Montag, 8. Mai 2017

(Teil 1) Leseliebeleien

Liebe Freunde,
in meiner neuen Rubrik 'Leseliebeleien' möchte ich meine kleinen, meist sehr emotionalen, Texte teilen, die ich über Bücher schreibe, die mich sehr begeistern und beeindrucken konnten. Ich habe mich dazu entschieden, dies, mit jeweils zwei Texten, in Teilen zu machen. Heute startet also Teil eins. 
Die Texte habe ich auf meiner Facebook Seite veröffentlicht und möchte somit eine kleine Sammlung anlegen.
Ich hoffe, so bekommt eure Wunschliste Nachschub. In den Kommentaren könnt ihr mir gerne schreiben, wie eure Meinungen zu meinen Leseliebeleien aussehen :)


Hanya Yanagihara - Ein wenig Leben


Wie kann ein Buch gleichzeitig die schönste, schlimmste, grausamste, am besten geschriebene, beeindruckendste, qualvollste, großartigste Geschichte beinhalten, die man je gelesen hat?
Wie kann man versuchen ein Buch zu beschreiben, das sich mit Worten nicht beschreiben lässt?
So ein lächerlichen Alphabet mit 26 Buchstaben? Wie sollen diese jemals nur ansatzweise das heraufbeschwören können, was "Ein wenig Leben" mit mir gemacht hat? Und doch hat "Ein wenig Leben" ironischerweise nur diese absurde kleine Anzahl an Buchstaben gebraucht, um zu einem Buch zu werden, das ich nie wieder vergessen werde.
Weil man es nicht vergessen kann. Weil es dich zerstört mit jeder Seite ein kleines bisschen mehr. Weil du bitterliche Tränen weinst, weil Sätze und Wörter, so intensiv und berauschend erzählt, dir um die Ohren fliegen, dass du glaubst, dass du es nicht schaffen kannst. Dass du diese Geschichte nicht schaffen kannst. "Ein wenig Leben" hat mir leserisch alles abverlangt. ALLES! Und dann es hat dieses ALLES genommen und hat es noch einmal verstärkt, es noch einmal ein bisschen unerträglicher gemacht. 
"Ein wenig Leben" hat mich an eine Klippe gebracht, um mich dort stehen zu lassen und zu sagen: "Was ist los? Heulst du, weil du nicht fassen kannst, dass Bücher auch solche Geschichten erzählen können? Heulst du, weil es keine Gute Laune Welt ist, die du hier betrittst? Willst du aufgeben? Jetzt? Einfach so? Oder springen und es zuende bringen?" 
Mehr als einmal war ich an diesem Punkt, an dem ich geglaubt habe, dass es nicht weiter geht. An dem ich im Kampf erschöpft zu Boden gesunken bin und gedacht habe: "Ich kann nicht mehr, hier ist meine weiße Fahne! Ich geb auf!" An dem ich so viel Abstand, wie es ging zwischen mir und dieser Geschichte bringen wollte.
Aber irgendetwas hat mich immer wieder zurückgezogen, so sehr, dass ich die zweite Hälfte des Buches, obwohl ich für die erste Hälfte über zwei Wochen gebraucht habe, in drei Tagen zu Ende gelesen habe. 
Und nun sitze ich hier. Voller blauer Flecke, die nicht eingebildet sind. Diese Geschichte hinterlässt Spuren in der Seele, die niemals verblassen werden, obwohl "Ein wenig Leben" ein Buch ist, was ich nicht explizit weiter empfehlen würde. Es ist noch nicht einmal eine Geschichte, die man gelesen haben muss. Aber wenn man sich drauf einlässt, dann mit ALLEM.
Mit dem Schmerz, mit den blauen Flecken, mit den Tränen, mit der Klippe, mit der Angst die nächste Seite umzublättern. Mit Angst, die sich nicht erklären lässt, weil es nicht real ist. Und doch ist es so real, dass es weh tut. Und dass es eine Wunde ist, die lange braucht, bis sie wieder heilen kann. Wenn sie es überhaupt tut.

"Wir brauchten mehrere Tage, um ihn zu lesen, denn obwohl er nicht lang war, war er zugleich endlos, und wir mussten immer wieder die Seiten niederlegen und uns von Ihnen entfernen, um uns dann gegenseitig zu wappnen- Bist du bereit?-, uns hinzusetzen und ein weiteres Stück zu lesen."

(Seite 956)


Angie Thomas - The hate u give 



Manche Geschichten hinterlassen ein gutes Gefühl tief in deinem Inneren, ein Gefühl, an das du dich noch lange Zeit erinnerst, und es dann immer so ist, als würden die ersten warmen Sonnenstrahlen nach einem langen Winter auf deine Haut treffen.

Manche Geschichten hinterlassen einen so tiefen Eindruck, dass du jedem, den du triffst unbedingt davon erzählen musst. Du willst ihn überzeugen, dass es genau dieses Buch ist, was man unbedingt lesen musst. Weil es wichtig ist. Weil es zur genau richtigen Zeit kommt. 

Manche Geschichten machen dich stark. Sie machen dich stark gegen die Ungerechtigkeiten, die das Leben dir immer dann vor die Füße wirft, wenn doch eigentlich alles gut läuft. Diese Geschichten sagen dir, dass du alle Hürden überwinden kannst. Wenn du stark bist. Wenn du mutig bist. Wenn du nicht aufgibst. 

"The hate u give" ist all das zusammen.
Es macht wütend, es bringt dich zum Lachen, es bringt dich zum Nachdenken über die schwerwiegenden Fehler, die unsere Gesellschaft immer noch hat, und leider wohl auch immer haben wird. Es macht glücklich. Es ist aktuell. So hochbrisant und genau deswegen so wichtig! Aber es bringt dir auch immer wieder diese warme Gefühl, dass es wichtig ist seine Stimme zu erheben, weil Worte so viel ausrichten, und so viel verändern können. Und weil es wichtig ist, mutig zu sein. 


"Sometimes you can do everything right and things will still go wrong. The key is to never stop doing right."

1 Kommentar:

  1. Tolle Idee <3
    Ich muss unbedingt bald Ein wenig Leben lesen.
    Und The Hate U Give kommt ja demnächst auf deutsch raus, das mag ich auch haben.

    Liebe Grüße,
    Nicci

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