Donnerstag, 23. November 2017

Krystal Sutherland - Unsere verlorenen Herzen





Verlag: cbt
Seiten: 384
Erschienen: 25. September 2017
Preis: 14.99 Euro (Ebook: 9.99 Euro)





Henry war noch nie richtig verliebt. 
Während seine gleichaltrigen Schulkameraden sich von einem ins nächste Liebesdrama stürzen, hatte er dieses allumfassende und verschlingende Gefühl der großen Liebe noch nie verspürt, bis zu dem Tag, an dem Grace in sein Leben stolperte. Von nun an ist nichts mehr so, wie es einmal war, obwohl man Grace nicht wirklich ansieht, dass sie Teil eine der größten Liebesgeschichten überhaupt geworden ist. Mit ihren viel zu großen Klamotten sieht sie die meiste Zeit aus wie ein Junge. Zudem scheint Grace ein dunkles Geheimnis mit sich zu tragen, das so schwer auf ihr lastet, dass sie scheinbar permanent von einer traurigen Wolke umgeben zu sein scheint. 
Doch Henry lässt sich davon nicht beirren und setzt alles daran hinter Grace' mühsam aufgebauten Fassaden zu blicken, denn die große Liebe ist das doch wert, oder?

Als ich die letzten Zeilen von "Unsere verlorenen Herzen" von Krystal Sutherland gelesen habe, war ich zugegebenermaßen sehr überrascht. Durch das Cover und auch durch die Beschreibung des Inhalts der Geschichte, entsteht zunächst der Eindruck es mit einer typisch klischeehaften Liebesgeschichte zu tun zu haben, bei der man wahrscheinlich mehr als einmal die Augen verdreht, weil der Kitsch überhand nimmt. Am Ende quittiert man das Ganze dann mit einem nachsichtigen Lächeln und ordnet das Buch bei "Leichtes für zwischendurch" ein. Tatsächlich aber ist der Debütroman von Sutherland etwas ganz anderes geworden. Etwas, dass das Herz schwer macht, es vor Freude hüpfen lässt und etwas, dass noch ziemlich lange nachklingt.
Die Autorin schafft es mit einer treffischeren und fast schon liebevollen Präzision sich in ein jugendliches Herz zu denken und dabei auch die verschiedenen Typen von Teenagern herauszustellen. Da ist einmal der gutmütige und fast schon liebeskranke beste Freund von Henry, Murray, der ,sein Herz einmal verschenkt, alles daran setzt seine Angebetete für sich zu gewinnen, ob sie nun will oder nicht. Dann gibt es noch die clevere Lola, Henrys beste Freundin, die zu allem einen guten Rat weiß und alles dafür tut, ihre Freunde zu beschützen und natürlich Henry, der etwas schüchterne aber durchaus witzige normale Typ, der plötzlich das einzigartige und unverwechselbare Gefühl der Verliebtheit verspürt, dabei aber auch lernt, dass dieses Gefühl nicht nur Schmetterlinge im Bauch erzeugt, sondern auch verdammt weh tun kann. Die Figur der Grace war dann noch einmal etwas ganz anderes, da ihr dunkles Geheimnis ihr alle Möglichkeiten genommen hat wie ein normaler Teenager zu leben. Trotzdem gelingt es Sutherland auch hier Grace zerbrochene innere Gefühlswelt perfekt einzufangen und rüber zu bringen. 
Und das alles schafft die Autorin ohne auch nur an einer Stelle klischeehaft oder kitschig zu werden. Nichts an "Unsere verlorenen Herzen" wirkt überladen oder krampfhaft konstruiert. Es ist eine zarte und fast schon zerbrechliche Geschichte über das Erwachsenwerden geworden, der es weder an ernsthafte Themen, wie Trauer und Verlust, als auch an der genau richtigen Prise Humor fehlt. Es ist fast schon unmöglich die Figuren nicht sofort ins Herz zu schließen, weil sie unglaublich sympathisch sind und einfach richtig in der Geschichte wirken. Besonders Henry hat es mir angetan, weil ich die Tatsache eine jugendliche Liebesgeschichte aus der Sicht eines männlichen Protagonisten erzählt zu bekommen als angenehm und auch noch nicht sooft dagewesen empfunden habe. Henry macht es dem Leser ziemlich leicht ihn zu mögen und das nicht nur, weil er großer Harry Potter Fan ist. 
Am Ende von "Unsere verlorenen Herzen" wird deutlich, dass die Autorin mit ihrer Geschichte wirklich alles richtig gemacht hat, denn kein Ende hätte besser zu diesem Buch gepasst als das, das hier erzählt wurde. 
"Unsere verlorenen Herzen" ist ein Roman, den man nicht so schnell vergisst. Er verkleidet sich als typische Teenager Romanze und überrascht dann mit einer unglaublich Intensität und Tiefgründigkeit. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen