Montag, 4. Dezember 2017

Lesemonat Oktober

Die Zeit rast.
Und ich bin schon wieder spät dran mit den Lesemonaten. Aber das ist auch nicht das Schlimmste. Bücher lese ich sowieso regelmäßig jeden Monat :)
Deswegen herzlich Willkommen, setzt euch, macht es euch gemütlich, hier ein leckeres Heißgetränk! Hier kommt mein Lesemonat Oktober. 
Im Oktober habe ich nicht nur sehr viele Bücher auf der Frankfurter Buchmesse bewundert, sondern auch einiges gelesen. Acht Bücher sind es am Ende geworden mit einem absoluten Highlight, wie immer am Schluss. 
Das sind die Fakten, dann kann es ja losgehen. 
Los geht der Lesemonat mit einem King. "Dead Zone - Das Attentat" gehört definitiv zu den älteren Werken des Meisters des Horrors. Trotzdem beinhaltet die Geschichte fast schon erschreckende Aktualität, da es um einen Mann geht, der nach einem fünfjährigen Koma bei der Berührung eines Menschen einen Blick in die Zukunft desjenigen werfen kann und sieht, wie ein Präsidentschaftskandidat als zukünftiger Präsident der Vereinigten Staaten einen Atomkrieg auslöst. Wie gewohnt kommt auch hier das Moralische nicht zu kurz. Die Hauptfigur muss sich die Frage stellen, was sie mit diesem Wissen anstellen soll und beschäftigt sich mit einem möglichen Attentat, um vielleicht irgendwann mit dieser Tat die Welt zu retten. "Dead Zone" ist eine unheimliche spannende und gelungene Mischung aus Science-Fiction, Thriller und auch einen Hauch Dystopie geworden. Sehr lesenswert!
Weiter geht es mit "Die Schönen und Verdammten" von F. Scott Fitzgerald. Seit ich "Der große Gatsby" von Fitzgerald gelesen hatte, habe ich eine kleine Schwäche für diesen wunderbaren Autoren entwickelt. Fitzgeralds Schreibstil hat wirklich eine ganz besondere Einzigartigkeit, die man wohl überall wiedererkennen würde. Auch "Die Schönen und Verdammten" habe ich sehr gerne gelesen. Es geht um das Ehepaar Gloria und Anthony. Das Leben des exzentrischen, verschwenderischen und jungen Pärchens ist eine einzige und ewige Party. Fitzgerald beschreibt den langsamen aber stetigen Niedergang seiner beiden Hauptfiguren, die irgendwann völlig neben der Realität leben. Wieder einmal war ich beeindruckt, wie aktuell Fitzgeralds Charaktere auch heutzutage immer noch sind und wie man Zeuge wurde, wie sich Gloria und Anthony immer mehr selbst zerstörten. Unbedingte Leseempfehlung von mir!
Das nächste Buch aus dem Lesemonat Oktober kommt von einem Pseudonym der deutschen Historikerin Dr. Karina Urbach, Hannah Coler. "Cambridge 5 - Zeit der Verräter" ist eine Mischung aus Realität und Fiktion mit einer unglaublich spannenden nicht fiktiven Hintergrundgeschichte, von der ich vorher noch nie etwas gehört habe. In den dreißiger Jahren wurden in der berühmten Universität Cambridge immer wieder Studenten vom russischen Geheimdienst rekrutiert, um sie gegen das eigene Land spionieren zu lassen. In der Gegenwart und in Colers fiktiver Geschichte geht es um die Studentin Wera, die nach Cambridge kommt, um über die berühmteste Spionagegruppe, die Cambridge 5, eine Arbeit zu schreiben. "Cambridge 5" ist unglaublich informativ und sehr spannend geschrieben. Jeder, der sich für Spionagegeschichten interessiert, ist mit diesem Buch gut bedient. Wer noch unsicher ist, kann sich gerne meine Rezension ansehen. 
Weiter geht es mit dem neuen Buch von einem meiner absoluten Lieblingsautoren, Sebastian Fitzek. Nachdem uns Fitzek mit "Passagier 23" schon die Kreuzfahrtschiffe madig gemacht hat, ging es also nun mit den Flugzeugen weiter. Und ich gehe so weit zu behaupten, dass jeder, der dieses Buch gelesen hat und demnächst ein Flugzeug besteigt, zumindest mit einem sehr mulmigen Gefühl an Bord geht. In "Flugangst 7a" geht es um einen Psychiater mit schrecklicher Flugangst, der eine Passagiermaschine nach Berlin besteigt und in der Luft von einem Unbekannten angerufen wird, der ihm befiehlt bei einer ehemaligen psychisch extrem labilen Patientin, die sich ebenfalls auf dem Flug befindet, die Therapie rückgängig zu machen und sie dazu zu bringen das Flugzeug abstürzen zu lassen. Wenn er sich weigert, würde der Unbekannte am Telefon seine Tochter, die eigentlich der Grund für seinen Besuch war, töten. "Flugangst 7a" ist erschreckend realistisch, brisant und hochaktuell. Ein Buch, das man nicht eine Minute zu Seite legen kann. Aber das ist ja nichts Neues beim Fitzek...
