Montag, 14. Mai 2018

/Filmrezension/ Eleanor & Colette






Regie: Billie August
FSK: 12 Jahre
Genre: Drama/Filmbiografie
Länge: 1 Stunde, 55 Minuten
Starttermin: 03. Mai 2018







Eleanor Riese macht nach einer ihrer zahlreichen Selbsteinweisungen in eine psychiatrische Klinik Nägel mit Köpfen und engagiert die zielstrebige Anwältin Colette. Eleanor ist sich ihrer Schizophrenie und ihrer Angstattacken durchaus bewusst, sie verweigert auch nicht die Medikamenteneinnahme, es geht ihr darum nicht zwangsweise mit Medikamenten vollgepumpt zu werden, sondern selbstständig, wozu sie durchaus in der Lage ist, über die Dosis bestimmen zu dürfen.
Vor Gericht geht es schnell nicht nur mehr um Eleanors Schicksal, sondern um das von 150 000 psychisch kranken Menschen in den Vereinigten Staaten, die regelmäßig gegen ihren Willen mit Medikamenten vollgepumpt werden, ungeachtet der Nebenwirkungen und Risiken einer solchen unkontrollierten Medikamentendosis. 
Wegen ihrer besonderen und einzigartigen Art nimmt Eleanor nicht nur ihre Anwältin für sich ein, sondern alle Menschen in ihrer Umgebung aber besonders zwischen diesen grundverschiedenen Frauen entsteht eine Freundschaft, die zeigt, dass alles möglich ist, wenn man nur fest genug darum kämpft.

Auch mehrere Tage nach meinem Kinobesuch von "Eleanor & Colette" fällt es mir immer noch schwer die Fülle der Emotionen zu erfassen, die mich überwältigt haben, nach dem der Abspann über die Kinoleinwand lief. 
Was für eine einzigartige, was für eine wunderschöne, besondere, tieftraurige, Mut machende, berührende und inspirierende Geschichte. 
Helena Bonham Carter, so scheint es, spielt mit Eleanor Riese die Rolle ihres Lebens. Fast in jeder Szene wollte ich ihr für ihre grandiose schauspielerische Leistung applaudieren.
Ich hätte im Vorfeld niemals damit gerechnet, dass mich dieser Film so berühren würde. Ich bin davon ausgegangen, dass der Handlungsverlauf, der auf wahren Begebenheiten beruht, größtenteils die Seite dieses äußerst bedeutenden und schwierigen Falls beleuchtet. Dem war allerdings nicht so. 
Natürlich wurden oft die Gespräche über die Strategie in diesem Fall zwischen Colette und ihrem Partner Mort gezeigt und auch einige Gerichtsszenen waren enthalten, doch schnell wurde deutlich, dass der Hauptfokus der Erzählung auf die besondere Freundschaft zwischen Eleanor und Colette, Eleanors Wesen und dem allmählichen Wandel in Colettes Privatleben gelegt wird, weil die zunächst introvertierte Colette im Laufe der filmischen Handlung immer mehr erkennt, was im Leben wirklich wichtig ist. Und das liegt natürlich größtenteils an ihrer neuen Freundin Eleanor, die permanent so viel Bedeutendes und Wichtiges von sich gibt, dass man eigentlich den ganzen Tag mit einem Block und Stift neben ihr hergehen müsste.
"Eleanor & Colette" erlaubt einen wichtigen Blick hinter die Fassade einer unglaublichen und inspirierenden Frau, der das Leben nicht nur in gesundheitlicher Hinsicht übel mitgespielt hat und die trotzdem unbeirrt ihren Weg geht und die niemals vergisst, was wichtig ist. Zudem scheint der Film, nach den unfassbaren Diskussionen um einen neuen Gesetzesentwurf in Bayern, in dem psychisch kranke Menschen wie Straftäter behandelt werden sollen, genau zum richtigen Zeitpunkt zu kommen. 
"Eleanor & Colette" wirft ein neues Licht auf einen der wichtigsten Gerichtsprozesse in der amerikanischen Geschichte, der für so viele Menschen eine enorme Bedeutung hatte. Außerdem zeigt dieser wunderschöne Film, dass Freundschaft alles möglich machen kann. Sie lässt mühsam aufgerichtete Mauern einbrechen und Lebensweisen komplett überdenken. Sie zeigt das Wahre, das Wunderschöne, das Zerbrechliche und die Stärke in Menschen. Und sie macht es möglich, dass du solche Filme am liebsten umarmen möchtest, weil sie dir in gerade einmal zwei Stunden so viel geben.
Dieses Seven-Up trinke ich auf dich, Eleanor!
Unbedingt anschauen!

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