Montag, 18. September 2017

Karan Mahajan - In Gesellschaft kleiner Bomben






Verlag: CulturBooks
Seiten: 376
Erschienen: 1. August 2017
Preis: 25.00 Euro (Ebook: 15.99 Euro)







Das Leben des jungen Mansoor ändert sich schlagartig, als eine Bombe auf einem Marktplatz in Delhi explodiert, den seine Freunde, die Khuarana Brüder und er selbst gerade besuchen. Der zwölfjährige Mansoor überlebt den Anschlag, während seine Freunde sterben. 
Die Bombe auf dem Marktplatz wird als eine der vielen "kleineren" Bomben bezeichnet, die von der Welt kaum Beachtung erfahren. Doch diese hinterließ einen gewaltigen Riss im Leben aller Beteiligten. Während die Eltern der Khuarana Brüder plötzlich mit dem Tod ihrer einzigen Kinder konfrontiert werden, müssen Mansoor und auch seine Eltern mit den Bürden der Überlebenden zurechtkommen. Die Bombe hinterlässt Spuren an Körper und Seele. Nach einem Aufenthalt an einer amerikanischen Universität, kehrt Mansoor viele Jahre später nach Delhi zurück. Er freundet sich dort mit dem Aktivisten Ayub an, mit dessen Einflussnahme nimmt Mansoors Lebensweg plötzlich immer radikalere Formen an...

Auf die Thematik in "In Gesellschaft kleiner Bomben" von Karan Mahajan war ich deswegen so gespannt, weil das Buch als eines der wenigen einen Anschlag zum Gegenstand seiner Handlung macht, der in natura an leider zahllosen Beispielen gesehen, in den Medien wohl keine größere Beachtung finden würde. In Mahajans Geschichte wird das Schicksal von Angehörigen der Opfer und Überlebenden thematisiert, das relativ schnell in der Nachrichtenflut unserer heutigen Gesellschaft vom Bildschirm verschwindet und stellt gerade in Hinblick auf die "Überlebenden-Figur" des Mansoor, möglicherweise auch einen Appell dar, diese Menschen nicht zu vergessen.
Aber erst einmal der Reihe nach: Mir persönlich fiel es relativ schwer eine angemessene Einschätzung der Geschichte wiederzugeben. Das lag vor allem daran, dass mir der Erzählstil zu sprunghaft war. Ich benötige meistens eine kurze Dauer, um herauszufinden aus welcher Perspektive der verschiedenen Charaktere eigentlich gerade erzählt wurde. Daraus resultierte, dass es mir an einigen Stellen schwer fiel den Handlungsstrang zu folgen und oft musste ich auch einige Absätze zurückspringen, um das Lesen noch einmal neu aufzunehmen. Gleichzeitig war da aber auch der unabdingbare Wille meinerseits dem Handlungsstrang folgen zu wollen, weil ich, wie bereits angedeutet, die Thematik der Geschichte wahnsinnig interessant und vor allem wichtig fand. Abgesehen von dem mir persönlich zu sprunghaften Wechseln der Erzählperspektiven, erlauben diese gleichzeitig eine gute Einsicht in die Gefühlswelt der jeweiligen Figuren. Die Eltern der verstorbenen Khuarana Brüder verkörpern hierbei das Schicksal der Hinterbliebenden. Mansoors Erzählstrang beschäftigt sich mit der Überlebenden Rolle, der allerdings das Überleben nicht zum Thema macht, sondern die körperlichen und seelischen Folgen eines solchen traumatischen Erlebnisses. An Mansoors weiteren Lebensweg wird überdies deutlich gemacht, was passiert, wenn die Gesellschaft glaubt, dass der Schicksalsweg eines Überlebenden bei seinem Überleben endet und ihn damit keine weitere größere Hilfe zuteil werden muss. 
Auch Ayub, ein Aktivist, mit dem Mansoor in Kontakt kommt, verkörpert einen allumfassenden Charakter in "In Gesellschaft kleiner Bomben". Er thematisiert die Handlungskette, in der beschrieben wird, wie Menschen, die zunächst lediglich strikte politische Ansichten verfolgten, sich durch eine Vielzahl von fast schon unglücklichen Umständen radikalisieren und schließlich zu Terroristen werden. 
Karan Mahajan hat eine zweifellos wichtige Geschichte geschrieben. Eine Geschichte, die gleichzeitig provozieren und aufrütteln soll. Dieses Konzept geht im Großen und Ganzen auf. Auch wenn mich der Erzählfluss oft stocken ließ, wollte ich doch immer wissen, wie es weiter geht und zu welchem Ende die Geschichte schlussendlich kommen wird. 

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