Es passiert nicht oft, dass ich am Ende von Büchern weine und so atemlos durch die Seiten fliege, weil ich unbedingt wissen muss, wie es ausgeht. Dass ich wissen musste, dass es gut ausgeht. Genau dieses Gefühl hatte ich beim ersten Teil von Sabine Schoders Zweiteiler "Liebe ist was für Idioten wie mich". Dementsprechend neugierig war ich natürlich, wie es im zweiten Teil "So was passiert nur Idioten wie uns" mit Jay und Viki weiter geht.Die sind mittlerweile im Alltag angekommen und sind auch nicht gegen die typischen Probleme gefeilt, die sich in so einem Alltag einschleichen können. Mehr als einmal will man einen von den beiden packen und schütteln, weil man nicht fassen, wie man so viele Dinge falsch verstehen kann und dass sie doch eigentlich das typische Beispiel für zwei Menschen sind, die absolut und vollkommen zueinander passen. "So was passiert nur Idioten wie uns" kommt zwar nicht an seinen Vorgänger heran, ist aber trotzdem eine sehr gelungene Fortsetzung geworden, die ich sehr gerne gelesen habe. 
Das nächste Buch kommt von den wundervollen Königskindern. "Ein Glück für immer" von Ruta Sepetys lag schon viel zu lange auf meinem Stapel ungelesener Bücher und musste nun unbedingt davon befreit werden. Zu Recht. Die Geschichte spielt im New Orleans der fünfziger Jahre. Es geht um Josie, die als Tochter einer Prostituierten, die sich nicht wirklich für ihre Tochter interessiert, bislang kein leichtes Leben hatte. Sie arbeitet in einer Buchhandlung, die gleichzeitig ihr Zuhause ist, da sie ein kleines Zimmer über dem Laden bewohnt. Nebenbei putzt sie noch bei der ehemaligen Chefin ihrer Mutter. Josies großer Traum ist es auf ein College zu gehen, das sich möglichst weit von New Orleans befindet. Als ein Mann in ihrer unmittelbaren Umgebung ermordet wird, muss Josie Entscheidungen treffen, die ihr ganzes Leben betreffen. "Ein Glück für immer" besitzt zweifellos diesen einzigartigen Zauber, den alle Königskinder Bücher besitzen. Ich habe es sehr gerne gelesen und wer nun interessiert ist, kann  gerne meine Rezension lesen. 
Weiter geht es im Lesemonat Oktober mit einem Buch, das schon sehr lange auf meiner Wunschliste stand. "Ein fast perfektes Wunder" von Andrea De Carlo klang wie eine zuckersüße und trotzdem eigene Liebesgeschichte und genau diese Versprechen hielt sie schlussendlich auch. Es geht um den ein wenig in die Jahre gekommenen Rockstar Nick und die Eisdielenbesitzerin Milena, die mit ihrer gemeinsamen Begegnung nicht nur ihre Leidenschaft füreinander entdecken, sondern auch die verloren gegangene Leidenschaft für das, was sie tun, wieder neu entfachen. "Ein fast perfektes Wunder" ist eine besondere Liebesgeschichte, die sehr viel Spaß macht und zwei Menschen zeigt, die für das, was sie tun, brennen. Erfrischend anders und für jeden, der in diesem Genre zu Hause ist genau das Richtige, aber auch für diejenigen, die bloß manchmal zu Besuch kommen. Wer es noch etwas genauer haben möchte, auch zu diesem Buch habe ich eine Rezension geschrieben.
Zum Schluss kommen wir nun - wie gewohnt - zu meinem absoluten Monatshighlight, obwohl dieses Buch eigentlich schon das zweite Mal das Highlight wurde. Ich habe vor ein paar Monaten die englische Version von "Das Lied der Krähen" von Leigh Bardugo gelesen, da es aber wohl zu den schwersten englischen Büchern gehörte, die ich jemals gelesen habe, habe ich entschlossen auch noch einmal zu der deutschen Übersetzung zu greifen. Ein weiterer Grund für diesen Entschluss ist natürlich auch die nicht zu bestreitende Tatsache, dass die Geschichte um den Meisterdieb Kaz einfach großartig geschrieben wurde. Kaz nimmt einen Auftrag an, den er nur mit einer ganz besonderen Truppe verwirklichen kann. Und die findet er glücklicherweise auch. "Das Lied der Krähen" erinnert ein bisschen an die Oceans Filme und ist trotzdem doch wieder etwas ganz anderes. Etwas, dass für jeden Fantasy Fan schon fast ein must-read ist. Auch hier gibt es eine Rezension von mir zu lesen.

