Herzlich Willkommen zu meinem etwas verspäteten Lesemonat November.
Im vergangenen Monat habe ich meine obligatorischen neun Bücher gelesen, wobei eines ein Ebook gewesen ist. Insgesamt waren es 3603 Seiten.
Dann haben wir ja jetzt die Fakten, ich würde sagen: Los geht's!

Der Lesemonat beginnt mit dem ersten Teil der 'Raven-Boys' Reihe "Wen der Rabe ruft" von Maggie Stiefvater. Auf diese Reihe war ich schon sehr lange sehr gespannt, weil ich zum Teil unterschiedliche Meinungen zu den Büchern gehört habe. Die positiven Meinungen waren aber dann so euphorisch, dass ich mir nun unbedingt meine eigene Meinung bilden wollte. Der Einstieg in das Buch fiel mir auf den ersten hundert Seiten noch etwas schwer, aber dann kann ich nur mit einem Wort meinen Gemütszustand, während der restlichen 360 Seiten, beschreiben: fasziniert. Als ich durch das Thema endlich durchgestiegen bin, konnte ich das Buch nur noch schwer weglegen. "Wen der Rabe ruft" ist mystisch, geheimnisvoll und voller Fantasie. Wir begleiten die Hauptfiguren auf einer ganz speziellen Suche und betreten Orte, die beweisen, dass die Autorin einen ganz eigenen Sinn für fantastische Orte hat. Der zweite Teil wartet bereits im Bücherregal, ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

Weiter ging es im November mit dem dritten Band einer Reihe, die mich schon das ganze Jahr begeistert hat. "Erbin des Feuers" gehört zur 'Throne of Glass' Serie von Sarah J. Maas und musste unbedingt noch vor dem Erscheinen des vierten Bandes, der ebenfalls letzten Monat erschien, gelesen werden. Und auch der dritte Teil konnte mich wieder überzeugen, ich würde sogar behaupten, dass die Autorin sich mit jedem Band gesteigert hat. Nachdem der Vorgänger mit einem fiesen Cliffhanger endete, begleiten wir die wirklich besondere Hauptfigur Celaena bei ihren neuen Abenteuern, die sie in ein anderes und besseres Leben führen sollen. Die 'Throne of Glass' Reihe gehört für mich zu den besten High Fantasy Serien, die es zu lesen gibt und ich habe mir den vierten Band auf jeden Fall noch bis zum Ende des Jahres vorgenommen. Ich muss ja noch fertig werden, bis das Ganze dann als Fernsehserie adaptiert wird.

Das nächste Buch war ein ganz Besonderes für mich persönlich, da es zu den Büchern gehört, die wehtun und die man doch nicht aus der Hand legen kann. "Meinen Hass bekommt ihr nicht" stammt von dem Journalisten und Autoren Antoine Leiris, der seine Frau bei den Paris Attentaten vom 13. November 2015 verloren hat und nun den gemeinsamen, erst wenige Monate alten Sohn alleine großziehen muss. Vor allem bekannt wurde er durch den gleichnamigen Brief, den er kurz nach dem Terroranschlag veröffentlicht hat und den Terroristen seinen Hass und seine Wut auf sie verwehrt. Aus diesem Brief heraus erzählt er nun in diesem Buch auf berührende Weise, wie sein Leben kurz nach dem Tod seiner Frau und auch in der Zeit darauf, aussah und wie er seinen Sohn beibringen musste, dass seine Mutter nicht mehr zurückkommt. Gänsehaut und Tränen in den Augen, das beschreibt mehr als gut meine Gefühle, während des Lesens. Ein zwar kleines aber dennoch großes und wichtiges Buch.

Weiter ging es im November mit einem Buch, das mich ebenfalls auf verschiedene Arten und Weisen berührt hat. "Wie ein Fisch im Baum" erzählt die Geschichte der elfjährigen Ally, die schon seit langer Zeit ein Geheimnis hütet. Sie kann weder lesen noch schreiben. Aus diesem Grund gilt Ally, in ihrer Klasse, als Einzelgängerin. Sie traut sich nicht sich auch nur einen Menschen anzuvertrauen, weil sie sich schämt. Bis zu dem Tag, als Ally einen neuen Lehrer bekommt. Mr. Daniels erkennt welches Potenzial in seiner Schülerin steckt und bleibt so lange dran, bis sich Ally ihm endlich anvertraut. Dabei bemerkt Ally, dass es gar nicht so schlimm ist die Wahrheit zu sagen und etwas Besonderes zu sein. Sie ist Legasthenikerin, verfügt aber über eine große Intelligenz und Mr. Daniels zeigt Ally, wie sie ihre Stärken richtig einsetzen kann. "Wie ein Fisch im Baum" ist ein absolutes Monatshighlight. Ein tolles Buch über ein noch tolleres Kind, das auch für angehende Lehrer eine wertvolle Lektüre ist.

