' Unterdrückungen der Frau durch die Arbeitswelt beschrieben. Doch, es wird eben auch deutlich gemacht, dass das weibliche Geschlecht durch die Gesellschaft auf eine Weise sozialisiert wurde, dass es nicht mehr merkt, wie oft es eigentlich unterdrückt wird. Ein Buch, das jeder gelesen haben sollte. 

Das nächste Buch aus dem Mai war eines, das ich bereits vor vielen Jahren gelesen habe."Kirschroter Sommer" von Carina Bartsch kommt, wie der Titel schon vermuten lässt, aus dem Liebesroman Genre und ist somit eigentlich eine Geschichte, mit der ich aus Erfahrung nicht so gut klar komme. Doch tatsächlich gehörte schon vor ein paar Jahren die Geschichte von Emily und Elyas für mich zu den besseren Romanen aus dem Genre und auch beim nochmaligen Lesen habe ich mich die meiste Zeit gut unterhalten gefühlt, auch wenn mir aufgefallen ist, dass mich jetzt, wo ich ein paar Jahre älter geworden bin, ein paar Sachen gestört haben. Das waren aber zusammenfassend nur Kleinigkeiten, so dass ich wahrscheinlich in ein paar Jahren immer noch gute Erinnerungen an die Geschichte haben werde. 

Weiter ging es mit einer Geschichte, die mich leider nicht wirklich überzeugen konnte. "Sanctuary" von V.V. James war ein Spontankauf auf dem Reader. Da der Inhalt total interessant klang, habe ich mich dann auch relativ schnell für die Lektüre entschieden. Allerdings wurde ich schnell enttäuscht, da ich mich, während des Lesens, wahrscheinlich im negativen Sinne noch nie so sehr über Charaktere aufgeregt habe, wie in diesem Fall. Die krassen Stimmungsumschwünge und Handlungen der besagten Figuren in einer Geschichte, in der in einem kleinen Hexenstädtchen ein spektakulärer Mord an einem Highschool Starschüler verübt wird, konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen. Zudem kamen immer wieder deutliche Parallelen zu Stephen King's "Die Arena" auf, die aber auch plump wirkten und so zum negativen Gesamtbild beigetragen haben. Schade, aber man kann eben nicht mit jeder Geschichte warm werden. 

Kommen wir nun zu meinem ersten Monatshighlight und einem echten Klassiker: "Die Glasglocke" von Sylvia Plath. Schon nach wenigen Seiten in dem kleinen Büchlein war mir klar, dass diese Geschichte Potenzial für ein Lieblingsbuch hat. Allein die zarte und poetische Sprache der Autorin und die Beschreibung der Hauptfigur, mit der sich jedes junge Mädchen identifizieren kann, hat mir unheimlich gut gefallen. Das ist auch der Grund, warum ich es eigentlich sehr schade finde das Buch jetzt erst gelesen zu haben und mir wünsche in eine Zeitmaschine zu springen und meinem jüngeren Ich die Geschichte zu überreichen. Aber besser spät, als nie. Und so ist "Die Glasglocke" zu einem echten Juwel im Bücherregal geworden. 

Und damit sind wir auch schon beim letzten Buch aus dem Lesemonat Mai. Eigentlich bin ich bei Bestsellerlisten immer extrem vorsichtig, weil mich viele Geschichten einfach nicht überzeugen konnten. "Der Gesang der Flusskrebse" von Delia Owens war allerdings ein Roman, der mich überallhin verfolgte und so konnte ich nicht anders und musste es lesen. Und was hätte ich verpasst, wenn ich das nicht getan hätte? Der Autorin ist eine wunderbare Geschichte mit einer Hauptfigur gelungen, die sich nahtlos in meine Hall of Fame der absoluten Lieblingsfiguren eingereiht hat. Kya ist ein großartiges Mädchen, das allein schon die gesamte Geschichte hätte tragen können. Das brauchte sie aber nicht, weil auch die Handlung spannend und interessant konstruiert war, dass "Der Gesang der Flusskrebse" ein wilder Genremix aus Selbstfindungsbuch, Abenteuergeschichte, Kriminalgeschichte und Gerichtsdrama wurde. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung. 