So, das war er auch schon wieder. Mein Lesemonat Oktober. Kennt ihr schon eines der Bücher oder habt es sogar schon gelesen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen. 

Ich wünsche euch einen schönen Abend.
Lisa. 

Mittwoch, 29. November 2017

Marie Graßhoff - Die Schöpfer der Wolken






Verlag: Drachenmond 
Seiten: 525
Erschienen: 12. Oktober 2017
Preis: 16.90 Euro (Ebook: 4.99 Euro)






Nach dem überraschenden Tod ihres Bruders Koba, ist Ciara am Boden zerstört. In letzter Zeit nahm der Kontakt zwar immer mehr ab, trotzdem pflegten die beiden Geschwister immer ein besonderes Verhältnis zueinander. 
Doch als Kobas Erbe offen gelegt wird, erlebt Ciara eine Überraschung. Sie erhält einen besonderen Auftrag von ihrem verstorbenen Bruder, der darin besteht sein letztes Manuskript nah Shanghai zu bringen, um es dort einen Verleger zu übergeben. 
Als Ciara in Shanghai eintrifft, erkennt sie allerdings schnell, dass hinter dem letzten Willen ihres Bruders ein viel größerer Plan steckt. Ein Plan, der mit Ciaras besonderer Fähigkeit zu tun hat, von der nur Koba wusste. Sie kann in die Träume anderer Menschen sehen. In Shanghai entdeckt Ciara, dass sie nicht die Einzige mit einer besonderen Fähigkeit ist und begegnet Menschen, die so sind, wie sie.
Als der gesamte Planet dann plötzlich von heftigen und mysteriösen Erdbeben erschüttert wird und die Uhren verrückt spielen, wird Ciara klar, dass sich in dieser Stadt nicht nur ihr Schicksal, sondern das der ganzen Welt entscheiden wird...

Als ich vor knapp einem Jahr "Kernstaub" von Marie Graßhoff gelesen habe, war ich erstaunt darüber, wie so eine gewaltige und komplexe Welt einfach so aus der Feder einer Autorin fließen kann. Dementsprechend neugierig war ich dann, was mich in ihrem neuen Buch "Die Schöpfer der Wolken" erwarten würde. 
Die Geschichte spielt im Shanghai einer unmittelbaren Zukunft und wieder war ich beeindruckt mit was für einer Präzision und Detailliertheit die Autorin das Bild von dieser gewaltigen Stadt für ihre Leser heraufbeschworen konnte. Obwohl wir in der Geschichte mehr als einmal purer Science-Fiction begegnen, hatte ich einzelne Situationen immer so deutlich vor dem inneren Auge, als würde ich beim Geschehen direkt daneben stehen. 
Das ist auch wichtig, denn, ähnlich wie bei "Kernstaub", muss man auch bei diesem Buch unbedingt aufmerksam den Handlungsstrang verfolgen, um diesen in seiner vollen Tragweite überhaupt erfassen zu können. "Die Schöpfer der Wolken" ist gewiss keine Geschichte, die zum lockeren Lesestoff für zwischendurch gehört. 
In verschiedenen Perspektivwinkeln und Erzählerrollen wird hier ein komplexes aber unglaublich spannendes Handlungsgerüst aufgebaut, in dem auch der ein oder andere Zeit- oder sogar Weltenwechsel statt finden kann. Nach und nach fließen die einzelnen Erzählstränge ineinander, so dass sich schließlich ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Eine Lektüre für nebenher ist "Die Schöpfer der Wolken" nicht, trotzdem wird sich das aufmerksame Lesen in jeder Hinsicht auszahlen, da Marie Graßhoffs neues Werk eine unglaublich spannende, fantastische und actionreiche Geschichte geworden ist. 
Auch die Charaktere tragen einiges zum gelungenen Lesevergnügen bei. Sie sind unglaublich vielschichtig, obwohl sie sich immer ein Stück Geheimnisvolles bewahren. Das führte dazu, dass ich nie genau wusste, wie die nächsten Handlungen der Figuren aussehen, wer die Wahrheit sagt und wer möglicherweise sogar ein falsches Spiel spielt. Das brachte dann noch einmal zusätzliche Spannung in die Handlung.
"Die Schöpfer der Wolken" ist eine sehr gelungene Mischung aus Science-Fiction, Fantasyelementen und Dystopie geworden. Den einzigen Kritikpunkt, den ich anbringen würde, betrifft das Ende der Geschichte, das für mich zu plötzlich kam und gerne noch detaillierter hätte erzählt werden können. Möglicherweise lag es aber auch einfach daran, dass ich noch nicht Abschied nehmen wollte von diesem Shanghai, das gleichzeitig so faszinierend und furchterregend gewirkt hat. 
Ich muss zudem anmerken, dass ich die Figur des Koba gerne näher kennen gelernt hätte, weil es scheint, als wäre er ein unheimlich interessanter Mensch gewesen. Aber vielleicht ist seine Geschichte noch nicht erzählt worden, in einer Kurzgeschichte oder neuem Teil des "Die Schöpfer der Wolken" Universums? 
Nur ein Vorschlag... 

Donnerstag, 23. November 2017

Krystal Sutherland - Unsere verlorenen Herzen





Verlag: cbt
Seiten: 384
Erschienen: 25. September 2017
Preis: 14.99 Euro (Ebook: 9.99 Euro)





Henry war noch nie richtig verliebt. 
Während seine gleichaltrigen Schulkameraden sich von einem ins nächste Liebesdrama stürzen, hatte er dieses allumfassende und verschlingende Gefühl der großen Liebe noch nie verspürt, bis zu dem Tag, an dem Grace in sein Leben stolperte. Von nun an ist nichts mehr so, wie es einmal war, obwohl man Grace nicht wirklich ansieht, dass sie Teil eine der größten Liebesgeschichten überhaupt geworden ist. Mit ihren viel zu großen Klamotten sieht sie die meiste Zeit aus wie ein Junge. Zudem scheint Grace ein dunkles Geheimnis mit sich zu tragen, das so schwer auf ihr lastet, dass sie scheinbar permanent von einer traurigen Wolke umgeben zu sein scheint. 
Doch Henry lässt sich davon nicht beirren und setzt alles daran hinter Grace' mühsam aufgebauten Fassaden zu blicken, denn die große Liebe ist das doch wert, oder?