"Frigid" von Jennifer L. Armentrout gehörte zu meiner Messe-Ausbeute. Zu der Art von Messe-Ausbeute, die ich unbedingt aber wirklich unbedingt haben musste. Nachdem ich das Buch nun gelesen habe, muss ich aber leider sagen, dass die Geschichte dabei nicht mithalten konnte. Eigentlich liebe ich ihre New-Adult Romane, die man vor allem unter ihrem Pseudonym J.Lynn kennt. Sie sind dramatisch, gefühlvoll und voller Emotionen. "Frigid" war mir aber einfach zu vorhersehbar, die ganze Geschichte war einfach zu stereotypisch. Die Figuren wirkten wie gewollt, aber nicht gekonnt. Möglicherweise liegt es an der Tatsache, dass "Frigid" zu den ersten Büchern gehört, die Jennifer L. Armentrout in diesem Bereich geschrieben hat und sie sich erst ausprobieren musste. Ich denke, ich werde es dann spontan entscheiden, ob ich die weiteren Bücher aus der Reihe auch lesen werde, oder doch viel mehr wieder auf die 'Wait for you' Serie ausweiche.

Weiter ging es mit dem neuen Buch von Colleen Hoover, das eigentlich gar kein Buch werden sollte. "Too late" hat sie, nach eigenen Aussagen, immer nebenbei geschrieben, wenn sie ihre anderen Bücher verfasst hat. Vom Genre unterscheidet es sich komplett von ihren anderen Werken, es ist düster, es ist voller Gewalt und es ist trotz allem wieder sehr gut geschrieben. Auch wenn mir der Einstieg schwer fiel und ich erst mit den Figuren warm werden musste, habe ich das letzte Drittel des Buches mal wieder mehr inhaliert, als gelesen. Man soll sich aber noch einmal vergegenwärtigen, dass sich die Geschichte wirklich von dem, was man sonst von Colleen Hoover liest, unterscheidet. Trotzdem ist sie sehr, sehr lesenswert.

Das nächste Buch kam von Kevin Sands und ist der erste Teil der Blackthorn Code Reihe. "Das Vermächtnis des Alchemisten" soll eigentlich dem Genre 'Kinderbuch' zugeschrieben werden, ich würde es aber nicht wirklich als Kinderbuch bezeichnen. Mit einer mysteriösen Mordserie, die der Protagonist im London der frühen Jahre, aufklären muss, gehört der Blackthorn-Code wohl eher in den Jugendbuchbereich. Trotz allem ist es eine wirklich sehr lesenswerte Geschichte geworden. Die Charaktere sind liebenswert und die Rätsel und Codes, die der Protagonist, während der Handlung, lösen und knacken muss, geben der ganzen Geschichte noch einmal die nötige Würze. Wer sich nun ebenfalls in die Abenteuer, rund um das Vermächtnis des Alchemisten, stürzen will und noch etwas unsicher ist, für den habe ich eine Rezension zu dem Auftakt geschrieben. Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf die Fortsetzung.

Kommen wir nun zum Schluss zu zwei Büchern, die zu meinen absoluten Jahreshighlights gehören. Zwei Büchern, von denen ich das wohl am allerwenigsten erwartet hätte. "Flawed - Wie perfekt willst du sein?" gehört ebenfalls zu meiner Buchmesse-Ausbeute. Wenn ich ehrlich bin aber gerade nur deswegen, weil die Autorin Cecilia Ahern dort eine Autogrammstunde gegeben hat und ich mir gedacht habe, dann kann ich ja auch das Buch mitnehmen. Zum Glück habe ich das getan. Denn "Flawed" ist eine großartige Dystopie geworden, die, entgegen aller Meinungen, für mich zumindest ein durchaus neues Thema enthält. In Celestines Welt gilt das wichtigste Ideal, nach dem es sich zu streben lohnt, die Perfektion. Die sogenannte Gilde will eine perfekte Gesellschaft erschaffen, in der jeder noch so kleine Fehler vermieden und jeder noch so kleiner Makel ausgemerzt werden soll. Und Celestina gilt als Perfektion in Person, bis zu dem Tag, an dem sich ihr Leben komplett ändert.