Das war er auch schon wieder. Mein Lesemonat Mai. Insgesamt war ich zufrieden und bin schon sehr gespannt, was mich im nächsten Monat erwarten wird.

Sonntag, 24. Mai 2020

Fabio Genovesi - Wo man im Meer nicht mehr stehen kann





Verlag: C.Bertelsmann
Seiten: 416
Erschienen: 13. Mai 2019
Preis: 22 Euro (Ebook: 9.99 Euro, Taschenbuch: 12 Euro)







Fabio ist eigentlich ein ganz normaler Junge. Er entdeckt gerne neue Dinge oder verbringt Zeit mit seinem Vater, in der die beiden vielleicht keine tiefgründigen Gespräche führen, in der sein Vater Fabio aber zeigt, dass er ein außerordentliches Talent dafür hat alle Dinge reparieren zu können. 
Allerdings unterscheidet sich Fabios Familie von allen anderen, die Fabio kennt. Denn während die meisten Kinder meistens zwei Großmütter und -väter hatten, kann er gleich mit zehn Großväter aufwarten und die bringen sein eigentlich ganz normales Leben manchmal ganz schön durcheinander, und manchmal wünscht sich Fabio auch, dass seine Großväter so normal wären wie andere Großväter. 
Und dann erschüttert ein Ereignis Fabios ganzes Leben und er erkennt, dass es unwichtig ist, was man für eine Familie hat, am wichtigsten ist, dass die Familie zusammenhält. 

Zugegeben, als ich zum ersten Mal von "Wo man im Meer nicht mehr stehen kann" von Fabio Genovesi gehört habe, wusste ich nicht, was mich in der Geschichte erwarten würde, doch das, was ich aus dem Inhalt wusste, fühlte sich zu gut an, um das Buch nicht lesen zu wollen. Und tatsächlich lag ich mit meiner Einschätzung nicht daneben. Möglicherweise habe ich das Buch, dessen Geschichte hauptsächlich in einem sonnigen italienischen Dorf spielt vor ein paar Monaten zur falschen Zeit gelesen. Möglicherweise habe ich sie aber auch genau zur richtigen Zeit gelesen, denn während es draußen meist grau und regnerisch war, hat mir "Wo man im Meer nicht mehr stehen kann" immer einen besonders wohligen Sonnenstrahl geschenkt, der einem das Gesicht wärmt, aber nicht so grell ist, dass er in den Augen weh tut. Und das ist Fabio Genovesis Geschichte auch: wie ein besonders schöner Urlaubstag, der einfach nicht enden soll. 
Wir begleiten bei dieser teilweise autobiografischen Geschichte den Protagonisten Fabio beim Erwachsenwerden, in denen er die typischen Probleme eines Heranwachsenden erlebt. Wir erleben auch Fabios ganz eigene Herangehensweise an diese Probleme, die einen großen Teil des Charmes, den diese Geschichte zweifellos inne hat, ausmacht. Ein kleines bisschen naiv, ein kleines bisschen unwissend, aber gleichzeitig mit einer unglaublichen Herzensgüte ausgestattet, spielt sich der Protagonist sofort in jedes Herz der Leserinnen und Leser seiner Geschichte. Und auch seine zehn Großväter sind Figuren, denen man in Büchern noch nicht sooft begegnet ist und die genau deswegen so einzigartig sind und einen unverwechselbaren Humor in den Roman bringen. Nicht nur einmal habe ich mich bei den beschriebenen Situationen mit Fabios Großvätern gefragt, was wirklich passiert und was der Fantasie des Autoren entsprungen ist, wenn man den autobiografischen Teil der Geschichte berücksichtigt. 
Was allerdings zweifelsohne feststeht, ist, dass "Wo man im Meer nicht mehr stehen kann" sich zwischen Familienroman, einer Coming-Age-Story und einer sehr schönen Wohlfühlgeschichte bewegt, die zeigt, wie viel Kraft im kindlichen Glauben und im geschriebenen Wort steckt, und die kalte Jahreszeiten aufhellt und im Sommer den letzten warmen Sonnenstrahl des Tages einfängt, damit man ihn noch lange herumtragen kann. 
Ein Buch für jede Jahreszeit. 