Als ich die letzten Zeilen von "Unsere verlorenen Herzen" von Krystal Sutherland gelesen habe, war ich zugegebenermaßen sehr überrascht. Durch das Cover und auch durch die Beschreibung des Inhalts der Geschichte, entsteht zunächst der Eindruck es mit einer typisch klischeehaften Liebesgeschichte zu tun zu haben, bei der man wahrscheinlich mehr als einmal die Augen verdreht, weil der Kitsch überhand nimmt. Am Ende quittiert man das Ganze dann mit einem nachsichtigen Lächeln und ordnet das Buch bei "Leichtes für zwischendurch" ein. Tatsächlich aber ist der Debütroman von Sutherland etwas ganz anderes geworden. Etwas, dass das Herz schwer macht, es vor Freude hüpfen lässt und etwas, dass noch ziemlich lange nachklingt.
Die Autorin schafft es mit einer treffischeren und fast schon liebevollen Präzision sich in ein jugendliches Herz zu denken und dabei auch die verschiedenen Typen von Teenagern herauszustellen. Da ist einmal der gutmütige und fast schon liebeskranke beste Freund von Henry, Murray, der ,sein Herz einmal verschenkt, alles daran setzt seine Angebetete für sich zu gewinnen, ob sie nun will oder nicht. Dann gibt es noch die clevere Lola, Henrys beste Freundin, die zu allem einen guten Rat weiß und alles dafür tut, ihre Freunde zu beschützen und natürlich Henry, der etwas schüchterne aber durchaus witzige normale Typ, der plötzlich das einzigartige und unverwechselbare Gefühl der Verliebtheit verspürt, dabei aber auch lernt, dass dieses Gefühl nicht nur Schmetterlinge im Bauch erzeugt, sondern auch verdammt weh tun kann. Die Figur der Grace war dann noch einmal etwas ganz anderes, da ihr dunkles Geheimnis ihr alle Möglichkeiten genommen hat wie ein normaler Teenager zu leben. Trotzdem gelingt es Sutherland auch hier Grace zerbrochene innere Gefühlswelt perfekt einzufangen und rüber zu bringen. 
Und das alles schafft die Autorin ohne auch nur an einer Stelle klischeehaft oder kitschig zu werden. Nichts an "Unsere verlorenen Herzen" wirkt überladen oder krampfhaft konstruiert. Es ist eine zarte und fast schon zerbrechliche Geschichte über das Erwachsenwerden geworden, der es weder an ernsthafte Themen, wie Trauer und Verlust, als auch an der genau richtigen Prise Humor fehlt. Es ist fast schon unmöglich die Figuren nicht sofort ins Herz zu schließen, weil sie unglaublich sympathisch sind und einfach richtig in der Geschichte wirken. Besonders Henry hat es mir angetan, weil ich die Tatsache eine jugendliche Liebesgeschichte aus der Sicht eines männlichen Protagonisten erzählt zu bekommen als angenehm und auch noch nicht sooft dagewesen empfunden habe. Henry macht es dem Leser ziemlich leicht ihn zu mögen und das nicht nur, weil er großer Harry Potter Fan ist. 
Am Ende von "Unsere verlorenen Herzen" wird deutlich, dass die Autorin mit ihrer Geschichte wirklich alles richtig gemacht hat, denn kein Ende hätte besser zu diesem Buch gepasst als das, das hier erzählt wurde. 
"Unsere verlorenen Herzen" ist ein Roman, den man nicht so schnell vergisst. Er verkleidet sich als typische Teenager Romanze und überrascht dann mit einer unglaublich Intensität und Tiefgründigkeit. 

Freitag, 17. November 2017

Klaus Cäsar Zehrer - Das Genie



Verlag: Diogenes
Seiten: 658
Erschienen: 23. August 2017
Preis: 25 Euro 
(Ebook: 21.99 Euro)





William James Sidis ist mit seinen elf Jahren ein absolutes Wunderkind. 
Als einer der jüngster Harvard Student aller Zeiten, steht er permanent in der Öffentlichkeit und wird von der Presse als Genie gefeiert. 
Sein Vater, Boris Sidis, ein bekannter Psychologe, vom brennenden Ehrgeiz angetrieben, steht mit dem Wunderkind-Status seines Sohnes ebenfalls im Rampenlicht. Boris' einziges Ziel war es immer die Welt mit Bildung zu verbessern und in William sieht er seinen absoluten Erfolg verkörpert, da er ihn von Geburt an mit einer speziellen Erziehungsmethode trainiert hat, wodurch, nach Boris' Ansicht, jedes Kind zum Genie werden kann. 
Doch als William älter wird, wird schnell deutlich, dass er etwas ganz anderes mit seinem Leben geplant hat, als sich seine Eltern für ihn ausgedacht haben. Und, dass er sein Leben genauso leben will, wie er es möchte, egal, was es kostet.