Celestina kann einfach nicht verstehen, warum sie sich falsch verhalten haben soll, nur weil sie einem Mitmenschen helfen wollte.
Mit ihrem dystopischen Zweiteiler, der sich mehr im Jugenbuchbereich ansiedelt, hat Cecilia Ahern einen kompletten Genrewechsel vollzogen. Eigentlich kennt man sie ausschließlich von ihren Liebesromanen mit den blauen Covern und vor allem von ihrem erfolgreichen Debütroman "P.S. Ich liebe dich". Genrewechsel von Autoren finde ich generell sehr interessant, vor allem, wenn das dann noch so gut gelingt wie in diesem Fall. Als dann Mitte November der zweite Teil "Perfect - Willst du die perfekte Welt?" erschien, konnte ich nicht schnell genug in der Buchhandlung sein. Wie erwartet konnte auch der Nachfolger mit dem Vorgänger mithalten und auch das Ende hat mir sehr gut gefallen. Jeder, der Dystopien mag, sollte die beiden Bücher unbedingt lesen und für jeden, der Dystopieliebhaber werden möchte, könnten das die perfekt unperfekten Einstiegsbücher sein. Für mich auf jeden Fall echte Jahreshighlights.
Das war er dann auch schon wieder. Der Lesemonat November.
Wie sieht es bei euch aus? Was habt ihr gelesen? Vielleicht sogar dieselben Bücher? War etwas für die Wunschliste dabei? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.
Somit bleibt mir nur noch euch allen ein schönes Wochenende zu wünschen.
Eure Lisa.
Verlag: blanvalet
Seiten: 349
Erschienen: 21. November 2016
Preis: 9.99 Euro (Ebook: 8.99 Euro)
Grace ist jung, schön, frisch verheiratet und scheint das perfekte Leben zu führen. Ihr gut aussehender Ehemann Jack ist ein erfolgreicher Anwalt, der sich für die Rechte misshandelter Frauen einsetzt und schenkt Grace zur Hochzeit ihr absolutes Traumhaus, das genau nach ihren Wünschen entworfen wurde.
Die beiden geben regelmäßig Dinner-Partys für ihre Freunde und Bekannten und scheinen sich einfach gesucht und gefunden zu haben.
Manchmal aber scheint die perfekte Idylle zwischen Grace und Jack ein bisschen zu perfekt zu sein.
Warum umgibt beispielsweise ein meterhoher Zaun das Haus der beiden?
Und warum sind überall Stahlrolladen angebracht worden, so dass das gesamte Anwesen mehr wie eine Festung, als wie ein Traumhaus wirkt?
Immer, wenn man Grace auf diese Merkwürdigkeiten bezüglich ihres Eigenheims anspricht, scheint immer Jack zur Stelle zu sein, um an ihrer Stelle zu antworten. Und überhaupt wirkt es so, dass Grace nirgendwo alleine ist. Jack ist immer in der Nähe und in Hörweite.
Aber bestimmt bilden wir uns das alles nur ein, denn bei so einem perfekten Paar wie Jack und Grace muss doch einfach alles stimmen...oder?
Mit "Saving Grace - Bis dein Tod uns scheidet" hat die Autorin B.A. Paris ihren Debütroman vorgelegt. Dabei ist ihr ein unglaublich spannender und subtiler Psychothriller gelungen, den ich mehr inhaliert, als gelesen habe. In "Saving Grace" ist nichts so, wie es scheint. Die Hauptfigur Grace scheint das perfekte Leben zu führen, ein Leben, das irgendwie zu perfekt scheint.
Gerade der Beginn des Romans ist der Autorin perfekt gelungen und das ist vor allem dem Erzählstil zuzuschreiben. Indem abwechselnd die Gegenwart und die Vergangenheit der Protagonistin beschrieben wird, wird Seite um Seite immer deutlicher, dass in der Beziehung zwischen Jack und Grace irgendetwas nicht stimmen kann. Die Zeitsprünge in den Kapiteln zeigen aber auch, dass die erste Begegnung der beiden tatsächlich einem Märchen gleichkommt, einem Märchen, das sich nach und nach in einem Albtraum verwandelt.
Dabei ist Grace nicht wirklich die typische Hauptfigur, die von einem Mann 'gerettet' werden müsste. Sie hat einen ausfüllenden Beruf und kümmert sich rührend um ihre Schwester Millie, die unter dem Down-Syndrom leidet und die Grace's wichtigster Mensch im Leben ist. Allein ihr Glaube an die große Liebe veranlasst sie dazu sich kopfüber in die Beziehung mit Jack zu stürzen, auch wenn ihr schon in dieser frühen Phase einige seltsame Dinge hätten auffallen müssen.
Die Spannung um Grace's ausweglose Situation wird zwar langsam aber stetig aufgebaut. Allerdings hat man, während der gesamten Lektüre, dieses komische Gefühl im Bauch, das man nur hat, wenn man weiß, dass der große Knall in der Handlung noch kommen wird. Und der kam dann zum Schluss.
Das Ende von 'Saving Grace' war, wie der Anfang, sehr gut konstruiert. Wieder einmal wird der Leser lange im Unklaren gelassen, bis sich das Ganze mehr als zufriedenstellend auflöst, zumindest meiner Meinung nach.
'Saving Grace' ist ein kurzweiliger, sehr guter Psychothriller geworden, der ganz ohne Blut auskommt. Ein Thriller, der alles halten konnte, was er vorab versprochen hat und der auch sehr viel Lust auf alles macht, was von der Autorin noch kommen wird.
Verlag: Carlsen
Seiten: 478
Erschienen: 25. November 2016
Preis: 17.99 Euro (Ebook: 9.99 Euro)
Seit Sefias Eltern gestorben sind, ist ihre einzige Bezugsperson ihre Tante Nin. Schon immer zogen die beiden durch das Land und kämpften ums Überleben, auf der Flucht vor einem, für Sefia, unbekannten Verfolger.
Doch dann wird Nin plötzlich entführt und von einem auf den anderen Moment steht Sefia alleine da. Die einzige Spur zu ihrer Tante ist ein geheimnisvoller Gegenstand, den Sefia schon ewig in ihrem Rucksack dabei hat. Genau genommen handelt es sich um ein Buch, ein scheinbar nutzloses Utensil in Sefias Welt, in der niemand von der Existenz geschriebener Worte ahnt.
Fest entschlossen Nin aus den Fängen ihrer Entführer zu befreien, lenkt Sefia zum ersten Mal ihre volle Aufmerksamkeit auf das Buch und erkennt schnell, dass es eine gewaltige, geheimnisvolle und magische Kraft besitzt. Eine Kraft, die Sefia nur dann vollends entschlüsseln kann, indem sie sich auf eine gefährliche Reise begibt.
Eine Reise voller Abenteuer und Verfolgern, von der es möglicherweise keine Wiederkehr gibt.
