Montag, 10. Oktober 2016

Lesemonat September

Herzlich Willkommen zu meinem etwas verspäteten Lesemonat September!
Im vergangenen Monat habe ich neun Bücher gelesen, wovon eines ein Ebook gewesen ist. Insgesamt komme ich auf 3660 Seiten. 
Das waren die Fakten und nun wird es etwas genauer, los geht's!
Das erste Buch, das ich im September gelesen habe, war das lang erwartete zweite Buch einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen, Melanie Raabe. Ihr erstes Buch "Die Falle" gehört zu den besten Thrillern, die ich jemals gelesen habe und von daher war ich sehr gespannt, wie mir das zweite "Die Wahrheit" gefallen würde. Melanie Raabe hat einen unglaublich tollen und unverwechselbaren Schreibstil, mit dem sie ihre Leser sehr gerne auf die falsche Fährte lockt. So glaubt man in ihren Büchern eigentlich immer den Schuldigen zu kennen, wird im Laufe der Geschichte aber immer misstrauischer gemacht, um am Ende überhaupt nicht mehr zu wissen, wem man von den Figuren jetzt noch trauen kann. Und das wurde in "Die Wahrheit" wieder einmal hervorragend umgesetzt. Die Handlung, die Schauplätze, die Figuren, alles spielt zusammen in dieser Geschichte und auch das Ende hat mich dann noch sehr überrascht. Für alle Thriller-Fans und die, die es noch werden wollen, für die habe ich auch noch eine Rezension zu diesem Buch geschrieben. 
Kommen wir nun zu einem Buch, das ich aufgrund einer Bloggeraktion vom Loewe Verlag sogar vorab lesen durfte. "Demon Road - Hölle und Highway" ist der lang erwartete Auftakt zur neuen Reihe von 'Skulduggery Pleasant'-Autor Derek Landy und der Klappentext versprach einen rasanten Roadtrip mit jeder Menge schräger Typen, einer mutigen Heldin aber auch gefährlichen Monstern und Dämonen und das konnte die Geschichte schlussendlich auch einhalten. Zwischendurch hatte ich immer wieder das Gefühl mitten in ein Quentin Tarantino Film gefallen zu sein, wegen der coolen Dialoge aber auch eben wegen den besonderen Figuren. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf die Nachfolger, die hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lassen werden. Wer noch zweifelt, ob dieser höllische Roadtrip auch wirklich was für ihn ist, habe ich auch zu diesem Buch eine Rezension geschrieben. 
Das nächste Buch aus dem Monat September kommt von Megan Shepherd und ist ebenfalls der Auftakt einer neuen und vor allem vielversprechenden Trilogie. Trotzdem hat sich "The Cage-Entführt" im Vorfeld wie ein weiterer typischer dystopischer Jugendroman angehört. Ein paar Kids, die entführt werden und an einen ihnen völlig unbekannten Ort aufwachen, das kannte man irgendwie schon. Aber weit gefehlt! Mit einer völlig überraschenden Wendung in der Handlung, wird der Auftakt der 'The Cage' Trilogie plötzlich zu einem spannenden Science-Fiction Thriller mit einer unglaublich tollen und frischen Idee. Nach dieser Wendung konnte ich das Buch auch fast gar nicht mehr aus der Hand legen und war sehr gespannt, wie es weiter ging. Das Ende macht dann sehr viel Lust auf die beiden Nachfolger. Und auch wer hier noch nicht ganz überzeugt wurde: Auch zu diesem Buch habe ich eine Rezension geschrieben. Ich war offensichtlich sehr fleißig vergangenen Monat :)
Weiter ging es mit dem einzigen Ebook des Lesemonats. "Beauty Hawk" von Andreas Dutter hat mich fast schon verfolgt. Egal, ob bei Facebook oder bei Instagram, überall habe ich dieses Buch gesehen und wurde folglich immer neugieriger auf die Geschichte. Und obwohl ich diesen Beauty-YouTubern mehr als skeptisch gegenüberstehe, mochte ich die Geschichte. Die Protagonistin war zwar an vielen Stellen etwas anstrengend aber ich mochte die Idee und insgesamt hat es mich zwar nicht umgehauen aber konnte mich dennoch gut unterhalten. Der Schreibstil war sehr angenehm und gut zu lesen, insgesamt eine gute Geschichte für zwischendurch.
