Donnerstag, 9. August 2018

Melanie Raabe - Der Schatten




Verlag: btb
Seiten: 418
Erschienen: 23. Juli 2018
Preis: 16 Euro (Ebook: 12.99 Euro)







Norah ist gerade neu nach Wien gezogen. Nach der Trennung von ihrem Freund hat sie nichts mehr in Berlin gehalten und so entschloss sie sich in einer neuen Stadt ihr Glück zu versuchen. Doch nach der Ankunft in Wien und dem Antreten ihres neuen Jobs in einer Zeitschriften-Redaktion, überwiegen schnell Einsamkeit und Leere. 
Eines Tages wird Norah mitten in Wien von einer seltsamen Bettlerin eine mysteriöse Vorhersage gemacht: 
"Am 11. Februar wirst du am Prater einen Mann namens Arthur Grimm töten. Mit gutem Grund. Und aus freien Stücken".
Zunächst versucht Norah die Bettlerin als Spinnerin abzutun, doch schon bald wird ihr klar, dass die Vorhersage bloß der Anfang einer ganzen Reihe von seltsamen Geschehnissen ist, die plötzlich in ihr Leben treten. Und auch ein weiterer Mensch tritt in Norahs Leben. Ein Mann namens Arthur Grimm.

Mit ihrem lang erwarteten drittem Roman "Der Schatten" hat sich Melanie Raabe endgültig in die erste Liga des subtilen Thrillers geschrieben. 
Es ist schon beeindruckend bis fast beängstigend was für eine unglaublich ausgeprägte Intensität diese Geschichte besitzt. Genauso wie die beiden Vorgänger der Autorin "Die Falle" und "Die Wahrheit" versteht es auch Melanie Raabes neuer Thriller die subtile Spannung ganz langsam aber überaus beständig aufzubauen. Der Leser bemerkt fast nicht, wie er irgendwann vollkommen von der Geschichte eingeschlossen wird und es nicht mehr möglich ist das Buch beiseite zu legen, ohne zu wissen, wie es endet. Dieses besondere Talent ihren Leser so vollkommen einzuhüllen, hat die Autorin wahrlich zur Perfektion getrieben und somit auch zu einem ganz eigenen Schreibstil beigetragen, den ich mittlerweile wahrscheinlich unter vielen anderen wieder erkennen würde.
Um den Ganzen schlussendlich die literarische Krone aufzusetzen, lässt Raabe ihre Geschichte dieses Mal in einer Stadt spielen, dessen einzigartige Magie durch jede gelesene Seite schimmert. Wien zur Winterzeit scheint in "Der Schatten" ein melancholischer und fast schon mystischer Ort zu sein und treibt einen auch im intensivsten Hochsommer eine Gänsehaut auf den Körper.
Wer nach diesen großartigen Beschreibungen der Stadt Wien nicht das dringende Bedürfnis verspürt nach Beenden des Buches diese sofort selbst in Augenschein zu nehmen, dem kann man wirklich nicht mehr weiter helfen. 
"Der Schatten" nimmt uns mit auf eine mysteriöse Reise durch Wien und in unser Inneres. Denn Melanie Raabe stellt nicht nur die Wahrnehmung ihrer Protagonistin immer wieder auf die Probe, sondern auch wir, als Leser, hinterfragen uns immer wieder. 
Haben wir etwas übersehen und inwieweit können wir der Hauptfigur überhaupt vertrauen?
Mit "Der Schatten" ist Melanie Raabe ein großes Meisterstück gelungen. Ein Roman wie ein Sog, der einen gefangen nimmt und nicht mehr loslassen wird. 