Doch zum Glück hat Sefia einen Gefährten dabei. Ein stummer junger Mann, der ihr treu zur Seite steht, aber selbst voller Geheimnisse steckt.
Im ersten Buch von Kelanna "Ein Meer aus Tinte und Gold" entführt uns die Autorin Traci Chee in eine Welt, die bücherliebenden Menschen im ersten Moment wie ein Albtraum vorkommen muss, einer Welt ohne das geschriebene Wort. Obwohl ein geheimnisvolles Buch die Hauptrolle in der Geschichte spielt, wissen die Menschen nicht, dass Wörter aufgeschrieben werden können, dass sie eine Bedeutung besitzen.
Der zweite Blick in Sefias Welt ist dann aber schon wieder weniger angsteinflößend, denn keine Bücher bedeuten dort keineswegs keine Geschichten. Ganz klassisch werden dort Geschichten weiter erzählt und zwar so lange, bis sie jeder auswendig kann und sie folglich über einen langen Zeitraum Bestand haben.
Zudem gibt es eben noch Sefia, die Protagonistin des Buches. Ein junges Mädchen, das schon früh in ihrem Leben gezwungen wurde zur Überlebenskünstlerin zu werden und nun Gerechtigkeit für die grausamen Taten will, die ihrer Familie angetan wurden. Mit den geheimnisvollen Buch, das die einzige Spur zu ihrer Tante darstellt, bringt sie dann doch das geschriebene Wort in ihre Welt und damit auch jede Menge Magie und Gefahren. Begleitet wird sie von einem Jungen, den sie zunächst nicht allzu viele Sympathien entgegen bringen wollte, aus Angst ihn in Gefahr zu bringen, mit dem sie aber dann doch eine besondere Freundschaft teilt.
Und das war auch gut so, denn die beiden stürzen sich in gefährliche Abenteuer, in der man einen Freund an seiner Seiten haben sollte.
Obwohl das Buch zwischendurch einige Längen hatte, war ich am Ende doch sehr froh Sefia begleiten zu dürfen, denn sie erlebt zusammen mit dem Jungen, den sie Archer nennt, jede Menge spannende und mysteriöse Abenteuer, die das Rätsel um das geheimnisvolle Buch immer wieder neu anheizen.
Auch der Erzählstil hat mir dabei besonders gut gefallen, da die einzelnen Kapitel immer wieder aus der Sicht von verschiedenen Figuren erzählt werden. Mal ist es Sefia selbst, mal ist es aus Archers Sicht und manchmal wird die Geschichte auch von Kapitän Lees erzählt, einer wirklich tollen Figur, die man unbedingt kennen lernen sollte.
Normalerweise erwähne ich die Gestaltung eines Buches höchstens am Rande, weil es eigentlich immer um die Geschichte gehen sollte, aber hier muss ich einfach mal eine Ausnahme machen. Geschwärzte Wörter, verblichene Zeilen oder angebranntes Papier, all das findet der Leser im ersten Buch von Kelanna und es verstärkt den Eindruck noch einmal, dass er sich auf einer besonderen Reise befindet, die ein längst gehütetes Geheimnis ans Licht bringen wird.
"Ein Meer aus Tinte und Gold" ist voller Fantasie, Geheimnisse und interessanter Figuren, die dich plötzlich auf ein Piratenschiff ziehen können, um dich auf eine Reise zum Ende der Welt mitzunehmen. Obwohl es ein paar Längen hat und der rote Faden in der Geschichte vom Leser das ein oder andere Mal ganz festgehalten werden muss, damit er nicht verloren geht, hat es mir, als begeisterte Leserin, in der Welt ohne das geschriebene Wort, gefallen und ich freue mich schon darauf, wenn ich zurückkehren darf.
Hier geht es zum Buch
Verlag: cbt
Seiten: 300
Erschienen: 31. Oktober 2016
Preis: 12.99 Euro (Ebook: 9.99 Euro)
Die elfjährige Ally gilt in ihrer Schule als Einzelgängerin. Mehrmals in der Woche wird sie zur Rektorin geschickt, weil auch ihre Lehrer nicht mit ihr zurechtkommen. Dabei will Ally nur um jeden Preis ihr Geheimnis vor den Lehrern, und auch vor ihren Mitschülern in der Klasse, bewahren und zwar, dass sie weder lesen noch schreiben kann. Sie schämt sich furchtbar, hält sich selbst für eine Versagerin und will sich niemandem anvertrauen.
Doch plötzlich ändert sich alles, als Ally einen neuen Klassenlehrer bekommt. Mr. Daniels schickt sie nicht zur Rektorin, obwohl Ally ihn am Anfang genug Gründe dafür liefert.
Nach und nach gelingt es Mr. Daniels dann doch ihr Vertrauen zu gewinnen und er findet heraus, dass die hochintelligente Ally Legasthenikerin ist. Endlich begreift Ally, dass es gar nicht so schlimm ist aus der Masse heraus zu stechen und etwas Besonderes zu sein.
Gemeinsam mit ihren neuen Freunden Keisha und Albert setzt sie schließlich sogar die mobbende Klassenkönigin Shay schachmatt...
"Jeder ist auf seine Weise klug. Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, er sei dumm."
Immer mehr habe ich mich, in meiner Begeisterung für das geschriebene Wort, der Suche verschrieben besondere Bücher zu finden. Diese Bücher, die ganz sicher nicht auf irgendwelchen Bestsellerlisten stehen, sondern die irgendwo in der Ecke im Buchregal warten und die man nicht sofort registriert.
Möglicherweise geht man auch an ihnen vorbei, weil man den zweiten Blick dann doch nicht riskiert. Und das ist so furchtbar schade, fast schon traurig, denn so fallen viele wundervolle Geschichten durch das Raster. Geschichten, die eine nicht erklärbare Besonderheit ausstrahlen, obwohl man noch keine einzige Seite gelesen hat und man doch ahnt: "Das könnte wieder so ein Schatz sein".
Eine Bloggerkollegin, Jacquelin von bookaholic. hat diese Geschichten einmal als 'Mehr Bücher' betitelt und eine treffende Bezeichnung gibt es nicht.
'Mehr Bücher' sind solche, die zwischen den Zeilen so viel stehen haben.
'Mehr-Bücher' sind solche, die man in die Welt hinaustragen möchte, weil man das dringende Bedürfnis verspürt, dass sie noch viel mehr Menschen lesen sollten.
Man kann sich sicherlich denken, dass "Wie ein Fisch im Baum" zu diesen 'Mehr Büchern' gehört. Die Geschichte von Ally, geschrieben von Lynda Mullaly Hunt, ist möglicherweise genau dieses Buch, das unten links in der Ecke vom Buchregal in der Buchhandlung steht und dann übersehen wird. Aber genau deswegen schreibe ich auch so gerne über diese Art von Büchern, um ihnen zumindest eine kleine Plattform zu geben, um doch nicht übersehen zu werden.