Kommen wir nun zu meinem ersten Monatshighlight. Es wird also noch eins geben. Ich freue mich schon auf meine Jahreshighlights, ich werde mich niemals zwischen den vielen tollen Büchern, die ich gelesen habe, entscheiden können. Eines davon ist aber auf jeden Fall "George" von Alex Gino. "George" ist ein kleines Buch mit zwar verhältnismäßig wenigen Seiten, das aber eine großartige und vor allem sehr, sehr wichtige Geschichte enthält. "Sei, wer du bist", ein Motto, das sich durch das gesamte Buch zieht. George ist zehn Jahre und fühlt sich als Mädchen. Sie versteckt heimlich Mädchenzeitschriften in ihrem Schrank und wünscht sich nichts sehnlicher, als ihr Geheimnis verraten zu dürfen. Doch sie hat Angst, wie ihr Umfeld und vor allem ihre Familie auf diese Nachricht reagieren werden. Doch dann erhält George die Chance in einem Theaterstück die Hauptrolle spielen zu dürfen, die weibliche Hauptrolle... Manche Bücher machen dich besser, dieses Buch gehört dazu! Unbedingt lesen! 
Das nächste Buch gehört wieder zu einer Reihe, die sich langsam aber sicher zu einer meiner Lieblingsreihen entwickelt. "Kriegerin im Schatten" ist der zweite Teil der 'Throne of Glass' Serie von Sarah J. Maas und wie schon im ersten Teil konnte ich dieses Buch einfach nicht aus der Hand legen. Besser kann man High-Fantasy wirklich nicht schreiben. Mehr als beeindruckende Schauplätze, Figuren, die einen so sehr ans Herz wachsen, das man schon einmal eine Träne verdrückt, wenn etwas völlig Unerwartetes passiert und eine Handlung, die einen fast nicht mehr zu Atem kommen lässt. Ich liebe wirklich alles an dieser Geschichte und habe nun extra bis in den Oktober hinein gewartet, bis ich den dritten Teil beginne, damit ich nicht mehr so lange auf den vierten Teil warten muss, der in Deutschland am 11. November erscheint. 
Weiter ging es im September mit einem Buch, das mich am Ende dann doch etwas enttäuscht hat. Vielleicht lag es auch daran, dass ich einfach viel zu viel von "Plötzlich Banshee" von Nina MacKay erwartet habe, da man es ja irgendwann überall sah. Aber nach dem viel versprechenden Klappentext konnte mich das Buch dann leider doch nicht überzeugen. Die Handlung war, für meinen Geschmack, viel zu überladen und auch die Protagonistin wirkte einfach nicht authentisch. Sie versuchte viel zu sehr lustig zu sein und wurde dann doch eher unglaubwürdig als alles andere. Die gesamte Geschichte war, meiner Meinung nach, zu sehr gewollt aber nicht gekonnt. Sehr schade aber immer noch nur meine individuelle Meinung. Ich habe auch sehr viele positive Stimmen zu dem Buch gehört. 
Das nächste Buch aus dem Monat September kam von Ulla Scheler und hieß "Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen". Auch hier hat mich der Klappentext magisch angezogen. Das Buch wirkte geheimnisvoll und deswegen musste ich es unbedingt lesen und ich wurde nicht enttäuscht. Die Geschichte von Ben un Hanna wird ruhig erzählt, ist aber dennoch stürmisch. Es ist eine Geschichte von Freundschaft, Zusammenhalt und Liebe. Was mir besonders gut gefallen hat ist der Hauch Mystik, der die Handlung durchzogen hat und auch der besondere Schreibstil der noch jungen Autorin, die mit "Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen" ihren Debütroman vorgelegt hat. Das Buch enthält schon fast eine poetische Sprache, die mich wirklich in den Bann zog. Wer nun neugierig geworden ist, aber noch nicht ganz sicher, auch hier habe ich eine Rezension geschrieben. 
Als letztes möchte ich euch mein zweites Monatshighlight vorstellen. Es geht um "Alles, was ich sehe" von Marci Lyn Curtis aus dem Königskinder Verlag (Carlsen). "Alles, was ich sehe" ist durch und durch besonders, auf jeder einzelnen Seite. Schon von Beginn an hatte ich dieses Gefühl, das man nur hat, wenn man ein besonderes Buch in den Händen hält und das lag vor allem an den Figuren der Geschichte. Eigentlich kann und darf man niemanden hervorheben aber ich muss. Ich habe noch nie jemanden wie Ben kennen lernen dürfen. Ben ist so wundervoll, das sogar mir die Worte fehlen. Ben ist mutig, Ben ist witzig, Ben trägt dieses Buch durch die gesamte Handlung. Aber ich wollte ja niemanden hervorheben :)
Ihr müsst "Alles, was ich sehe" nicht lesen aber wenn ihr es doch tut, kann es sein, dass dieses Buch und vor allem dieser kleine Junge eure Welt ein bisschen besser macht, sei es auch nur für einen kurzen Moment. Auch hierzu gibt es eine Rezension oder besser gesagt eine Lobeshyme. 