Freitag, 20. Juli 2018

Meg Wolitzer- Das weibliche Prinzip



Verlag: Dumont
Seiten: 496
Erschienen: 16. Juli 2018
Preis: 24 Euro (Ebook: 18.99 Euro)






Die junge Greer ist eine ambitionierte Studentin, die sich in der Universität gewissenhaft auf ihr späteres Leben vorbereiten möchte. Regelmäßig telefoniert sie mit ihrem langjährigen Freund Cory, denn eine unglückliche Fügung wollte es, dass das Paar nach ihrem gemeinsamen Schulabschluss auf verschiedene Universitäten gehen mussten. Während Cory auf einer Eliteuniversität studiert, musste Greer sich mit einem staatlichen College zufrieden geben. 
Als Greer dann auf einer Veranstaltung ihrer Universität die Feministin Faith Frank kennen lernt, ändert sich ihr Leben schlagartig auf ganz verschiedenen Weisen...

Auf "Das weibliche Prinzip" von Meg Wolitzer habe ich mich schon sehr lange gefreut. Erst im letzten Jahr habe ich die beeindruckende Biografie der wohl berühmtesten Feministin der Welt Gloria Steinem "My life on the road" gelesen und war seitdem begierig darauf alles in die Hände zu bekommen, was dieses Thema behandelt. Gerade zu Zeiten der "me too" Bewegung ist es sehr wichtig so viele feministische Bücher zu veröffentlichen, wie es geht, da so dieses breit gefächerte Thema der Gleichberechtigung wegen nicht fehlender Aufmerksamkeit in den Medien und der Gesellschaft weiterhin behandelt wird und hoffentlich irgendwann Konsequenzen gezogen werden. 
"Das weibliche Prinzip" ist die Geschichte einer jungen Frau, die zunächst mit dem Feminismus wenig zu tun hat, bis eine wichtige Begegnung in ihrem Leben alles ändert. Faith Frank wird für die Protagonistin Greer zur Gallions- und Identifikationsfigur. Immer wieder setzt Greer Faith auf einen imaginären Thron, an dem niemand heran kommt und an dem schon gar nicht irgendjemand rütteln darf. Umso tiefer ist für die Hauptfigur dieser Geschichte dann der Fall, als sie erkennt, dass auch im Leben und in den Verhaltensweisen ihres großen Vorbildes nicht immer alles Gold ist, was glänzt. 
Besonders gut gefallen an "Das weibliche Prinzip" hat mir nicht nur der mehr als interessante Handlungsverlauf, sondern auch die Art und Weise des Erzählens. Im Vorfeld bin ich davon ausgegangen, dass allein schon wegen der Inhaltsbeschreibung und des Titels das gesamte Buch aus der Sicht der Protagonistin 'Greer' geschildert wird, doch da habe ich mich geirrt. Die verschiedenen Kapitel behandeln abwechselnd alle wesentlichen Figuren der Geschichte und erzählen den Handlungsverlauf jeweils aus einer anderen Sicht. Dies erlaubt einen viel intensiveren Blick in die Gefühlswelten der einzelnen Figuren und erklärt auch so manche fragwürdige Handlung der jeweiligen Personen, die zuvor aus der Sicht einer anderen Person geschildert wurde und die man möglicherweise, als Leser, nicht nachvollziehen konnte. 
Auch wenn ich mir an manchen Stellen noch viel mehr feministische Züge in die Geschichte hineingewünscht hätte, hat mir zusammenfassend betrachtet "Das weibliche Prinzip" wirklich gut gefallen und hatte alleine wegen der Lebensgeschichte der Hauptfigur ein persönliche großes Identifikationspotenzial auf meiner Seite. 
Für alle, die sich mehr starke, kluge und interessante weibliche Protagonistinnen in Geschichten wünschen, eine mehr als sehr gute Empfehlung. 