Ich habe jede einzelne Seite von "Das Genie" von Klaus Cäsar Zehrer geliebt. Obwohl das Buch mit seinen knapp siebenhundert Seiten schon recht üppig geraten ist, hätte ich noch tausend weitere Seiten vom unfassbar faszinierenden 'Harvard-Wunderkind' lesen können. 
Ich habe selten etwas vergleichbares Fesselndes gelesen wie die Lebensgeschichte von William James Sidis. Obwohl man korrekterweise anmerken muss, dass die Geschichte von "Das Genie" mit Williams Eltern, Boris  und Sarah, begann, was wohl auch eine Art Zeichen für den Rest der Geschichte setzen sollte. Sein gesamtes Leben kämpfte William gegen seine Eltern. 
Sein Vater, von Ehrgeiz zerfressen, will alles daran setzen die Welt durch Bildung zu verbessern. Mit seiner sogenannten 'Sidis-Methode' startete er bei seinem ersten Kind den Versuch einen perfekten Menschen zu erschaffen. Und damit beginnt auch das sehr lange anhaltende ambivalente Verhältnis des Lesers gegenüber dieser Vaterfigur. 
Zunächst stimmt man Boris' Prinzipien zu, dass Kinder bei frühst möglicher Förderung alles an Potenzial ausschöpfen können, was das Gehirn ihnen bietet. Als Leser ist man beeindruckt, dass man an William beobachten konnte, zu wie viel Leistung der menschliche Geist in der Lage ist. Auf der anderen Seite allerdings fehlt der Figur des Boris jegliches Empathie Gefühl. Boris ist nicht in der Lage zu sehen, wie das Experiment mit seinem Sohn langsam aber sicher scheiterte. Und genau das ist der Punkt, warum man fast atemlos durch die Seiten von "Das Genie" fliegt. Alle drei tragenden Figuren in Zehrers Geschichte,Boris, Sarah und William, begannen als Charaktere, die zweifellos besondere Fähigkeiten hatten, auf ihre Arten und Weisen mochten sie etwas in der Welt bewirken und strebten nach Höherem. Während die Handlung ihren Lauf nimmt, ist der Leser plötzlich Zeuge jeder einzelnen exzentrischen Verwandlung der Figuren, die diese an verschiedenen Zeitpunkten der Geschichte durchlaufen. Die Eigenarten nehmen immer mehr zu und man beginnt auch zu den beiden restlichen Charakteren ein ambivalentes Verhältnis aufzubauen.
Am tragischsten agiert dabei die Figur des William, der auf der ständigen Suche nach seinem Platz im Leben immer in Sackgassen zu enden scheint, aufgrund seiner Genialität und seiner absoluten Unfähigkeit im sozialen Interagieren. Auch wenn Williams Exzentrik am deutlichsten in diesem Roman dargestellt wurde, konnte ich nichts anderes für ihn empfinden außer Sympathie und Mitleid. 
Klaus Cäsar Zehrer hat mit "Das Genie" einen unglaublich großartigen Roman geschrieben. "Das Genie" handelt vom tragischen Scheitern eines bis hierhin mir völlig unbekannten real existierenden Menschen, den ich unglaublich bewundert habe. Trotzdem haftet Zehrers genial konstruierten Roman mit einer Mischung aus Fiktion und Realität, auch ein unbehagliches Gefühl an, mit dem Gedanken, was Sidis alles hätte bewirken können, wenn er sein volles Potenzial ausgeschöpft hätte. 
"Das Genie" gehört zweifellos zu den Geschichten, von denen man möglichst vielen Leuten erzählen will, von diesem unglaublich besonderen Menschen, der die Tragik seines Lebens noch nicht einmal erkennen konnte. Zehrers Werk ist zudem ein prägnantes Beispiel, warum ich dem geschriebenen Wort auf so intensive Art und Weise verfallen bin:
Bücher erzählen dir Geschichten von Menschen, die du ansonsten niemals kennen gelernt hättest. Und das wäre bei William ein sehr großer Verlust.

Mittwoch, 8. November 2017

Armand Baltazar - Timeless - Retter der verlorenen Zeit




Verlag: cbj
Seiten: 624
Erschienen: 23. Oktober 2017
Preis: 19.99 Euro (Ebook: 15.99 Euro)




Jahrzehntelang hatten die Menschen Angst vor dem Weltuntergang. 
In unzähligen Büchern und Filmen wurde dieser in allen möglichen Arten thematisiert. Was dann aber schlussendlich zum Untergang der alten Welt geführt hat, damit hätte keiner rechnen können. 
Man nannte es 'Zeitkollision'. 
Plötzlich lebten Menschen ganz unterschiedlicher Zeiten in einer Welt. Alle brachten etwas aus ihrer alten Welt mit in die neue und so lebt nun die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander. Dass das nicht ohne Probleme abläuft, wird schnell deutlich.
Als der berühmte Vater des dreizehnjährigen Diego entführt wird, setzt der Junge alles daran ihn zu befreien. Mit seinen Freunden Lucy, Petey und Paige macht er sich zu einer Rettungsmission auf. 
Nichts ahnend, dass ihm das größte Abenteuer seines Lebens bevorsteht und dass er Dinge erfahren wird, die er niemals für möglich gehalten hat...