Freitag, 15. Mai 2020

Chandler Baker- Whisper Network






Verlag: Heyne
Seiten: 482
Erschienen: 30. März 2020
Preis: 20 Euro (Ebook: 15.99 Euro)







Die Kolleginnen und Freundinnen Sloane, Ardie und Grace leiden seit Jahren unter ihrem Vorgesetzten Ames. Über Ames' Verhalten gegenüber den weiblichen Angestellten an ihrem gemeinsamen Arbeitsplatz wird immer wieder hinter vorgehaltener Hand geredet, es gab Gerüchte, die aber genauso oft von der obersten Firmenleitung ignoriert wurden. Fast zeitgleich mit der Vorstellung einer neuen Arbeitskollegin, verdichten sich immer mehr die Hinweise, dass Ames zum leitenden Geschäftsführer der Firma befördert werden soll. Als sich die neue Arbeitskollegin kurz darauf den Frauen anvertraut, steht für sie endgültig fest, dass Ames' Aufstieg zum Firmenboss unbedingt verhindert werden muss. Und wenn ihre Worte allein nicht ausreichen, um Veränderungen zu bewirken, müssen Taten sprechen, auch wenn Sloane, Ardie und Grace nicht ahnen können, was sie damit in Gang setzen... 

Schon lange im Vorfeld war ich sehr gespannt auf "Whisper Network" von Chandler Baker. Seit der 'me too' Bewegung ist angesichts der enormen Priorität der Debatte, die unter anderem sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz beinhaltet, das Thema immer wieder in den Medien vertreten und den Umstand daraus Stoff zu machen für diverse Adaptionen ist nicht nur ausreichend gegeben, sondern hilft auch das Thema weiterhin in der Öffentlichkeit zu halten. So besaß das Thema des Romans also schon im Vorfeld der Lektüre eine ungeheure Portion Brisanz und ich fand es interessant zu erfahren, wie die Autorin dieses umgesetzt hat. Am Ende wurde "Whisper Network" eine Mischung aus Gesellschafts- und Kriminalroman, der durchaus unterhalten konnte und das aus meiner Sicht auch bis zur letzten Seite vollbracht hat. 
Die Handlung von "Whisper Network" ist in einer Struktur aufgebaut, in der die Leserin und der Leser lange Zeit überhaupt nicht wissen, was eigentlich passiert ist. Die Ereignisse im Verlauf werden rückwärts erzählt, so dass das katastrophale Ereignis am Anfang der Geschichte Stück für Stück aufgefasert wird, um begreiflich zu machen, wie es zur Ausgangssituation kommen konnte. Dieser Erzählstil wirkt gerade zu Beginn der Handlung undurchsichtig, aber genau das habe ich als positiv empfunden, da ich selbst die einzelnen Puzzleteile zusammenfügen wollte, bis sich ein Gesamtbild ergab und nicht nur einmal wurde ich dabei auf die falsche Fährte gelockt. Der Erzählstil von Bakers Geschichte wird wohl auch einigen Serienkennerinnen und -kenner bekannt vorkommen, denn dieser erinnert sehr an die Serie "Big little lies", die damit große Erfolge feierte und überdies auch den feministischen Grundgedanke mit "Whisper Network" gemeinsam hat.
Und auch, wenn dieser Grundgedanke, der in der vorliegenden Geschichte das Thema der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz behandelt und über das man sprechen und mit allen Mitteln verhindern muss, damit in der Öffentlichkeit hält und das sehr lobenswert ist, war er doch der Ausgangspunkt für etwas, das mir an "Whisper Network" nicht gut gefallen hat und das waren die Figuren in Bakers Geschichte oder besser formuliert: die völlige Überzeichnung ihrer Charaktereigenschaften. Das Grundthema reicht an sich schon völlig aus, um den feministischen Aspekt voll und ganz zu erfüllen, doch ich wurde das Gefühl nicht los, dass Chandler Baker ihren Figuren noch den letzten Rest an Feminismus einverleiben wollte, was allerdings nur dazu führte, dass diese ins Stereotypische abgerutscht sind. Das führte zwar nicht dazu, dass die Handlung weniger unterhaltsam war aber doch in meinem Fall das ein oder andere Mal dazu, dass ich irritiert die Stirn gerunzelt habe, weil ich das Gefühl hatte, dass die Figuren bei manchen Handlungen einem Handbuch gefolgt sind. 
Zusammenfassend ist "Whisper Network" eine unterhaltsame und interessante Geschichte geworden, die trotz allem die Priorität des wichtigen Grundthemas immer wieder hervorhebt und dieses auch nie aus den Augen verliert. 