Mittwoch, 13. Juni 2018

Jean-Gabriel Causse - Arthur und die Farben des Lebens




Verlag: C.Bertelsmann
Seiten: 288
Erschienen: 10. April 2018
Preis: 20 Euro (Ebook: 15.99 Euro)









Von einem auf den anderen Tag beginnen plötzlich die Farben auf der Welt zu verschwinden. Alles ertrinkt in Eintönigkeit und Leere und sowohl Mensch als auch Tier scheinen von Tag zu Tag depressiver zu werden.
Arthur, ehemaliger Mitarbeiter einer französischen Buntstiftfabrik, geht der Ursache des plötzlichen Schwunds der Farben auf den Grund. Hilfe bekommt er dabei von seiner Nachbarin, einer blinden Wissenschaftlerin und ihrer bezaubernden kleinen Tochter.
Und dann, nach einem ewigen Schwarz und Grau, geschieht es. Eine Farbe kehrt auf die Erde zurück aber warum gerade diese? Und wo sind die anderen Farben?

"Arthur und die Farben der Welt" von Jean-Gabriel Causse hat mich vor allem wegen des ungewöhnlichen Ausgangsszenarios unheimlich fasziniert. Was geschieht mit den Menschen, wenn von einem auf den anderen Moment plötzlich alles schwarz, grau und weiß ist? 
Aus anfänglichem Unverständnis der Situation wächst relativ schnell eine ausgewachsene Depression aus den Menschen heraus denn in einer Welt zu leben, in der es keine Farben gibt, scheint für die meisten Menschen mit keinerlei Glück verbunden zu sein. In dieser ausweglosen Situation begegnen wir Arthur, ausgerechnet ehemaliger Mitarbeiter einer Buntstiftfabrik, die passenderweise an dem Tag, an dem die Farben verschwanden pleite gemacht und schließen musste. 
Der Protagonist Arthur steckt mitten in einer ausgewachsenen Midlife Krise, welche sich bei ihm vor allem im übermäßigen Alkoholkonsum bemerkbar macht. Aber ausgerechnet diesem ausgebrannten ehemaligen Lebemann ist es nach Monaten einer farblosen Welt gegönnt zum ersten Mal wieder einen winzigen Farbtupfer in diesem eintönigen Universum zu finden. Von diesem Moment setzt Arthur alles daran dem Rätsel der verschwundenen Farben auf die Spur zu kommen, nicht ahnend, dass der Ursprung des Geheimnis bei ihm selbst liegt.
"Arthur und die Farben der Welt" ist eine herzerwärmende, liebevolle und teils fast schon philosophische Geschichte geworden. Das Buch lebt vor allem von seinen liebevollen Figuren, die man am liebsten allesamt in echt gerne kennen würde und mit denen man jederzeit bereit ist sich ins nächste Abenteuer zu stürzen. Causse' Geschichte bietet dem gegenüber allerdings genauso viele üble Schurken, die sich dem hoffentlich glücklichem Ausgang dieses bezaubernden Buches immer wieder in den Weg stellen wollen. "Arthur und die Farben des Lebens" enthält viele Botschaften über das Leben, die vor allem besagen mehr auf seinen Gegenüber zu achten und im Leben die Kleinigkeiten zu sehen, die es erst lebenswert machen. 
Ich glaube, dass es schwer ist die Geschichte nicht zu mögen, weil sie zweifellos ein gutes Gefühl hinterlässt. Wer neugierig geworden ist, muss sich wohl auch in eine Welt ohne Farben fallen lassen. 
Keine Sorge, es lohnt sich! 