Als ich "Timeless - Retter der verlorenen Zeit" von Armand Baltazar auf der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt entdeckt habe, wusste ich, dass ich das Buch unbedingt haben musste. 
Schon allein durch die ungewöhnliche Aufmachung der Geschichte ist dieses Schmuckstück ein absoluter Blickfang. Normalerweise beginne ich nicht mit der äußerlichen Gestaltung eines Buches, aber hierbei haben wir es mit einem Sonderfall zu tun. "Timeless" ist eine Mischung aus Graphic-Novel und Abenteuergeschichte. In über hundert aufwendigen und liebevollen Illustrationen unterstützt der Autor selbst seinen Handlungsstrang und nicht nur an den Bildern erkennt man mit was für einer Sorgfalt hier gearbeitet wurde. 
"Timeless" ist handlungstechnisch endlich einmal etwas absolut Neues. Die Idee mit der Zeitkollision trägt die gesamte Geschichte. Dazu hat Armand Baltazar die Handlung an sich so spannend und actiongeladen gestaltet, dass der Leser fast nicht mehr zum Luft holen kommt. 
Ich würde mich nicht als typische Graphic-Novel Leserin bezeichnen, doch trotzdem war ich beeindruckt, inwieweit die Illustrationen das Gelesene unterstützt haben. Es war nicht so, dass die Bilder die eigene Vorstellungskraft gehemmt haben. Sie haben es viel mehr geschafft diese sogar noch zu intensivieren, so dass der Leser fast das Gefühl hat selbst bei diesem einzigartigen Abenteuer dabei sein zu dürfen. Mit Baltazars Illustrationen wirkt die Welt nach der Zeitkollision noch ein bisschen greifbarer. 
"Timeless" erschafft eine Welt, die so besonders und speziell ist, dass man sie am liebsten bis in den letzten Winkel erkunden möchte. Ein Buch reicht für diese Expedition ganz gewiss nicht aus und glücklicherweise ist "Retter der verlorenen Zeit" auch erst der Auftakt einer Reihe, die uns gewiss noch eine Menge Freude bereiten wird. 
"Timeless" ist Abenteuer-, Fantasy- und Science-Fiction Geschichte in einem. Aber vor allem ist es eine Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt. Selbst, wenn alles zusammenzubrechen droht, wenn du gute Freunde an deiner Seite hast, kannst du jedes Abenteuer bestehen, egal wie groß es ist. 
Unbedingt lesen! 

Dienstag, 31. Oktober 2017

Leigh Bardugo - Das Lied der Krähen





Verlag: Droemer Knaur
Seiten: 592
Erschienen: 02. Oktober 2017
Preis: 16.99 Euro (Ebook: 14.99 Euro)







Sechs unberechenbare Außenseiter, eine unmögliche Mission.

Kaz Brekker hat eine große Begabung, er scheint sich aus jeder vertrackten Situation oder Falle irgendwie immer wieder befreien zu können. Dieses Talent ist ungemein wertvoll, als seine Truppe, bestehend aus der besten Spionin Ketterdams, Inej, nur 'Das Phantom' genannt, ein rachsüchtiger Ex-Sträfling namens Matthias, eine besondere Magierin mit dem Namen Nina, der beste Scharfschütze, den man weit und breit auftreiben kann, Jesper, und einem Ausgestiegenen aus gutem Hause, Wylan, und er, einen fast schon unmöglichen Auftrag annehmen. 
Sie sollen einen Wissenschaftler aus dem am besten gesicherten Gefängnis der Welt befreien. Als Belohnung winkt ein unvollstellbarer Reichtum. Ganz unterschiedliche Motive und Absichten bringen die sechs Außenseiter dazu sich auf diese Selbstmordmission zu begeben. Jeder der sechs Krähen scheint etwas zu verbergen zu haben und auch auf ihrer Mission scheint einiges nicht so zu sein, wie es am Anfang gewirkt hat...