So, das war er auch schon wieder. Mein Lesemonat September. Vielleicht war ja das ein oder andere Buch für eure Wunschliste dabei oder ihr habt selber schon etwas davon gelesen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.

Lisa. 

Dienstag, 4. Oktober 2016

Ava Reed - Mondprinzessin






Verlag: Drachenmond Verlag
Seiten: 252
Erschienen: 30. September 2016
Preis: 12.00 Euro (Ebook: 3.99 Euro)








"Seit Anbeginn der Zeit waren Erde und Mond Freunde. Bis der Mond sich nach mehr sehnte, bis er sich Kinder schuf und formte - aus seinem Staub, aus seinem Herzen und aus den Sternen."

Lynn dachte immer, sie wäre eine ganz normale junge Frau. Jemand, dem das Leben zwar schon jetzt ziemlich übel mitgespielt hat, aber der dennoch klar kommt und es schafft immer wieder aufzustehen. 
Doch dann änder sich an Lynns Geburtstag plötzlich alles. Auf der Haut ihres Unterarms zeichnet sich ein Sternbild ab. Die einzelnen Punkte beginnen zu leuchten und ehe sich Lynn versah ging dieses Leuchten auf ihren gesamten Körper über. Und von einem auf den anderen Moment war Lynn plötzlich auf der Flucht vor ihr völlig unbekannten Verfolgern, um dann in die Arme eines jungen Mannes, namens Juri, zu laufen. 
Doch die seltsamen Ereignisse, die Lynns Leben komplett auf den Kopf stellen, haben gerade erst begonnen. Juri eröffnet der völlig perplexen Lynn, dass sie wahrhaftig etwas Besonderes ist und zwar die schon lange verschollene Mondprinzessin. Lynn erfährt, dass das Leben viel mehr für sie bereit hält, als sie angenommen hat, sowohl gute, als auch negative Dinge...

Wie man bereits in meinen letzten Rezensionen gemerkt haben dürfte, bin ich Fan von Ava Reed. Ich liebe ihren Schreibstil und die Tatsache, dass sie über wohl jedes Genre schreiben kann. Sowohl ihre Fantasy-Bücher (Spiegelsplitter und Spiegelstaub), als auch ihre tieftraurige Liebesgeschichte (For Good - Über die Liebe und das Leben) habe ich in mein Herz geschlossen. 
Aber ich muss an dieser Stelle sagen, dass Ava Reed mit der Mondprinzessin mein absolutes Lieblingsbuch von ihr zur Papier gebracht hat. 
Es war, als hätte sich irgendwo ein Loch aufgetan und ich wäre in die Geschichte hineingefallen und die Figuren hätten gesagt: "Ach, da bist du ja wieder! Wo warst du bloß so lange?". Es ist wirklich etwas Besonderes, wenn es eine Autorin schafft Charaktere zu erschaffen, mit denen man sich so identifizieren kann, dass man das Gefühl bekommt, man würde sie schon ewig kennen. Obwohl Lynn doch eigentlich ganz anders ist. Ich könnte nie so stark sein wie sie und das Gefühl der Einsamkeit immer wieder verdrängen, in der Hoffnung, dass irgendwo etwas Besseres wartet. Aber ich konnte mich selbst in ihren Handlungen und Gedanken wiedererkennen und das war wohl auch der Grund, warum ich sie von ihren ersten Auftreten in der Geschichte ins Herz geschlossen habe. 
Und dann ist da auch noch Juri. Juri, der große und gutaussehende Held, der Lynn im letzten Moment rettet und ihr das unglaubliche Geheimnis ihrer Vergangenheit enthüllt. Juri, der immer nur für das Gute kämpft, der weiß, was er für eine Rolle in Lynns Leben einnimmt, aber sich dennoch nicht gegen seine Gefühle für sie wehren kann. 
Denn genau das ist ein weiterer besonderer Punkt in diesem Buch: Die Liebesgeschichte zwischen Juri und Lynn. Eine Liebesgeschichte, die nicht sein darf aber gegen die sich dennoch keiner wehren kann, sowohl der Leser nicht, als auch die beiden selbst nicht. Nun sagt ihr: 'Verbotene Liebesgeschichten? Die gibt es doch in vielen Büchern!' Aber Juris und Lynns ist trotzdem etwas ganz Besonderes, einfach, weil die beiden selbst einmalig sind. Weil sie aus der Zeit, die ihnen zur Verfügung steht, das Beste machen. Weil man einfach die ganze Zeit hofft, dass hinter der nächsten Ecke doch noch ein Happy End für die beiden herumliegt. 
Wundervolle Charaktere, die man sofort in sein Herz schließt, das ist euch noch nicht besonders genug? Na gut, Ava Reed legt natürlich noch einen drauf. Jeder, der ihre Spiegel-Saga gelesen hat, hat sich natürlich in Kohana, den sprechenden Fuchs, verliebt. Das ging überhaupt nicht anders. Und auch in der Mondprinzessin spielt ein sprechendes Tier eine wichtige Rolle.
Tia ist ein Waschbär. 
Tia ist witzig. 
Tia ist klug. 
Tia ist wundervoll. 
Ihr müsst Tia kennen lernen! 
Kohana wird zweifellos einen Platz in euren Herzen für den wohl besten Waschbären der Welt frei machen. 
Was soll ich noch sagen?
Auch die Handlung wird euch nicht zur Ruhe kommen lassen. Ava Reed vermischt unsere alltägliche Welt mit einer geheimnisvollen und fantastischen Welt, die ich so detailliert vor meinem Auge gesehen habe, dass ich unmöglich nur im Geiste dabei gewesen sein kann. Ich war beim Training mit Juri und Lynn dabei und habe über Tias Witze gelacht, auch wenn ich keine Ahnung hatte, was an der nächsten Ecke auf mich wartet. In keinem anderen Ava Reed Buch zuvor war die Handlung so unvorhersehbar, wie in der Mondprinzessin. Zum Glück gab es Tia, die mich an die Hand nahm, um immer wieder den nächsten Schritt zu gehen. Und, um auf meinen ersten Satz, bezüglich der Handlung, zurückzukommen: Sie wird euch nicht nur nicht zur Ruhe kommen lassen, sondern euch möglicherweise auch das Herz brechen. Aber keine Sorge, irgendwann wird es wieder besser werden und ihr werdet verstehen, dass es nicht anders ging.
Die Mondprinzessin von Ava Reed ist besonders auf jeder einzelnen Seite. Sie wird euch Gänsehaut bereiten, zum Lachen bringen, zum Weinen und zum Hoffen. Es ist eine fantastische Reise, die ich nicht so schnell vergessen werde und ich kann nur hoffen, dass sich möglichst viele auf diese Reise begeben. 
Diese Welt und diese Figuren sollten nämlich so viele Zuschauer wie möglich haben. 