Ally ist großartig! Hätte ich so ein Mädchen früher in der Klasse gehabt, ich hätte alles getan, damit wir beide Freundinnen werden. Das wirklich Schlimme an der Sache ist aber, dass Ally gar nicht erkennt, dass gerade ihre Besonderheit sie zu diesem wundervollen Menschen macht, der sie ist. Völlig verunsichert nimmt sie den Spott und die Sticheleien ihrer Klassenkameraden in Kauf, um bloß ihr Geheimnis zu bewahren.
Aber glücklicherweise gibt es Mr. Daniels, der Inbegriff des coolen und lockeren Lehrers, den wir früher alle gerne haben wollten. Doch Mr. Daniels gibt eben auch nicht nach. Er erkennt, dass das Besondere in Ally eben nicht dazu führen sollte sie regelmäßig abzuschieben, sondern ihr klar zu machen, dass ihre Besonderheit sie als Menschen ausmacht.
Natürlich tauchen solche Lehrerfiguren in der Realität selten bis überhaupt nicht auf und deswegen ist "Wie ein Fisch im Baum" möglicherweise auch ein Buch für angehende Lehrer. Angehende Lehrer, die vielleicht auch so sein wollen wie Mr. Daniels, denn wir können wirklich nicht genug Typen wie Mr. Daniels in unseren Schulen haben.
Aber "Wie ein Fisch im Baum" ist auch etwas für dich und mich, weil hier ein elfjähriges Mädchen auf wundervolle Art und Weise lernt, was es bedeutet zu sich selbst zu stehen und da könnte sich manch ein Erwachsener noch eine Scheibe von abschneiden.
Also: Unbedingt stehen bleiben. Den zweiten Blick riskieren. Und lesen.
Verlag: dtv
Seiten: 330
Erschienen: 14. Oktober 2016
Preis: 15.95 Euro (Ebook: 13.99 Euro)
Der Arbeitsalltag des Apotheken-Lehrlings Christopher Rowe hat einiges zu bieten: Heiltränke zubereiten, Codes entschlüsseln und ab und an eine kleine Explosion, denn Christopher ist, neben seiner nicht enden wollenden Neugier, vor allem eines: sehr experimentierfreudig.
Sehr zum Leidwesen seines Meisters Benedict Blackthorn, der, wenn er das Haus verlässt, immer wieder Angst haben muss seine Apotheke, bei seiner Wiederkehr, in Schutt und Asche vorzufinden. Blackthorn weiß aber trotzdem sehr wohl, was er an seinem Lehrling hat und weiß das auch durchaus zu schätzen.
Was allerdings nicht zu Christophers Alltag gehören sollte, ist Mord. Aber mit genau einer mysteriösen Mordserie muss sich London gerade auseinander setzen. Das wirklich Seltsame daran? Immer wieder trifft es Inhaber von Apotheken.
Christoph muss schnell erkennen, dass sein Meister und er selbst keinesfalls außerhalb der Gefahrenzone sind, doch wer steckt hinter den grausamen Morden?
Glücklicherweise hat Blackthorn seinen Lehrling zudem in die Kunst eingeführt geheimnisvolle Codes zu entschlüsseln. Genau das bringt Christopher nämlich auf die Spur eines mächtigen Geheimnisses, einem Geheimnis, für das andere töten würden...
Geheime Codes entschlüsseln und mysteriöse Geheimnisse ergründen? Schon im Vorfeld schien der erste Teil der 'Blackthorn-Code' Reihe "Das Vermächtnis des Alchemisten" von Kevin Sands genau die richtige Geschichte für mich zu sein. Erst etwas später fand ich heraus, dass sich das Buch dem Genre 'Kinderbuch' zuordnet, was aber meiner Begeisterung das Buch lesen zu wollen, keinen Abbruch tat und nachdem ich es nun gelesen habe?
Der Auftakt der Blackthorn-Code Reihe ist sicherlich nicht "nur" ein Kinderbuch, einige Szenen platzieren die Geschichte wohl eher in den Jugendbuch-Bereich aber vor allem ist es eine unglaublich rasante, actionreiche und spannende Story.
Kevin Sands entführt uns ins London des 17. Jahrhunderts, einem London, in dem 14-jährige Apotheken-Lehrlinge weniger als nichts zu sagen haben. Doch der Protagonist der Geschichte Christopher Rowe hat Glück. Mit Benedict Blackthorn gerät der ehemalige Waisenjunge nicht nur an einen wahnsinnig intelligenten Menschen , sondern auch an einen gütigen Lehrmeister, der immer ein nachsichtiges Lächeln für seinen Schützling übrig hat. Zudem hat Christopher in der Blackthorn Apotheke ein neues Zuhause gefunden.
Und das ist auch das erste wichtige Fundament in Kevin Sands Geschichte: Die mehr als liebenswerten Figuren. Egal, ob es nun Meister Blackthorn selbst oder eben der Held des Buches Christopher oder sein bester und treuherziger Freund Tom ist, jeder Charakter hat eine Handvoll liebenswerter Züge, die ihn zu etwas ganz Besonderem machen. Gerade bei Christopher weiß man manchmal nicht, ob man über ihn lächelnd den Kopf schütteln, ihn für seinen Mut bewundern oder ihn beschützen will. Aber auch die restlichen Charaktere sollte man unbedingt kennen lernen. Man wird es ganz sicher nicht bereuen.
Die Handlung in 'Der Blackthorn-Code' hat mich dann persönlich total überrascht, weil sie nicht eine Sekunde still stand. Immer passierte etwas, das mich dazu brachte schon fast begierig die nächste Seite aufzuschlagen. Dementsprechend flogen diese dann auch nur so dahin, so dass ich das Buch fast schon in Rekordzeit ausgelesen hatte. Auch die Rätsel und verschlüsselten Codes in der Handlung haben mir wahnsinnig gut gefallen.
Allerdings muss ich noch einmal anmerken, dass, aufgrund vieler brutaler Szenen, ich das Buch nicht wirklich in den Kinderbuch Bereich einordnen möchte.
"Das Vermächtnis des Alchemisten" ist ein lesenswerter und toller Auftakt der Blackthorn-Reihe geworden. Ich freue mich schon sehr auf die Nachfolger.
Hallo ihr lieben Menschen,
die zwei großen 'B': Buchmesse und Bachelor Arbeit haben dazu geführt, dass mein Lesemonat Oktober doch etwas kläglich ausgefallen ist, zumindest für meine Verhältnisse :)
Im vergangenen Monat kam ich auf insgesamt sechs Bücher mit 2964 Seiten. Aber das Schöne bei einer relativ geringen Anzahl von Büchern,ist, dass kein Flop drunter war und jedes einzelne auf seine ganz individuelle Art und Weise besonders war. Dann können wir ja anfangen.