Montag, 28. Mai 2018

Matt Ruff - Lovecraft Country





Verlag. Hanser
Seiten: 433
Erschienen: 14. Mai 2018
Preis: 24 Euro 









An dieser Stelle beginne ich normalerweise immer mit dem Inhalt eines Buches, damit zumindest ein kurzer Überblick vermittelt wird, um was es in der Geschichte eigentlich geht. Es gibt allerdings Bücher, so habe ich in den letzten Tagen gelernt, da kann man dieses 'eigentlich' nicht beschreiben, egal, wie sehr man es versucht. 
Es gibt Bücher, die haben so viel, dass ein bloßer Grundriss ihres Inhalts nicht einmal ansatzweise dem nahe kommt, was man eigentlich vermitteln will, was man sagen möchte.Wenn man es simpel ausdrückt, möchte ich mit diesem Text wohl sagen, dass man "Lovecraft Country" von Matt Ruff unbedingt lesen muss.
Ohne Ausnahme oder Einschränkungen.
Für mich gehört dieses Buch zu den besten, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, auch wenn ich einen prägnanten Grund, der sofort einleuchtet, nicht benennen kann. "Lovecraft Country" wirft, obwohl es durchaus wichtige Botschaften vermittelt, trotzdem nicht mit philosophischen Weisheiten um sich. Es ist keine Geschichte, bei der man am liebsten auf jeder Seite mindestens ein Zitat hervorheben möchte, weil es so schön geschrieben ist. Es ist viel mehr ein intensiver und nicht erklärbarer Sog, der den Leser von der ersten Seite packt und während der gesamten Handlung nicht mehr loslässt. "Lovecraft Country" gehört zu diesen Geschichten, an die man denkt, auch wenn man sie nicht gerade liest und die einen breit lächeln lassen, entweder, weil man an eine vergangene gelesene Szene denkt oder weil man sich darauf freut schon bald weiter lesen zu dürfen. 
"Lovecraft Country" ist eines dieser Bücher, bei denen man den ein oder anderen Satz noch ein zweites Mal lesen muss, um ganz sicher zu gehen, dass man das auch gerade wirklich so gelesen hat. Und es gehört zu diesen Geschichten, bei denen man jedes einzelne Wort gierig aufsaugt aus purer Angst irgendetwas zu verpassen.
Doch was ist "Lovecraft Country" jetzt eigentlich genau?
Die Geschichte ist ein wilder Genremix aus Fantasy, Science-Fiction und den dunkelsten Zeiten amerikanischer Geschichte, die Rassentrennung in den fünfziger Jahren. Genreuntypisch spielen in Ruffs Roman schwarze Protagonisten die Helden und das machen sie mit einer solchen beeindruckenden Intensität und Genialität, dass man ihnen am liebsten ständig applaudieren möchte. "Lovecraft Country" lebt von seinen Figuren in jeder einzelnen Zeile und es lebt überdies von seinem verrückten Handlungsstrang, der uns von Grusel- und Spukhäusern ohne Umwege auf andere fremde Planeten befördert. Gleichzeitig besitzt dieses Buch eine erschreckende Aktualität, die die fünfziger Jahre als etwas erscheinen lassen, dass man gestern im Fernsehen gesehen oder in der Zeitung gelesen hat. 
Es ist schon beeindruckend ein Buch zu schreiben, das gleichzeitig belehrt, zum Nachdenken anregt, auch abseits der Lesezeiten und dabei noch so wahnsinnig gut unterhält. Matt Ruff hat dieses Kunststück vollbracht. 

Montag, 14. Mai 2018

/Filmrezension/ Eleanor & Colette






Regie: Billie August
FSK: 12 Jahre
Genre: Drama/Filmbiografie
Länge: 1 Stunde, 55 Minuten
Starttermin: 03. Mai 2018







Eleanor Riese macht nach einer ihrer zahlreichen Selbsteinweisungen in eine psychiatrische Klinik Nägel mit Köpfen und engagiert die zielstrebige Anwältin Colette. Eleanor ist sich ihrer Schizophrenie und ihrer Angstattacken durchaus bewusst, sie verweigert auch nicht die Medikamenteneinnahme, es geht ihr darum nicht zwangsweise mit Medikamenten vollgepumpt zu werden, sondern selbstständig, wozu sie durchaus in der Lage ist, über die Dosis bestimmen zu dürfen.
Vor Gericht geht es schnell nicht nur mehr um Eleanors Schicksal, sondern um das von 150 000 psychisch kranken Menschen in den Vereinigten Staaten, die regelmäßig gegen ihren Willen mit Medikamenten vollgepumpt werden, ungeachtet der Nebenwirkungen und Risiken einer solchen unkontrollierten Medikamentendosis. 
Wegen ihrer besonderen und einzigartigen Art nimmt Eleanor nicht nur ihre Anwältin für sich ein, sondern alle Menschen in ihrer Umgebung aber besonders zwischen diesen grundverschiedenen Frauen entsteht eine Freundschaft, die zeigt, dass alles möglich ist, wenn man nur fest genug darum kämpft.