Mittwoch, 28. September 2016

Marci Lyn Curtis - Alles, was ich sehe





Verlag: Königskinder (Carlsen)
Seiten: 427
Erschienen: 18. März 2016
Preis: 18.99 Euro (Ebook: 10.99 Euro)






Aufgrund einer Erkrankung, verlor Maggie vor einiger Zeit ihr Augenlicht und muss nun mit dem harten Schicksal zurechtkommen fortan als Blinde durch ihr Leben zu gehen. Doch Maggie schafft es einfach nicht dieses Leben anzunehmen. Sie will nicht tapfer sein, sie will nicht das mutige, blinde Mädchen sein, das trotz allem ihr Leben meistert. Denn das entspräche nicht der Wahrheit. Maggie zieht sich zurück von ihren jetzt ehemaligen Freunden, ihren Hobbies, einfach allem, was sie ausgemacht hat. Auch auf den Unterricht, der ihr eigentlich dabei helfen soll zumindest mit ihrer Umwelt zurechtzukommen, kann sie gut verzichten. 
Doch dann ändert sich plötzlich alles, als Ben in Maggies Leben tritt. Ben ist ein zehnjähriger, altkluger, hinreißender aber vor allem ganz besonderer Junge, denn er ist der Einzige, den Maggie plötzlich wieder sehen kann. Ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, wie das möglich ist, entsteht zwischen den beiden eine ungewöhnliche Freundschaft. Und dann ist da auch noch Bens Bruder Mason, der zufällig der Sänger von Maggies Lieblingsband ist und in Sachen 'hinreißend sein' seinen jüngeren Brüder in nichts nachsteht. 
Doch Mason lässt Maggie immer wieder grob abblitzen, weil er glaubt, dass sie ihre Blindheit nur vortäuscht und es nicht ehrlich mit Ben meint.
Maggie weiß, dass man sie wohl möglich in die Irrenanstalt einliefern wird, wenn sie den besonderen Umstand erwähnt, der Ben in ihr Leben gebracht hat. Doch dann erfährt Maggie plötzlich, warum sie ausgerechnet nur Ben sehen kann und alles andere wird unwichtig...

Wisst ihr, was mein großes Ding ist?
Dass ich immer wieder das Glück habe diese besonderen Bücher lesen zu dürfen. Diese Bücher, die den Herzschlag beschleunigen. Weil sie schön sind und weil sie gut tun. Weil sie nachklingen und weil du hoffst die Menschen, die du in diesen Büchern triffst, auch im echten Leben zu begegnen. Ich würde sehr viel für einen Ben in meinem Leben machen. 
Aber auch, weil sie schrecklich sein können. Schön und schrecklich zugleich. Schrecklich schön. Weil sie dir einen dicken Kloß im Hals verpassen. Weil sie dir sagen, dass das Leben kurz ist und du das Beste draus machen sollst. 
Und das ist wohl auch die größte Botschaft, die das Buch "Alles, was ich sehe" von Marci Lyn Curtis seinen Lesern mitgeben will. Mach das Beste aus dem, was du hast. Auch wenn du Schicksale zu tragen und Lasten unzählige Berge hochzuschleppen hast. Irgendwo wartet genau das, wofür diese Mühen es wert waren. 
Und wenn ich nun die Frage beantworten müsste, ob diese Botschaft bei mir, als Leserin, angekommen ist? Dann würde das Wort 'Ja' einfach zu wenig Aussagegehalt besitzen. 'Ja' beschreibt nicht im Mindesten, was diese Geschichte mit mir angestellt hat. Wie sollte sie auch anders, wenn sie mit so unglaublich wundervollen Charakteren ausgestattet wurde?
Maggie? Ich kann mir nicht im Entferntesten vorstellen, wie es ist blind zu sein, auch wenn ich es, während der Lektüre, mehr als einmal versucht habe. Maggie hatte die Möglichkeit die Schönheit der Welt sehen zu dürfen, bevor sie mit ihrem Schicksal von einem auf den anderen Moment zurechtkommen musste und genau das will sie nicht einsehen. Sie will nicht einsehen, dass sie nie wieder etwas sehen wird und noch niemals zuvor habe ich Gedankengänge, Aussagen und Handlungen von einem Protagonisten so sehr nachvollziehen können, wie bei ihr. Natürlich konnte ich mich nicht in sie hineinversetzen, denn wer hätte das schon gekonnt, der es nun mal nicht kennt aber ich habe den Menschen 'Maggie' verstanden, sowohl in ihren schlechten, als auch in ihren guten Eigenschaften. Und ganz ehrlich? Selten zuvor wollte ich in ein Buch hineinkriechen, um einen Charakter einfach nur zu umarmen und ihm Trost zu spenden. 
Ben? Eigentlich reichen Worte nicht aus, um Ben zu beschreiben. Ben muss man erleben, man muss ihn kennen lernen, mit ihm und manchmal auch über ihn lachen, man muss Sachen sagen wie "Ach, Ben!" und genervt die Augen verdrehen aber vor allem muss man ihn bewundern. Nicht nur, weil er der wohl witzigste zehnjährige Junge auf diesen Planeten ist. Nicht nur, weil er charmant, altklug und absolut hinreißend ist. Nicht nur, weil er, wenn er solche Sachen über sich lesen würde, wahrscheinlich so etwas sagen würde, wie "Das wusste ich schon alles aber red' ruhig weiter!". Nein, vor allem, weil er stark ist. Ben ist so unglaublich stark und weil er mutig ist. Wenn andere Leute sagen: "Das kann ich nicht!", macht Ben es einfach. Wie ich schon bereits erwähnte, würde ich sehr viel für einen Ben in meinem Leben machen. 
Aber auch alle anderen Figuren in "Alles, was ich sehe" tragen die Geschichte. Dieses Buch würde ohne diese Charaktere einfach nicht funktionieren, die Botschaft würde es nicht. Aber glücklicherweise gibt es sie alle und sie warten darauf ihre Geschichte zu erzählen. Mich hat genau diese Geschichte mehr als berührt. 
"Alles, was ich sehe" gehört zu diesen besonderen Büchern, die die eigene, individuelle Leserwelt ein klein bisschen besser machen, die insgesamt alles einfach schöner machen. Und die einen zu der Frage veranlassen, was wohl das eigene ganz große Ding ist.