Montag, 11. Mai 2020

Lesemonat April

Herzlich Willkommen zu meinem Lesemonat April. Im vergangenen Monat war ich natürlich wieder eine fleißige Leserin und habe insgesamt acht Bücher gelesen mit 5171 Seiten. Und damit wird der April schon einmal vorsorglich der Monat der dicken Bücher genannt. Dann kann es auch schon los gehen.

Begonnen hatte der Lesemonat April mit Leigh Bardugo's neustem Streich "Das neunte Haus", der Auftakt einer neuen Reihe, die sich zumindest im Voreindruck vom Inhalt her etwas unterscheidet von dem Genre, in dem die Autorin normalerweise zu Hause ist. Obwohl auch das neuste Werk wieder einmal mit Protagonisten mit düsterer Vergangenheit aufwarten kann, spielt "Das neunte Haus" dieses Mal an einem realen Ort, in diesem Fall der Yale Universität, in der mysteriöse Studentenverbindungen ihre Machenschaften treiben und in der die Hauptfigur Alex Stern einen Mord aufklären muss. Und überhaupt wirkt die ganze Geschichte viel mehr verrückt in unsere Realität, als man es noch von Bardugos andere Geschichten kennt. Natürlich weist auch "Das neunte Haus" jede Menge fantastische und paranormale Einflüsse auf, aber genau dieses Verrücken in unsere Realität hat mir unheimlich gut an der Geschichte gefallen. Auch die Komplexität in der Handlung hat mich sehr gefesselt, so dass "Das neunte Haus" ein unglaublich vielschichtiger und interessanter Auftakt war. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung.

Weiter ging es im April mit einer Geschichte, auf die ich schon sehr gespannt war. "The Grace Year (Ihr Widerstand ist die Liebe)" von Kim Liggett habe ich durch Zufall auf Instagram entdeckt, der Inhalt versprach ein ähnliches Szenario wie bei "Die Tribute von Panem" mit einer Prise "Der Report der Magd". Und genau das war es schlussendlich auch, hauptsächlich eine Mischung aus beiden Geschichten, die zwischendurch ein paar durchgeknallte Momente hatte und aus deren Ende ich nicht ganz schlau geworden bin. Trotzdem war es interessant zu lesen, auch wenn ich mir zusammenfassend sehr viel mehr Originalität gewünscht hätte, denn schlussendlich war es eben bloß nur eine Mischung aus Panem und "Der Report der Magd". 