Ich habe mich ja schon fast geschämt angesichts der Tatsache, dass ein Colleen Hoover Buch so lange auf meinem Stapel ungelesener Bücher lag. Aber im Oktober habe ich es endlich in Angriff genommen und was soll ich sagen? Colleen hat mal wieder alles gegeben. Ich mag ihren Erzählstil und ihre Geschichten einfach unheimlich gerne und das, obwohl ich Liebesromanen immer sehr skeptisch gegenüber stehe aber von dieser Frau würde ich einfach alles lesen. in "Ugly love" verschieben sich allerdings ein bisschen die Genregrenzen. Während ihre anderen Bücher eher in Richtung Drama mit Liebe gehen, ist dieses Buch mehr Drama, Liebe und Sex. Aber überhaupt nicht negativ gemeint, denn auch das beherrscht Colleen Hoover beinahe perfektionistisch. Ich hoffe, dass sie uns mit noch sehr, sehr vielen Geschichten beglücken wird, denn ihre Bücher sind immer grandios."Ugly love" ist bereits auf Deutsch erschienen, unter dem Titel "Zurück ins Leben geliebt", im dtv-Verlag.

Dann ging es weiter mit einem Buch, das ebenfalls schon viel zu lange ungelesen bei mir herumlag. Durch "London" von Christoph Marzi, das erst vor kurzem erschienen und der fünfte Teil der 'Uralte-Metropole' Reihe ist, wurde ich dann wieder aufmerksam und fand heraus, dass der erste Teil schon lange in meinem Besitz war und so entschloss ich mich spontan das 863 Seiten starke Abenteuer zu wagen. Und wurde nicht enttäuscht. 'Lycidas' ist ein zwar durchaus komplexes aber fantastisches und magisches Buch geworden. Ein unglaublich toller Auftakt der Reihe, ich hab mich auf den ersten Seiten bereits so schnell verliebt, dass ihr mir die restlichen Teile auch sofort besorgen musste. Christoph Marzi entführt uns nach London oder besser ausgedrückt: er führt uns zu einem Ort unterhalb Londons. Eine magische Welt, die sich in der Londoner Untergrundbahn gebildet hat und allerlei Kreaturen und Monster verbirgt. Es geht um Emily, einem Waisenkind, das von einer sprechenden Ratte eine wichtige Mission erhält. Alles andere müsst ihr aber selbst herausfinden und es lohnt sich definitiv.