Meins sind solche Bücher.
Unbedingt lesen!

Hier geht's zum Buch 

Montag, 26. September 2016

Ulla Scheler - Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen





Verlag: Heyne fliegt
Seiten: 365
Erschienen: 08. August 2016
Preis: 14.99 Euro (Ebook: 9.99 Euro)









Ben und Hanna sind, seit Ewigkeiten, beste Freunde, obwohl die beiden eigentlich grundverschiedene Menschen sind. Hanna ist eher der ruhige, rationale und vernünftige Typ, während Ben wild, tollkühn und ein großer Geschichtenerzähler ist. Er schafft es sofort Menschen für sich einzunehmen, während Hanna sich zurückhält.
Nach dem Abi packen die beiden das Auto von Ben voll und machen eine Reise ans Meer. Ihr Weg führt sie zu einem fast menschenleeren Strand, der an ein kleines Dorf grenzt, das ebenfalls so wirkt, als hätte es, seit langer Zeit, niemand mehr besucht. Doch für Ben und Hanna ist es der ideale Ort und so stellen sie ihr Zelt auf, gehen schwimmen, veranstalten ein Lagerfeuer und machen all die Dinge, für die sie sich in letzter Zeit zu wenig Zeit genommen haben. Und Ben erzählt natürlich wieder jede Menge Geschichten. Doch zu diesen kommt noch eine weitere hinzu, wie Ben und Hanna schnell erfahren sollen. Um den Strand, den sie sich als Reiseziel ausgesucht haben, rankt sich eine düstere Legende, die sie zunächst nicht ernst nehmen. 
Doch plötzlich mehren sich mysteriöse Anzeichen und viel zu spät erkennt Hanna, dass Ben in großer Gefahr schwebt...

"Nachdem ich ein Buch beendet hatte und die Helden noch neben mir saßen, hatte ich meine Tasche gepackt, mich vor die Tür gesetzt und in die Dunkelheit gestarrt. 
Wenn ich nur lange genug dort warten würde, dann würde das Abenteuer vorbeilaufen und mich mitnehmen."