Auch mehrere Tage nach meinem Kinobesuch von "Eleanor & Colette" fällt es mir immer noch schwer die Fülle der Emotionen zu erfassen, die mich überwältigt haben, nach dem der Abspann über die Kinoleinwand lief. 
Was für eine einzigartige, was für eine wunderschöne, besondere, tieftraurige, Mut machende, berührende und inspirierende Geschichte. 
Helena Bonham Carter, so scheint es, spielt mit Eleanor Riese die Rolle ihres Lebens. Fast in jeder Szene wollte ich ihr für ihre grandiose schauspielerische Leistung applaudieren.
Ich hätte im Vorfeld niemals damit gerechnet, dass mich dieser Film so berühren würde. Ich bin davon ausgegangen, dass der Handlungsverlauf, der auf wahren Begebenheiten beruht, größtenteils die Seite dieses äußerst bedeutenden und schwierigen Falls beleuchtet. Dem war allerdings nicht so. 
Natürlich wurden oft die Gespräche über die Strategie in diesem Fall zwischen Colette und ihrem Partner Mort gezeigt und auch einige Gerichtsszenen waren enthalten, doch schnell wurde deutlich, dass der Hauptfokus der Erzählung auf die besondere Freundschaft zwischen Eleanor und Colette, Eleanors Wesen und dem allmählichen Wandel in Colettes Privatleben gelegt wird, weil die zunächst introvertierte Colette im Laufe der filmischen Handlung immer mehr erkennt, was im Leben wirklich wichtig ist. Und das liegt natürlich größtenteils an ihrer neuen Freundin Eleanor, die permanent so viel Bedeutendes und Wichtiges von sich gibt, dass man eigentlich den ganzen Tag mit einem Block und Stift neben ihr hergehen müsste.
"Eleanor & Colette" erlaubt einen wichtigen Blick hinter die Fassade einer unglaublichen und inspirierenden Frau, der das Leben nicht nur in gesundheitlicher Hinsicht übel mitgespielt hat und die trotzdem unbeirrt ihren Weg geht und die niemals vergisst, was wichtig ist. Zudem scheint der Film, nach den unfassbaren Diskussionen um einen neuen Gesetzesentwurf in Bayern, in dem psychisch kranke Menschen wie Straftäter behandelt werden sollen, genau zum richtigen Zeitpunkt zu kommen. 
"Eleanor & Colette" wirft ein neues Licht auf einen der wichtigsten Gerichtsprozesse in der amerikanischen Geschichte, der für so viele Menschen eine enorme Bedeutung hatte. Außerdem zeigt dieser wunderschöne Film, dass Freundschaft alles möglich machen kann. Sie lässt mühsam aufgerichtete Mauern einbrechen und Lebensweisen komplett überdenken. Sie zeigt das Wahre, das Wunderschöne, das Zerbrechliche und die Stärke in Menschen. Und sie macht es möglich, dass du solche Filme am liebsten umarmen möchtest, weil sie dir in gerade einmal zwei Stunden so viel geben.
Dieses Seven-Up trinke ich auf dich, Eleanor!
Unbedingt anschauen!

Donnerstag, 26. April 2018

(Lisa schreibt) Ich bin keine scheiß Märchenprinzessin!