Nachdem ich die Geschichte um Meisterdieb Kaz Brekker vor ein paar Monaten bereits auf Englisch gelesen hatte, musste ich mir noch einmal unbedingt die deutsche Übersetzung von Leigh Bardugos Meisterstück "Das Lied der Krähen" vornehmen, die übrigens äußerst gelungen ist.
Natürlich geht es an dieser Stelle aber hauptsächlich um die Geschichte, die schon längst zu eines meiner absoluten Lesehighlights des Jahres geworden ist. 
Der Geschichte haftet eine unfassbare und fast schon greifbare Sogwirkung an. Ich hatte noch nie so wenig Probleme gehabt mich in einem neuen Weltenentwurf zurecht zu finden, der zu Teilen auf dem der Grischa-Trilogie von Bardugo basiert, die ich allerdings nicht gelesen habe. Es war, als bewegte ich mich selbst im bunten Treiben von Ketterdam, immer um mich herum die Truppe von sechs Außenseitern, die so unfassbar intensiv gezeichnete Charaktere darstellen, wie man sie schon lange nicht mehr gelesen hat. Dabei ist jeder einzelne von Kaz Truppe so undurchsichtig, als würde er sich mit einem permanenten mysteriösen Schleier umgeben. Aber genau dieser Punkt ist einfach ungeheuer spannend. Man möchte am liebsten alles über die Charaktere erfahren, bekommt aber meistens immer nur stückchenweise Infos zugeworfen, die sich in manchen Fällen noch nicht einmal als vertrauenswürdig erweisen. Mit dieser ständig anwesenden Undurchsichtigkeit besteht zudem ein permanentes Misstrauen nicht nur vom Leser gegenüber fast allen Figuren, sondern auch untereinander. Bloß bei wenigen Ausnahmen scheinen sich die Protagonisten untereinander wirklich zu vertrauen. Das führt allerdings auch zu einigen spektakulären Wendungen in der Handlung, die mich nicht nur einmal nach Luft schnappen ließen. 
Die Charaktere sind so präsent und stark, dass sie es schaffen eine Unvorhersehbarkeit in die Handlung zu bringen, so dass man, als Leser, nie wusste, was als Nächstes passierte. Vor allem Kaz Brekker führt dieses Unvorhersehbare fast zur Perfektion aus. Er ist der Typ Meisterdieb, den man meistens mit bangem Blick ansieht, wenn der gesamte Plan schief zu gehen scheint, und er der Einzige ist, der immer noch eine verblüffende Lösung aus dem Hut zu zaubern bereit ist. Gleichzeitig hofft man, dass man niemals den Tag erlebt, an dem auch ein Kaz Brekker nicht mehr weiter weiß. 
Ich habe mich verliebt in alles. Auf den ersten Seiten. In die Figuren, in das Setting, in diesen unglaublich hirnrissigen Plan, der nur von besonders verrückten und besonders talentierten Leuten umgesetzt werden kann, über Wendungen in der Handlung, die zu akutem Herzrasen führen. In alles und jeden. 
"Das Lied der Krähen" vereint in sich all die guten Dinge, die Fantasy-Fans lieben. Und trotzdem bleibt es realistisch, dass auch nicht Fantasy-Fans nach diesem Buch Fantasy-Fans sind, oder einfach "Das Lied der Krähen" Fans.
Dieses Buch hat mehrere Paraden und Feiertage verdient und ich freue mich schon unglaublich auf die Fortsetzung. 

