Mittwoch, 7. Februar 2018

Diogenes Liebe

Wir Bücherliebhaber kennen das Gefühl nach einer besonders guten Lektüre möglichst vielen Menschen von dem eben gelesenen Buch berichten zu wollen. Man möchte seinen Mitmenschen klar machen, dass es diese Geschichte ist, die sie gerade brauchen. 
Dass dieses Buch deinen schlechtesten Tag zu einem großartigen macht.
Dass es dich und vielleicht sogar die Welt ein bisschen besser machen kann.

Aber was ist, wenn diese Bücher oft aus einem bestimmten Verlag kommen? Dann wird es Zeit für eine kleine Ode auf den Diogenes Verlag. 
Diogenes Bücher haben immer Charakter und etwas ganz eigenes an sich. Egal, in welcher Buchhandlung du dich gerade befindest, immer fallen diese besonderen Juwele mit dem breiten weißen Rand sofort ins Auge. Aber es ist nicht nur die einzigartige Aufmachung, die die Diogenes Bücher so besonders machen. Jedes meiner eigenen persönlichen Lesejahre beinhaltet mindestens ein Diogenes-Jahreshighlight.
Lieblingsbücher wurden gefunden und das Herz an Charaktere und Autoren verschenkt. Ein paar dieser besonderen Geschichten möchte ich euch an dieser Stelle gerne einmal vorstellen.
Wer weiß, vielleicht findet hier jemand sein neues Lieblingsbuch.

Martin Suter - Small World

Ich bin ein großer Suter Fan und habe fast alle Romane von ihm gelesen, doch am meisten im Herzen geblieben ist mir "Small World". Suters Geschichte um den Protagonisten Konrad, der langsam aber sicher seinen Verstand und sein Gedächtnis an der Alzheimer-Krankheit verliert, ist mit so einer besonderen und einzigartigen Wärme erzählt, dass Konrad nicht nur zu meinen absoluten Lieblingsprotagonisten gehört, sondern "Small World" sich schon längst in meine Herzensbücher eingereiht hat. 
Trotz seines ernsten Themas, ist Suters Roman ein wundervolles und berührendes Meisterstück geworden. Unbedingt lesen!

Benedict Wells  - Vom Ende der Einsamkeit

"Vom Ende der Einsamkeit" gehört zu diesen Büchern, die mich scheinbar wochenlang überallhin verfolgt haben. Das Buch schien dauernd zu rufen: 
"Jetzt kauf mich schon endlich! Du brauchst mich für dein Wohlbefinden!"
Und es hatte Recht.
Ihr kennt dieses Bedürfnis bestimmte Zitate in Büchern zu markieren, damit man sie immer wieder hervorholen und staunen, was für fast schon magische Dinge jemand mit Worten vollbringen kann. Bei "Vom Ende der Einsamkeit" vergeht dieses Bedürfnis nicht eine Sekunde, da das ganze Buch ein einziges Zitat ist. Genau hier hat meine unbändige Wells Liebe begonnen. Eine Liebe, die wohl niemals enden wird. 

Joey Goebel - Vincent

Immer noch habe ich ein schlechtes Gewissen wegen "Vincent". 
Wie konnte dieses Buch so lange auf meinem Stapel ungelesener Bücher liegen bleiben? 
Wie konnte ich so ein Juwel von einem Buch so lange übersehen?
Gut machen kann ich das wohl nur, in dem ich möglichst viele Wort Paraden auf dieses Buch veranstalte. "Vincent" ist Anklage, Tragödie, Satire und Medienschrift in einem. Die Geschichte hält der Gesellschaft nicht nur den obligatorischen Spiegel vor, sie packt sie und zwingt sie hineinzusehen. In "Vincent" finden wir uns alle in irgendeiner Form wieder und deswegen ist dieses Buch so wichtig. 
Also lest es, liebt es, verinnerlicht es, lernt es am besten auswendig! 
Und vergesst nicht die Paraden...

Klaus Cäsar Zehrer - Das Genie

"Das Genie", mein jüngstes Lieblingsbuch aus dem Diogenes Verlag. 
"Ein ganz schöner Schinken", denkt ,man, wenn man es zum ersten Mal in den Händen hält. Doch die Seiten von "Das Genie" fliegen nur so an einem vorüber und plötzlich sieht man sich mit der erschreckenden Tatsache konfrontiert, dass die Geschichte bald zu Ende ist. 
Ich hätte noch tausend Seiten über das Harvard Wunderkind William James Sidis lesen können. Ein junger Mann mit einer unglaublichen, teils nicht zu fassenden Lebensgeschichte, in der sich Tragik und Komik sooft abwechseln, dass einem schon fast schwindelig wird, doch man will immer mehr. 
"Das Genie" ist eine teils fiktionale und teils biografische Geschichte, die so unglaublich gut recherchiert und geschrieben ist, dass man sich eigentlich nur ehrfürchtig vor dem Autoren verbeugen möchte. 

John Irving - Das Hotel New Hampshire

Mein Lieblingshotel aus New Hampshire war mein erster Irving und was hatten wir beiden zu Beginn unsere Probleme. An Irvings Schreibstil muss man sich gewöhnen, doch wenn man diese Gewöhnungsphase überwunden hat, ist plötzlich alles anders. Es ist nicht so, dass man sich mit seinem Schreibstil arrangiert. Man liebt ihn und fragt sich, wie man so lange ohne ihn leben konnte. Man liebt alles. Ich habe mich gewundert, dass meine Pupillen, während des Lesens, sich nicht plötzlich in kleine Herzchen verwandelt haben.
Irving erschafft die großartigsten Figuren, von denen du je lesen wirst. 
Sie sind so besonders. 
So anders. 
So außergewöhnlich, dass man sie sich ins echte Leben wünscht, bloß, um etwas Zeit mit ihnen verbringen zu dürfen.
Es mag sein, dass "Das Hotel New Hampshire" und ich zuerst nicht gut miteinander aus kamen, doch jetzt gehört es zu meinen absoluten Lieblingsplätzen und ich würde wieder einziehen. Immer wieder. 



Kommentare:

  1. Toller Beitrag, liebe Lisa <3
    Ich bin mittlerweile ein großer Fan des Verlags und hoffe, dass er noch super viele Leser, und auch Blogger, begeistern wird.
    Danke, dass wir dahingehend immer tolle Tipps austauschen und Bücher gemeinsam reflektieren können :)

    Liebe Grüße,
    Nicci

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    1. Danke Lieblingsnicci <3
      Ich freue mich auch, dass wir uns immer wieder über Diogenes Bücher austauschen können.

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