Disney Filme, vor allem, wenn es um Märchen geht, mögen wir alle. Vor allem Happy Ends, in denen die Märchenprinzessin am Ende ihren Prinzen bekommt und Friede, Freude, Eierkuchen herrscht.
Doch wer hätte gedacht, dass ausgerechnet einige Exemplare des männlichen Geschlechts in Märchenfilmen zwischen Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden können?

Ich bin Single und - entgegen der Überraschung vieler, vor allem männlicher Zeitgenossen- bin ich es gerne. Ich liebe es völlig frei über meine Zeit bestimmen zu können. Ich liebe es abends mit Freunden wegzugehen und zu flirten mit wem ich will. Und vor allem vergöttere ich diese freien Tage, in denen ich einfach in meinen Schlafklamotten im Bett liegen bleiben kann, um den ganzen Tag zu lesen. Ich befinde mich in einer Phase meines Lebens, in der ich mir vollkommen selbst genüge und das Einzige, was ich brauche ein volles Bücherregal ist- und vielleicht sechs Wochen Strandurlaub.

Trotzdem komme ich nicht umhin in vielen Gesprächen, die ich mit Männern führe in allen möglichen gesellschaftlichen Bereichen des Lebens, direkt oder indirekt heraus zu hören, dass ich unmöglich "gerne" partnerlos sein kann. Es wäre doch schön immer jemanden an seiner Seite zu haben und überhaupt würde ich das doch bestimmt nur sagen, weil ich in Wahrheit eben doch eine Beziehung will, einsam bin und aus meiner Einsamkeit gerettet werden möchte. Ich frage euch jetzt ganz ehrlich:
Tickt ihr noch ganz richtig?

Wie könnt ihr euch herausnehmen, dass ihr zu glauben wisst, wie meine tiefsten Sehnsüchte aussehen? Wieso könnt ihr nicht glauben, dass es Frauen gibt, die ihr Leben mit sich selbst vollkommen ausreichend finden und dabei - oh große Überraschung - glücklich sind? Wieso sind nach über zweihundert Jahren Emanzipation Frauen, die alleine leben, einsam und müssen gerettet werden, während Männer, die den gleichen Lebensstil pflegen als charismatische Junggesellen betitelt werden? 
Oh je, wer wirklich glaubt, dass wir in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben läuft wahrscheinlich sein Leben lang mit Tomaten auf den Augen durch die Gegend.

Ich bin keine scheiß Märchenprinzessin!

Ich lebe in keinem meterhohen Turm, in dem mich meine böse Stiefmutter gespertt hat. Ich habe keinen gläsernen Schuh verloren und schon gar nicht wurde ich mit einem Apfel vergiftet und nur der Kuss meiner wahren Liebe kann mich wieder aufwecken.
Ich muss nicht gerettet werden!

Tut mir einen Gefallen und versucht dieses Bild der holden Jungfrau in Nöten aus euren Köpfen zu vertreiben, denn - entschuldigung, am Telefon, es ist für euch - das 21. Jahrhundert ist dran. 
Natürlich möchte ich mit diesen Artikel nicht alle männlichen Wesen über einen Kamm scheren, denn ich möchte sowieso in keiner Welt leben, in der jeder dieses Frauenbild inne hat. Genauso wenig kann ich sagen, ob ich in einem, in drei oder in fünf Jahren immer noch dieses Leben in der Art führen werde. Aber wenn doch, dann ist es meine Entscheidung. Denn es ist mein Leben, das ich leben kann, wie ich es möchte.

Und gerade fühlt es sich verdammt gut an.