Das nächste Buch im Lesemonat war die Fortsetzung einer Reihe, die ich eigentlich nicht weiter lesen wollte. "Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast" von Christelle Dabos ist der zweite Teil der 'Die Spigelreisende' Serie, dessen erster Teil ich zwar interessant fand, der mich aber nicht wirklich überzeugen konnte. Doch als sich die Stimmen immer mehr vervielfachten, dass die Fortsetzung sehr viel besser sein soll, ließ ich mich überreden der Fantasy-Reihe noch eine zweite Chance zu geben, und die hat sich mehr als gelohnt. Die Grundidee hinter der Spiegelreisenden Serie hat mich von Anfang an fasziniert auch die Heldin war mir sofort sympathisch, doch nachdem all das im ersten Teil noch ziemlich undurchsichtig und distanziert gewirkt hat, habe ich in "Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast" sofort zur Handlung und zu den Figuren eine Beziehung aufbauen können, auch die Handlung wirkte viel zielstrebiger und so wurde die Geschichte plötzlich total spannend und auch die Welt, in der sie spielte immer faszinierender. Jetzt bin ich natürlich sehr gespannt, wie es in der Spiegelreisenden Welt weiter geht. Band drei liegt schon bereit.

Weiter ging es im April mit "Das Buch der vergessenen Artisten" von Vera Buck. Die Geschichte um den Schausteller Mathis Bohnsack wird in zwei Zeitebenen erzählt, eine spielt Anfang der 1900er Jahre und beschreibt, wie Mathis zur Schaustellerei gekommen ist, die zweite siedelt sich um den Beginn des zweiten Weltkrieges an, als Mathis, mittlerweile in Berlin angekommen und mit Partnerin, Mitglied einer Schaustellergruppe wird, die immer mehr von der Verfolgung der Nazis bedroht wird und in der Mathis beschließt das Leben und die Geschichten der einzelnen Schausteller in einem Buch festzuhalten, damit diese nicht vergessen werden. Obwohl ich für die Lektüre des Buches vergleichsweise ziemlich lange gebraucht habe, fand ich die Geschichte in den größten Teilen sehr interessant, auch wenn sie trotzdem einige Längen besaß. Auch die Tatsache, dass sehr viele historisch wichtige Persönlichkeiten in Vera Bucks Geschichte mal freiwillig und mal unfreiwillig Gastauftritte hatten, hat mir sehr gut gefallen und so wurde "Das Buch der vergessenen Artisten" zu einer Geschichte, die ich in guter Erinnerung behalten werde. 

Der Lesemonat ging weiter und hatte schließlich auch einen Roman von John Irving im Gepäck. Schon als ich die ersten Zeilen von "Owen Meany" las, wusste ich, dass John Irving mich wieder einmal hatte. Kann man denn noch großartiger erzählen als dieser wundervolle Mann? Gibt es denn noch herrlichere und schrägere und nicht mehr zu vergessende Figuren als die, die John Irving erschafft? Ich glaube nicht. "Owen Meany" ist bereits vor sehr vielen Jahren zur Papier gebracht worden und doch hat sie nichts von ihrem Zauber verloren. Auch wenn ich mich ein paarmal über den doch sehr religiösen Einfluss in Irvings Geschichte gewundert habe, hat mich dieser doch überhaupt nicht gestört. Denn eigentlich war er überhaupt nicht fehl am Platz, wenn man überlegt, was für eine Figur Owen Meany war. Ich habe das Buch vom ersten bis zum letzten Wort genossen und ich kann es jetzt schon nicht mehr erwarten mir weitere Romane von John Irving vorzunehmen. Denn bisher waren es nur drei und das sind auf jeden Fall zu wenige. 