Weiter ging es im Oktober mit dem zweiten Buch des Autorenduos Ursula Poznanski und Arno Strobel "Anonym". Schon der erste Thriller von den beiden "Fremd" konnte mich mehr als überzeugen und so war ich gespannt, was "Anonym" für mich bereit hielt. Auf jeden Fall erwähnenswert ist der besondere Schreibstil in den Romanen. In "Fremd", in der es jeweils einen weiblichen und männlichen Protagonisten gab, sind die Kapitel immer im Wechsel von den jeweiligen Charakteren erzählt worden und genauso ist es auch in "Anonym", nur dass es in diesem Fall um ein Ermittlerduo geht. Ein Ermittlerduo, die es mit einem besonders grausamen Serientäter zu tun bekommen, der ein Forum im Internet eröffnet und dort regelmäßig über sein nächstes Opfer abstimmen lässt. Zum großen Entsetzen der Ermittler findet diese Abstimmung auch regelmäßig großen Anklag, weil die meisten Menschen sich im Netz eben sicher und anonym fühlen. Ein spannender Thriller, der die menschlichen Abgründe aufzeigt.

Kommen wir vom Thriller zur Liebe. Und zu einem ganz besonderen Buch. Die Liebesgeschichte in "Irgendwann für immer" von Katja Millay ist auf jeder Seite außergewöhnlich und einzigartig. Die Seiten flogen nur so dahin und ich habe mich immer sehr darauf gefreut, wenn ich das Buch in die Hand nahm und weiter lesen durfte. Dabei passierte in der Handlung eigentlich gar nicht so viel aber zwischen den Zeilen fackelte es ein ganzes Feuerwerk ab. Unglaublich berührend und schön erzählt, aber auch dieser Kloß im Hals, wenn man etwas liest, dass man so nicht erwartet hätte, war dabei. Am Schluss zählte aber nur das Gefühl, dass man das Glück hatte eine wirklich besondere und schöne Geschichte lesen zu dürfen.

Im vergangenen Monat gab es dann auch eine kleine persönliche Premiere für mich: Ich habe mein erstes Buch von Gesa Schwartz gelesen. "Herz aus Nacht und Scherben" ist natürlich auf den ersten Blick ein absoluter Cover-Blickfang. Als ich dann auch noch im Klappentext gelesen habe, dass die Geschichte in Venedig spielen soll, musste ich das Buch unbedingt lesen. "Herz aus Nacht und Scherben" ist ein anspruchsvolles und tolles Fantasy-Spektakel geworden. Eine tolle Idee, die uns in das geheimnisvolle Reich der Scherben führt, eine Art zweite Welt, die parallel neben dem Venedig existiert, das wir kennen. Besonders gefallen, als Buchliebhaberin, haben mir die vielen kleinen Verweise und Zitate auf die Macht der Wörter, eine Macht, auf der fast die gesamte Handlung aufgebaut ist. Es wird sicherlich nicht mein letztes Buch von Gesa Schwartz gewesen sein. Wer nun neugierig geworden ist, ich habe zu "Herz aus Nacht und Scherben" noch eine Rezension geschrieben.