Samstag, 21. April 2018

Lesemonat Januar

Hi. Ich heiße Lisa und habe auch im Januar Bücher gelesen. Deswegen heißt dieser Beitrag folgerichtig "Lesemonat Januar". Herzlich Willkommen. Ich freu mich, dass ihr hier seid. Macht euch gemütlich, nehmt ein Stück Kuchen, denn es wird lang. Im Januar habe ich insgesamt elf Bücher gelesen, ein Ebook war dabei und es waren 4726 Seiten. 
Ein Jahreshighlight war bereits in diesem jungen Jahr dabei. Das kommt, wie immer, am Ende des Beitrags. 
Dann kann es ja jetzt losgehen. 
Das erste Buch aus dem Lesemonat Januar kommt von Betty Smith. "Ein Baum wächst in Brooklyn" ist eigentlich ein Klassiker, wurde im Insel Verlag aber neu verlegt mit diesem wunderschönen Cover. Der Inhalt hat mich auch sofort angesprochen und ich war sehr gespannt, was mich erwarten würde. Bekommen habe ich schließlich eine sogleich melancholische aber zugleich wunderschöne Geschichte über ein junges Mädchen namens Francie, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Brooklyn aufwächst. Trotz der vielen Steine, die ihr immer wieder in den Weg gelegt werden, bleibt Francie dran und geht ihren Weg weiter. "Ein Baum wächst in Brooklyn" ist eine Geschichte, die zum Verweilen einlädt und eine, die man nicht so schnell vergessen wird. 
Das nächste Buch ist auch das einzige Ebook, das ich im Januar gelesen habe. Es kam von Ernest Cline. "Ready Player One" wurde bereits fürs Kino verfilmt und bevor ich mir den Film ansehen wollte, musste ich natürlich das Buch lesen. Und ich war wirklich sehr positiv überrascht. Cline hat mit seiner virtuellen Realität, die OASIS, eine unglaublich vielschichtige und großartige Science-Fiction Welt erschaffen, die wirklich Spaß gemacht hat. Genauso hat mir die permanente Hommage an die Popkultur der achtziger Jahre viel Freude bereitet, die jede Seite durchzogen hat. "Ready Player One" ist für jeden Science-Fiction Fan ein absolutes Muss. 
Weiter ging es im Januar mit dem neusten Werk von meinem japanischen Lieblingsautoren Haruki Murakami. Auf "Die Ermordung des Commendatore. Eine Idee erscheint" habe ich mich schon sehr lange gefreut. Die Geschichte um einen namenlosen Erzähler und Maler, der zunächst ziellos durch Japan reist und sich dann in dem abgelegenen Haus eines berühmten Künstlers niederlässt, um der Zivilisation zu entfliehen, hat mich dann auch unglaublich fasziniert. Obwohl Murakami eher ruhig erzählt, hat sich, während die Seiten nur so dahin flogen, eine große Intensität aufgebaut und ich wollte immer unbedingt wissen, wie es weiter geht. Das werde ich auch schon bald, da "Die Ermordung des Commendatore" der erste Teil einer Dilogie ist und ich schon sehr bald den zweiten Teil lesen werde. Zu diesem Buch gibt es auch eine Rezension von mir.
Das nächste Buch aus dem Lesemonat war der zweite Teil einer Reihe. "Lady Midnight", der erste Teil einer neuen Serie aus meinem Lieblingsschattenweltuniversum, hat mir unglaublich gut gefallen. Die ganzen Figuren habe ich sofort ins Herz geschlossen und natürlich auch für die Geschichte eine besondere Schwäche entwickelt. Leider muss ich sagen, dass der zweite Teil "Lord of Shadows" von Cassandra Clare nicht mithalten konnte. Ich hatte das Gefühl, dass die Handlung auch locker in die Hälfte der Seiten gepasst hätte und aus diesem Grund haben sich die Seiten sehr gezogen. Das Ende mit dem gewaltigen Cliffhangar hat mich dann aber doch wieder neugierig gemacht, so dass ich mir den dritten Teil auch holen werde.