Das nächste Buch aus dem Lesemonat April kommt von Angie Kim. Der Ausflug nach "Miracle Creek" war eine Mischung aus Gesellschafts-, Einwanderer-, Justiz- und Kriminalroman und wie immer bei wilden Genrewechsel fand ich die Lektüre sehr interessant. Ausgangsszenario, eine verheerende Explosion in einer sogenannten Druckluftkammer, in der Patienten eine Sauerstofftherapie erhalten können, in der sie reinen Sauerstoff einatmen. Die Explosion, bei der mehrere Menschen starben und die zunächst als tragisches Unglück deklariert, am Ende zu einem spektakulären Mordprozess wird, in dem auf der Anklagebank eine Mutter sitzt, die die Kammer vorsätzlich zur Explosion gebracht haben soll, um ihren autistischen Sohn, der sich in der Kammer befand, zu töten. Jede Menge Wendungen und Handlungsumwürfe führten dazu, dass man nie so recht wusste, wer jetzt die Wahrheit sagte und wer log. So hat die Autorin alles richtig gemacht und einen mehr als spannendes und interessantes Debüt vorgelegt. 

Weiter ging es mit einem Buch, für das ich knapp ein ganzes Jahr gebraucht habe. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass "Max, Mischa und die Tet-Offensive" von Johan Harstad ein schlechtes Buch ist, im Gegenteil. Erst einmal hat die schiere Länge meiner Lektürezeit wohl auch damit zu tun, dass Harstads Werk stolze knapp 1400 Seiten vorzuweisen hat. Und dann habe ich mich nie gedrängt gefühlt die Geschichte in Windeseile zu lesen, weil ich der Meinung bin, dass manche Bücher Zeit brauchen. Und da der Autor sowieso eine ganze Lebensgeschichte zu erzählen hatte, fand ich es auch nicht tragisch, dass mich sein Buch so lange begleitet hat. Es geht um Max, der mit seiner Familie von Norwegen in die USA einwandert und sich zunächst in der Nähe von New York City niederlässt. Es geht um den Vietnamkrieg oder eher dessen Folgen, die die Figuren ein Leben lang begleiten. Es geht um Max Liebe zu Mischa, die ihn durch Jahrzehnte begleitet. Es geht um Kunst, Theater, einfach um das Leben. Johan Harstad hat mit "Max, Mischa und die Tet-Offensive" ein monumentales Glanzstück geleistet, das mich als Leserin ein wenig wehmütig zurück gelasssen hat, denn wenn eine Geschichte einen so lange begleitet, dann fühlt man am Ende noch ein bisschen mehr als sonst, als hätte man eine Handvoll guter Freunde verloren. 

Und zu guter Letzt reiste ich mit der Autorin Delphine Minoui ins zerstörte Syrien in die Stadt Daraya. In "Die geheime Bibliothek von Daraya" erzählt uns Minoui wie eine Handvoll junger Männer die unendliche Kraft des Lesens entdeckt. Alles beginnt damit, dass sie anfangen aus zerstörten Häusern Bücher zu retten. Und als diese immer mehr wurden, entschlossen die jungen Männer sich die Bibliothek zu gründen, die ein Zufluchtsort für die Restbevölkerung von Daraya wird, die unerbittlich ihre Stadt verteidigen, während der Präsident von Syrien alles daran setzt diese zu erobern. Mit der ständigen Angst vor herabfallenden Bomben, finden die übrig gebliebenen Einwohner der Stadt im geschriebenen Wort die Kraft und den Trost, den sie brauchten, um durchzuhalten und nicht aufzugeben. "Die geheime Bibliothek von Daraya" macht auf der einen Seite wütend über die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges und dessen Folgen, auf der anderen Seite macht sie aber auch Hoffnung, dass Bücher die Macht haben Unglaubliches zu bewirken und Licht spenden, wenn nur noch Dunkelheit herrscht. 

Und das war er auch schon wieder, mein Lesemonat April. Insgesamt war ich wieder einmal sehr zufrieden und dankbar, um die Bücher, die ich lesen durfte. Und ich freue mich natürlich schon sehr auf den Mai und die Geschichten, die mich dort erwarten.