Hannas Abenteuer kam in Form ihres besten Freundes Ben und nahm sie mit auf eine Reise, die sie wohl niemals wieder vergessen würde. "Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen" ist ein Titel, der viel und gleichzeitig sehr wenig über die Geschichte von Ulla Scheler aussagt. Natürlich assoziiert man erst einmal damit eine Gefahr, die sich einer oder beide Protagonisten aussetzen werden aber in dem Debütroman dieser jungen Autorin steckt noch sehr viel mehr. 
Ruhig und melancholisch erzählt Ulla Scheler die Geschichte zweier Menschen, die ausbrechen wollen aus ihrem Leben, aber gleichzeitig Angst vor dem haben, was sie dort erwartet. 
Ben und Hanna sind schon, seit Ewigkeiten, beste Freunde, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein können. Hanna trifft ungern spontane Entscheidungen und überlegt sich Dinge lieber mehrmals, während Ben mutig und wild auf sein Herz hört und somit aber auch mal öfter die falsche Entscheidung trifft und in Schwierigkeiten gerät. Und genau hier liegt das Geheimnis der Freundschaft zwischen den beiden und der Grund, warum die beiden Protagonisten, während der Handlung, so gut miteinander harmonieren. Sie ergänzen sich. Ohne Scheu weisen sie sich auf Fehler hin und kommen somit bestens miteinander aus. Bloß in den Situationen, in denen sie sich gegenseitig herausfordern und das sind in der Geschichte nicht wenige, kommt es zwischen Ben und Hanna zum Streit.
Auch die Handlung an sich, die ich mir im Vorfeld beim besten Willen nicht vorstellen konnte, ist gut konstruiert. Sowohl der Schauplatz, als auch die düstere Legende, die sich um den Strand rankt, geben der ganzen Story einen mysteriösen Glanz. "Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen" ist aber hauptsächlich eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und das Beste aus dem zu machen, was das Leben uns gibt. 
Am meisten überrascht und an vielen Stellen wahnsinnig berührt hat mich allerdings der Schreibstil der Autorin. In fast schon philosophischen Bildern präsentiert Ulla Scheler vor allem den Charakter von Ben auf eine ganz außergewöhnliche und schöne Art und Weise. Auch ihre Schauplätze und vor allem das Meer, das eine tragende und bedeutende Rolle in der ganzen Geschichte spielt, beschreibt sie wunderschön und mit einem Hauch Poetik. So ist das ganze Buch voller Zitate und Weisheiten, die ich mir alle markieren musste. 
Zusammenfassend ist "Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen" ein wirklich lesenswertes Erstlingswerk geworden. Sowohl die Handlung, die zur Mitte hin noch einmal die ganze Geschichte umwirft, als auch die Charaktere und vor allem der Schreibstil, konnten mich am Ende mehr als überzeugen. 

Sonntag, 18. September 2016

Megan Shepherd - The Cage - Entführt





Verlag: Heyne fliegt
Seiten: 464
Erschienen: 29. August 2016
Preis: 12.99 Euro (Ebook: 9.99 Euro)








Stell dir vor, du wachst völlig orientierungslos an einem dir unbekannten Ort auf und weiß nicht, wie du dorthin gekommen bist. 
Für Cora wird dieser Albtraum grausame Wirklichkeit. Sie wacht in einer Wüste auf und trifft, nachdem sie eine Weile planlos herumgeirrt ist, auf Lucky, der ebenfalls an diesem Ort aufgewacht ist und keine Erinnerung daran hat, wie er dorthin kam. Auch ihre Umgebung stellt sich, nach einem kurzen Erkunden, als höchst ungewöhnlich heraus. Die Wüste, in der die beiden sich befinden, grenzt nicht nur an ein Meer, sondern auch an eine Tundra und ebenfalls an einer filmkulissenähnlichen Stadt. In der treffen Cora und Lucky auf Rolf, Nok und Leon, denen dasselbe Schicksal wiederfahren ist.
Doch was war das für ein seltsamer Ort und vor allem: Wer hat sie dorthin gebracht? 
Schon bald darauf taucht der unheimliche Cassian bei den Jugendlichen auf und stellt sich als ihr Wächter vor. Tausende Kilometer von Zuhause entfernt, erfährt Cora, dass sie nicht nur entführt, sondern auch in einen Käfig gesperrt wurde. Nun setzt sie alles daran zu fliehen. Doch geht das überhaupt? Und kann sie Lucky, zu dem sie sich hingezogen fühlt, vertrauen?

Wenn ich den Auftaktband zur "The Cage" Trilogie von Megan Shepherd mit einem Wort beschreiben sollte, dann wäre dieses Wort wohl 'abgedreht'. Eher ausgedrückt: Total abgedreht. Im gleichen Atemzug möchte ich aber auch gerne das Wort 'fasznierend' in den Raum werfen und ebenfalls betonen, dass dieses ganze Leseerlebnis ganz anders war, als ich es erwartet habe. Und diese gesamten bunt zusammengewürfelten Leseeindrücke sind allsamt positiv gemeint. Denn nach dem erstmaligen Betrachten der Inhaltsangabe war ich zwar durchaus an der Geschichte interessiert, dachte aber gleichzeitig, dass der Klappentext in irgendeiner Form bereits schon bekannt ist. Eine Handvoll Jugendlicher, die sich an einen ihnen völlig unbekannten Ort wiederfinden, das Prinzip ist bereits vertraut. Und dennoch, nachdem die ersten Unklarheiten bei den Protagonisten beseitigt waren und schließlich der Grund für ihr Dasein an diesem seltsamen Schauplatz offen gelegt wurde, stellt sich heraus, dass wir es mit einer Geschichte zu tun haben, die eine neue und frische Grundidee zum Ursprung hat. Natürlich will ich an dieser Stelle nicht verraten, in welchem Umfang Megan Shepherd ihre Leser mit ihrem vorhersehbaren Klappentext an der Nase herumgeführt hat, möchte aber betonen, dass ich damit nicht gerechnet habe und sehr beeindruckt davon war, was für einen unheimlichen aber gleichzeitig faszinierenden Schauplatz die Autorin hier erschaffen hat. 
Und auch ihre Charaktere sind interessant und vor allem vielseitig ausgearbeitet. Während man mit den einen mitleidet und ihnen am liebsten zuflüstern möchte: "Du schaffst das! Ich glaub an dich!", möchte man die anderen schütteln und sie fragen, ob sie nun komplett verrückt geworden sind. An dieser Art und Weise, wie die Charaktere miteinander agieren, bekommt man auch einen Hinweis auf den Inhalt der Geschichte denn der Grat zwischen Wahnsinn und Rationalität in "The Cage" ist verdammt schmal. So schmal, dass einige Protagonisten dies zum Anlass nehmen auf ihn fröhlich hin und her zu springen. 
Einen besonderen Stellenwert hatte für mich die Figur des Cassian, des Wächters, besonders im Zusammenhang mit der Kommunikation gegenüber den Jugendlichen, speziell Cora. Hier hat es nämlich die Autorin besonders gut geschafft die völlig unterschiedlichen Wahrnehmungen auf ihre Umgebung, zwischen den beiden Seiten, und die daraus entstandenen Kommunikationsschwierigkeiten in so einer intensiven Art und Weise darzustellen, dass die Handlung zwischenzeitlich in eine fast schon grausame psychologische Ebene wechselte, die aber eben den Spannungsbogen in der Geschichte noch einmal hochschnellen ließ. 
Erzählt wird "The Cage - Entführt" kapitelweise aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten, wobei der Fokus auf Cora und Lucky liegt. Das hat zum Vorteil, dass auch die Hintergrundgeschichte der verschiedenen Figuren dem Leser offenbart und so zum Verständnis ihrer Beziehungen untereinander beigetragen wird.
Zusammenfassend ist der erste Band der "The Cage" Trilogie ein mehr als vielversprechender Auftakt geworden. Insgesamt gab es zwar noch kein Moment, der mir den Boden unter den Füßen wegziehen konnte aber trotzdem ist es eine frische und neue Idee, die teilweise schockiert aber vor allem Lust auf die Nachfolgebände macht.
Für Dystopie und Science-Fiction Fans fast schon ein Muss. Und ich denke, auch alle anderen werden auf ihre Kosten kommen. 