Weiter ging es im Januar mit "Rattatatam, mein Herz. Vom Leben mit der Angst" von Franziska Seyboldt. Jeder sechste Deutsche erleidet im Laufe seines Lebens einmal eine Angststörung. Und doch ist dieses gesamte komplexe Thema immer noch ein großes Tabu in unserer Gesellschaft. In ihrem unglaublich mutigen und großartigen Buch nimmt die Autorin die Angst unter die Lupe. Es geht um ihre persönliche Erfahrungen, doch zugleich ist "Rattatatam, mein Herz" ein Mutmachbuch, das verändern will und das zumindest bei mir auch geschafft hat. Unglaublich wichtig und sehr lesenswert!
Im Januar gingen die Reihen weiter. Auch den zweiten Teil der Percy Jackson Reihe von Rick Riordan habe ich im Januar gelesen. "Im Bann des Zyklopen" hat mir genau wie der Auftakt unglaublich gut gefallen. Ich mochte den Humor und den actionreichen Handlungsstrang. Im zweiten Teil der Reihe macht sich Percy auf den Weg, um seinen besten Freund Grover aus der Gewalt eines Zyklopen zu befreien. Auch im Camp Half Blood geht es mal wieder drunter und drüber. Begleitet wird Percy bei seiner gefährlichen Reise von einem ganz besonderen Freund, der noch einen wichtigen Stellenwert in Percys Leben einnehmen wird. 
Apropo Reihe. Auch mit einer anderen ganz besonderen Reihe, von der ich schon eine ganze Menge im Vorfeld gehört habe, habe ich im Januar angefangen. Ich war sehr gespannt auf "Ich fürchte mich nicht" von Tahereh Mafi und das zu Recht. Der Autorin ist eine sehr gute Dystopie gelungen, die aber vor allem durch ihren besonderen Schreibstil sich von den anderen abhebt. Dystopien kann man schon fast nicht mehr neu erfinden, aber trotzdem ist "Ich fürchte mich nicht" zu einem ganz besonderen Reihenauftakt geworden, der Lust auf die kommenden Teile macht. 
Das nächste Buch aus dem Januar war eines dieser Bücher, das schon ewig auf meiner Wunschliste stand. "Im Herzen der Gewalt" von Edouard Louis schien eine ganz besonders intensive Geschichte zu sein. Das war sie auch. Zweifellos. Da es allerdings mein erstes Buch von dem Autoren war, musste ich mich dann auch erst einmal mit dem ganz besonderen Schreibstil von diesem anfreunden. Leider habe ich relativ schnell gemerkt, dass es mir dadurch nicht gelungen ist in die Geschichte hinein zu finden und mit ihr warm zu werden. Da "Im Herzen der Gewalt" dazu auch noch relativ wenige Seiten hatte, plätscherte die Geschichte an mir vorbei und konnte sich leider nicht bei mir festsetzen. 
Mein erstes Buch von Ray Bradbury war nicht das allseits bekannte "Fahrenheit 451", sondern "S is for Space", eine Science Fiction Kurzgeschichtensammlung, die teilweise wirklich irre Themen hatte. Natürlich waren einige Geschichten, so wie das bei Kurzgeschichten üblich ist, nicht unbedingt mein Ding aber genauso viele haben mich zugleich gut unterhalten. Wer auf klassische Science-Fiction steht, ist bei Ray Bradbury auf jeden Fall gut aufgehoben. 
Zum Schluss des Lesemonats kommt wie immer mein Highlight. "Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken" ist sogar schon ein Jahreshighlight geworden und das zu dieser frühen Zeit im Jahr. Aber für mich persönlich hat sich John Green in diesem Roman noch einmal übertroffen. Möglicherweise liegt es auch an der ganz persönlichen Komponente, die das Thema Zwangserkrankungen für mich inne hat, aber Green hat es geschafft dieses schwierige Thema sowohl sensibel, mit Humor und gleichzeitig mit einer Wichtigkeit zu nehmen, die beeindruckend war. Ein ganzes Buch, das beeindruckt und Mut macht und so verdammt wichtig ist. 

Das war er auch schon wieder. Mein sehr langer Lesemonat Januar. 
Ich wünsch euch einen schönen Abend. 

Lisa.