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Lesemonat September

Liebe Freunde,
herzlich Willkommen zu meinem Lesemonat September. Immerhin noch halbwegs pünktlich. Im letzten Monat habe ich insgesamt sieben Bücher gelesen mit zwei absoluten Jahreshighlights, die natürlich wieder zum Schluss vorgestellt werden. Insgesamt waren es 3106 Seiten. Dann hätten wir die Fakten, also kann es losgehen.
Los ging es mit dem ersten Teil einer Reihe, die schon komplett in meinem Bücherregal gewartet hat. Ich bin doch nicht die Einzige, die das macht, oder? Die 'Lockwood & Co.' Reihe von Jonathan Stroud hatte mir bereits sehr gut gefallen, ich bin definitiv ein Fan von Strouds Schreibstil geworden und auch im ersten Teil der Bartimäus Serie "Das Amulett von Samarakand" wurde ich bestens unterhalten. Es war schon erstaunlich, wie oft man, während der Lektüre, in ein Kichern ausgebrochen ist, weil Bartimäus mal wieder einen besonders albernen Witz gemacht hat. Das ist auf jeden Fall das Besondere an diesem Buch. Es wird nicht aus der Sicht des vermeintlichen jugendlichen Helden erzählt, sondern aus der Perspektive des Dämons, der vom Protagonisten gerufen wird, um ihn bei einer besonders kniffligen Situation beizustehen. Für Leser, die Action und eine gehörige Portion Grusel mögen, das absolut Richtige! Ich freue mich schon auf die restlichen Bände. 
Kommen wir nun zu einem Autoren, der in den letzten Monaten schon fast zu einem guten Freund geworden ist, den man immer mal wieder gerne besucht, um sich von ihm Geschichten erzählen zu lassen. Im Rahmen des John Irving Leseclubs von der zauberhaften Paper and Poetry haben wir alle zusammen "Gottes Werk und Teufels Beitrag" gelesen. Mein zweiter Irving in meiner persönlichen Chronik dieses unfassbar einzigartigen und besonderen Autoren. Zugegeben, das ein oder andere Mal musste ich mich zusammenreißen, um an Homer Wells Geschichte dran zu bleiben, doch das waren wirklich nur Momentaufnahmen. Alles andere war wieder einmal sogartiges Lesen in diesem besonderen Schreibstil Irvings mit den noch einzigartigeren Figuren, die man wohl unter hunderten Geschichten wiedererkennen würde. Wieder einmal ein sehr besonders und wunderschönes Buch. Unbedingt lesen. 
Das nächste Buch aus dem Lesemonat September glich einer besonderen Premiere. Es war meine erste Geschichte von Ernest Hemingway. Wieder so ein großer Name, der sich im Laufe der Novelle allerdings ziemlich schnell zu meinen Lieblingen gesellt hat. Standesgemäß musste ich "Der alte Mann und das Meer" dann auch am Meer lesen. Da bot sich mein September-Urlaub auf der griechischen Insel Kos geradezu an. Und in nur ein paar Stunden habe ich diese kurzweilige aber dennoch gewaltige Geschichte geradezu verschlungen. Der scheinbar aussichtslose Kampf eines einfachen Mannes gegen einen übermächtigen Gegner. Fast schon in leisen Tönen, erzählt hier Hemingway die Geschichte seines tragischen Helden, aber die Eindringlichkeit seiner Worte schimmerte durch jede einzelne Seite hindurch. Es war zwar eine Premiere, aber es wird ganz sicher nicht mein einziges Buch von Mr. Hemingway gewesen sein. 
Kommen wir nun zu einem Wiedersehen nach viel zu langer Zeit und der ganz besonderen Art. Wer sich einmal in den zauberhaften Geschichten von Walter Moers verloren hat, fällt es schwer wieder in die Realität zurückzukehren, es fällt schwer Abschied von Zamonien, dieses einzigartigen und wundervollen Kontinent, zu nehmen, es fällt schwer in seinen Mitmenschen nicht bücherliebende Zauberwesen zu sehen, die sich in den Straßen vor Schaufenstern mit mehr als ungewöhnlichen Auslagen tummeln. Nun war es also soweit. Es ging zurück nach Zamonien, dieses Mal mit der "Prinzessin Insomnia und der albtraumfarbene Nachtmahr". Tatsächlich verlief die Reise zurück nach Zamonien allerdings anders als erwartet. Das neue Abenteuer von Moers hat gewiss wieder einmal diesen besonderen Zauber, auch wenn ich davon überzeugt bin, dass dieses Buch wohl eher den besonders eingefleischten Moers Fans gefallen wird. Wer es noch ein bisschen ausführlicher haben möchte, für den habe ich eine Rezension geschrieben.
Weiter ging es im September mit einem Buch, das schon sehr lange auf meiner Wunschliste auf seinen Veröffentlichungstermin gewartet hat. Seit ich "19 Minuten" von Jodi Picoult gelesen habe, waren Geschichten, in denen Amokläufe an Schulen thematisiert werden, immer mit einer gewissen persönlichen Schwere verbunden, die ich mir nicht ganz erklären konnte. Man ist so tief erschüttert, von dem, was man dort liest, und weiß gleichzeitig, dass es trotzdem wichtig war diese Worte aufzuschreiben und in die Welt hinauszutragen. "54 Minuten" von Marieke Nijkamp ist so intensiv erzählt, dass es Angst macht. Man ist sich im Klarem auf seinem Lesesessel zu sitzen und trotzdem fühlt man sich in diese Aula versetzt, in der junge Menschen um ihr Leben fürchten müssen. Menschen, die eigentlich ihr ganzes Leben noch vor sich haben. "54 Minuten" ist teilweise so entsetzlich still, dass man den Schmerz und das Grauen im eigenen Herzen fühlt. Und doch ist es genau das, was diese Geschichte so wichtig macht. 
Und da hätten wir es auch schon. Mein erstes Jahreshighlight im Lesemonat September. "My life on the road" von Gloria Steinem nahm ich als Tipp von Emma Watsons Lesegruppe 'Our Shared Shelf" bei Goodreads mit. Ich erwartete eine Art Biografie einer besonderen Frau und war schließlich überrascht und fast schon überwältigt, dass ich die Lebensgeschichte einer außergewöhnlichen, unglaublichen und beeindruckenden Frau zu lesen bekam. Ihr kennt diese kleinen Post-its, die wir immer brauchen, um besondere Stellen in Büchern zu markieren? "My life on the road" ist voll davon. Gloria Steinem Lebensgeschichte gehört meiner Ansicht nach in jedes Bücherregal. Was sie zu sagen hat, ist wichtig und muss gehört werden. Mir bleibt nur die Möglichkeit diese Art von Botschaft immer und immer wieder weiter zu empfehlen, so dass Steinems Worte in die Welt hinausgetragen werden. Unbedingt, und ich wiederhole, unbedingt lesen!
Und da sind wir schon wieder beim Ende, Buch Nummer sieben und meinem zweiten absoluten Lesehighlight angelangt. Auch "Max" von Markus Orths stand schon sehr lange auf meiner Wunschliste, bevor das Buch endlich erschien. Sehr, sehr selten hat man das Glück eine Geschichte lesen zu dürfen, die mit so einer unglaublichen Begeisterung geschrieben wurde, wie "Max". Es ist eine Lebensgeschichte des Protagonisten, erzählt aus der Sicht von den wichtigen Frauen seines Lebens und thematisiert auf ungewöhnliche und beeindruckende Weise das zwanzigste Jahrhundert. "Max" besticht mit einem ungewöhnlichen aber unvergesslichen Schreibstil und zeigt, dass Menschen in der Lage sein können die dunkelsten Stunden des eigenen Lebens zu ertragen, wenn man sich immer wieder an die größten Leidenschaften im Leben erinnert, in Max Fall ist es die Kunst. Markus Orths neues Buch ist unglaublich besonders und lesenswert und da es mein erstes Buch von dem Autoren war, freue ich mich schon auf den Rest seiner Werke. Auch zu "Max" habe ich eine Rezension geschrieben. 

Das war er also. Mein Lesemonat September. Tolle Bücher waren mal wieder dabei. Kennt ihr möglicherweise eines oder mehrere der Bücher? Lasst es mich in den Kommentaren wissen. 

Eure Lisa.