Freitag, 16. September 2016

Derek Landy - Demon Road - Hölle und Highway






Verlag: Loewe
Seiten: 478
Erscheint: 19. September 2016
Preis: 19.99 Euro (Ebook: 14.99 Euro)









Ihr glaubt, dass eure Eltern manchmal Probleme bereiten?
Dann habt ihr wirklich keine Ahnung, was Amber gerade durchmacht.
Amber Lamont ist gerade erst sechszehn Jahre alt geworden, als sie herausfindet, dass ihre ohnehin schon sehr seltsamen Eltern ein teuflisches Geheimnis haben. Sie sind Dämonen. Und als wäre das nicht schon genug, wollen sie nun, da ihre Tochter sechszehn geworden ist, diese zum Abendessen verspeisen. Denn nur so würden sie ihre dämonischen Kräfte noch mehr stärken. 
Doch Amber denkt gar nicht daran als das Essen von ihren Eltern zu enden und tritt eine spektakuläre Flucht an. 
Der Fluchtwagenfahrer? Ein zwielichtiger Typ namens Milo.
Das Fluchtauto? Ein riesiger Charger, der mehr nach einem Monster als nach einem Auto aussieht. 
Ihr Roadtrip führt das ungewöhnliche Duo quer durch die USA auf der sogenannten Demon Road, einem magischen Straßennetz, das unheimliche Orte und schauerliche Wesen miteinander verbindet. Amber trifft auf Vampire, Hexen, den ein oder anderen untoten Serienkiller und muss auf ihrer verrückten Reise ebenfalls einer nicht zu leugnenden Tatsache ins Auge sehen: 
Auch in ihr stecken Kräfte, die sie sich nicht in ihren kühnsten Träumen ausmalen konnte...

Kennt Ihr diese Reisen, von denen Ihr immer wieder erzählen werdet? 
Diese Trips, auf denen so viele verrückte Sachen passieren, das Ihr sie gar nicht mehr zählen könnt? 
Genauso eine Reise erwartet euch auf der Demon Road, nur hundertmal verrückter! Aber Vorsicht! Die Demon Road ist nichts für schwache Nerven! Für Vampire, messerschwingende Serienkiller oder Hexen solltet ihr möglichst nur einen lockeren Spruch auf den Lippen haben und nicht zitterndes Gestammel.
Sehr, sehr lange habe ich mich auf den Auftakt der neuen Reihe von "Skulduggery Pleasant" Autor Derek Landy gefreut. "Demon Road" versprach ein actionreicher, witziger und abenteuerreicher Horror-Trip zu werden und genau das wurde er auch mit noch vielem mehr! 
Die Figuren, die Derek Landy auf seine Demon Road loslässt, könnten genauso gut einem Quentin Tarantino Film entsprungen sein. Lässige Typen, coole Sprüche und Dialoge und jede Menge Blut. Vielleicht will Mr. Tarantino die mögliche Verfilmung übernehmen? Ich würde das ziemlich gut finden. 
Aber hinter all der lockeren Fassade verbergen sich durchaus sensible und verletzbare Charaktere, vor allem Amber, die sich während dieses ganzen Irrsinns, in den sie unfreiwillig hineinstolpert, eigentlich nur nach Liebe und Geborgenheit sehnt. Aber vor allem ist Amber noch verdammt mutig. Denn während jeder andere vermutlich verrückt geworden wäre, findet sie sich mit ihrem Schicksal ab und versucht alles, um ihren Eltern zu entkommen aber gleichzeitig nie zu vergessen, was das Richtige ist.
Auch die Nebencharaktere, die meiner Meinung eigentlich keine sind, geben einiges her und bleiben im Gedächtnis. 
Ich hatte jede Menge Spaß auf meiner Reise auf der Demon Road. Manchmal wollte ich mich vor Angst verkriechen, manchmal habe ich gelitten, gelacht aber vor allem war es etwas ganz Besonderes. 
Derek Landy ist mit dem ersten Band seiner Demon Road Trilogie mal wieder ein Glanzstück gelungen. Ich freue mich jetzt schon auf die Nachfolger.
Steigt ein! Wenn Ihr euch traut... 