Kommen wir als Letztes zu meinem absoluten Monatshighlight. Wieder mal habe ich gefühlte zehn Jahre auf das neue Buch meines Lieblingsautoren Sebastian Fitzek gewartet. Eigentlich war es nur ein Jahr aber die gefühlte Wartezeit ist natürlich immer viel länger. Und was soll ich sagen? Seit zehn Jahren wundere ich mich immer wieder, wie dieser Mann es schafft immer wieder einen drauf zu legen. "Das Paket" ist für mich mein neues Fitzek-Lieblingsbuch geworden. Ein grandioser Psychothriller im absoluten Fitzek-Schreibstil, der den Leser nicht einen Moment zu Atem kommen lässt. Ich habe es übrigens auch aufgegeben mir seine Bücher einteilen zu wollen. Das geht überhaupt nicht. Man denkt sich den fast schon obligatorischen Satz "Nur noch ein Kapitel" und wundert sich, wie dieses Kapitel plötzlich 100 Seiten haben kann. Ich habe "Das Paket" an einem Tag ausgelesen und keine Minute bereut, auch wenn ich jetzt wieder ein Jahr warten muss (zehn Jahre, es sind auf jeden Fall zehn Jahre...)
So, das war er auch schon wieder: Mein kleiner Lesemonat Oktober.
War was für euch dabei? Gibt es wohl möglich noch andere Fitzek Fans? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.
Schönen Sonntag,
Lisa.
Verlag: cbt
Seiten: 541
Erschienen: 03. Oktober 2016
Preis: 17.99 Euro (Ebook: 13.99 Euro)
Viel zu lange Zeit ist vergangen seit die 17-jährige Milou ihre Großmutter zuletzt in Venedig besucht hat. Es wird höchste Zeit das nachzuholen. Bei ihrer Großmutter hat sich Milou nämlich immer wohl gefühlt aber auch die Gassen der Lagunenstadt Venedig haben sie magisch angezogen.
Nach ihrer Rückkehr, bemerkt Milou relativ schnell, dass sich seltsame Dinge in Venedig abspielen. Ein unheimlicher weißer Nebel taucht plötzlich auf und scheint die Kinder der Stadt zu verschlingen, denn immer, wenn er erscheint, verschwinden die Kinder spurlos in ihm.
Milou will dem mysteriösen Geheimnis um den Nebel nachgehen und trifft im winterlichen Venedig auf Nìv, einem ganz und gar nicht normalen jungen Mann, der sich als ein sogenannter Rabenwandler herausstellt.
Nur mit seiner Hilfe kann Milou das Rätsel um die verschwundenen Kinder der Stadt lösen, nur mit seiner Hilfe kann sie sich dem Reich der Scherben stellen, einer geheimnisvollen, verborgenen Welt, die parallel neben Venedig existiert. Aber können die beiden das schaffen? Denn das Reich der Scherben birgt nicht nur viele Gefahren, sondern Finsternisse, die Milou immer mehr zu verführen scheinen...
Mit "Herz aus Nacht und Scherben" habe ich mein erstes Gesa Schwartz-Buch gelesen und wurde entführt in eine dunkle Welt voller Magie, zerbrochenen Träumen und unerfüllbaren Sehnsüchten.
Milou ist eine Heldin, die eigentlich keine sein will, weil sie doch viel lieber bei den Abenteuern der vielen Figuren in ihren Büchern dabei sein will, die sie so liebt. Es brauchte zwar etwas Zeit, bis sie einsah, dass sie nun selbst alle Fäden in der Hand hält und von der stummen Beobachterin in ihren Büchern nun zur einzigen Hoffnung dieser geheimnisvollen magischen Welt wurde, in der sie plötzlich, und ohne jede Vorwarnung, hineingestolpert ist. Und genau diesen Zwiespalt hat die Autorin wahnsinnig gut beschrieben. Selbst ich habe fast die Überforderung und die ungeheure Verantwortung, mit der Milou konfrontiert wurde, gespürt. Auch gefallen hat mir, dass sie nicht eine typische 08/15 Heldin gewesen ist, sondern, gerade durch ihre Bücher, eine Träumerin und das ihre größte Waffe ist.
Und dann ist da noch Nìv, der fast über das gesamte Buch sich selbst völlig verschlossen hielt. Ich konnte nie vorausahnen, was er als Nächstes sagen oder tun würde. Nur sein unbändiger Wille Milou zu beschützen, schimmerte durch jede Seite hindurch.
Die restlichen Figuren in "Herz aus Nacht und Scherben", die sogenannten 'Nebenfiguren' sind dieser Bezeichnung absolut nicht würdig, denn sie bringen genau das richtige Maß an Humor, Wärme, Freundschaft, Feindschaft, Drama und Liebe in die Handlung, die es ebenfalls in sich hat.
Gesa Schwartz hat ein düsteres, geheimnisvolles und magisches zweites Venedig erschaffen, das ebenso eine tragische Hauptgeschichte, wie viele kleine Nebenhandlungen beinhaltet, die aber erklären, warum das Reich der Scherben zu dem wurde, was es heute ist.
Nív und Milou wagen die gefährliche und abenteuerliche Reise, um das Reich zu befreien und zu alter Magie zurückzufinden. Ihnen folgen Riesen, Krieger, magische Tiere, einfach alles, was eine richtig gelungene Fantasy-Geschichte ausmacht. Denn das ist "Herz aus Nacht und Scherben" zweifelsohne geworden. Ein tolles Fantasy-Spektakel, das ich aber auch als sehr anspruchsvoll empfunden habe. Milous und Nìvs Geschichte ist nämlich kein Buch, das man mal eben so nebenbei lesen kann. Die vielschichtige Handlung und auch die Personen regen zum Nachdenken über das eben Gelesene an.
Wenn man sich allerdings drauf einlässt, wird man mehr als belohnt. Als absolute Buchliebhaberin haben mir auch die vielen Zitate um die besondere Magie der Bücher und des Lesens gefallen, gerade auch deswegen, weil sich dieses Thema durch das gesamte Buch zieht.
Mein erstes und wirklich gelungenes Buch also von Gesa Schwartz und es werden sicherlich noch weitere folgen.