Donnerstag, 8. September 2016

Melanie Raabe - Die Wahrheit





Verlag: btb
Seiten: 443
Erschienen: 29. August 2016
Preis: 16.00 Euro (Ebook: 12.99 Euro)








Sarah und ihr kleiner Sohn Leo haben sich ein gemütliches Leben in Hamburg aufgebaut. Sarah ist Lehrerin und geht in ihrer Rolle als Mutter komplett auf. Die beiden sind ein eingespieltes Team. 
Doch eigentlich fehlt in diesem idyllischen kleinen Familienbild die obligatorische Vaterrolle, denn mit dieser verbinden Sarah und Leo ein tragisches Schicksal. 
Vor sieben Jahren verschwand Sarahs Mann Philipp auf einer Geschäftsreise in Südamerika spurlos. Keine Lösegeldforderung und keine Spur mehr von dem Mann, den Sarah liebt. 
Nur mühsam gelang es ihr sich mit Leo, der kaum mehr Erinnerungen an seinen Vater hat, ein neues Leben aufzubauen. Die Jahre vergingen und irgendwann ging es wieder. Doch von einem auf den anderen Moment steht Sarahs Leben ein weiteres Mal Kopf. Sie bekommt einen Anruf aus Südamerika. Ihr Mann ist nach sieben Jahren lebend gefunden worden und wird nun nach Hause zurückkehren. Sarah ist total durcheinander. Als sie dann am Flughafen ihren Mann in Empfang nehmen will, verwandelt sich die ganze Situationen in einen wahr gewordenen Albtraum. Der Mann, der aus dem Flieger steigt, ist nicht Philipp. Eine ihr völlig fremde Person tritt plötzlich in Sarahs Leben und behauptet ihr lang verschollener Ehemann zu sein. 
Was ist das Motiv dieses völlig Fremden und vor allem:
Was ist mit Philipp? 

Nachdem Melanie Raabes Debütroman "Die Falle" zu den besten Thrillern gehörte, die ich jemals gelesen habe, war ich natürlich mehr als gespannt auf ihren neuen Roman "Die Wahrheit", der vom Inhalt genauso viel Gutes versprach. Und nachdem ich das Buch in nur anderthalb Tagen mehr inhaliert als gelesen habe, kann ich nur sagen: Das versprochene Gute vom Inhalt ist in der Lektüre mehr als nur eingehalten worden.
Es ist erstaunlich, wie Melanie Raabe es schafft ihre Leser von der allerersten Seite an in die Geschichte hineinzuziehen. Ich habe, während des Lesens, meine Umgebung überhaupt nicht mehr wahrgenommen, weil ich zu sehr in der Geschichte gefangen war. Das liegt vor allem auch an den unverwechselbaren Schreibstil der Autorin. In meist kurzen und anaphorischen Sätzen wird die abwechselnde Verzweiflung und die Wut der Protagonistin besonders gut in Szene gesetzt. Was Melanie Raabe ebenfalls sehr gut kann, ist es ihre Leser immer wieder auf falsche Fährten zu führen und zwar meistens im Bereich der Schuldfrage. Geschickt verschiebt sie immer wieder die Perspektive, auf die der Leser sein Augenmerk richtet. Das führt dazu, dass man zwischendurch überhaupt nicht mehr weiß, wem man von den Protagonisten eigentlich noch trauen kann. Diesen Aspekt unterstreicht auch noch einmal die Art, wie "Die Wahrheit" aufgebaut ist. Während es in "Die Falle" zusätzlich aus der Sicht der Hauptfigur noch einen 'Roman im Roman' gab, wird hier als zusätzliche Perspektive die des fremden Mannes erzählt, der aus dem Flugzeug stieg und sich als Sarahs Mann ausgab. 
Egal, ob Schauplätze, Charaktere oder Erzählweise: Melanie Raabes neuer Thriller ist vom Anfang bis zu letzten Seite hundertprozentig durchdacht. Alles scheint auf einen größeren Sinn hin ausgelegt zu sein, der Leser wird Stück für Stück auf die Spur der Wahrheit geführt. 
Wieder einmal ist der Autorin ein höchst spannungsgeladener Thriller gelungen, der aber größtenteils auf psychologischer Ebene spielt. Häufige blutige Szenen wird man hier nicht finden, dafür aber eine unglaublich lesenswerte Geschichte. 
Für alle Fans des Genres und die, die es noch werden wollen, ein Muss!