Sonntag, 24. Mai 2020

Fabio Genovesi - Wo man im Meer nicht mehr stehen kann





Verlag: C.Bertelsmann
Seiten: 416
Erschienen: 13. Mai 2019
Preis: 22 Euro (Ebook: 9.99 Euro, Taschenbuch: 12 Euro)







Fabio ist eigentlich ein ganz normaler Junge. Er entdeckt gerne neue Dinge oder verbringt Zeit mit seinem Vater, in der die beiden vielleicht keine tiefgründigen Gespräche führen, in der sein Vater Fabio aber zeigt, dass er ein außerordentliches Talent dafür hat alle Dinge reparieren zu können. 
Allerdings unterscheidet sich Fabios Familie von allen anderen, die Fabio kennt. Denn während die meisten Kinder meistens zwei Großmütter und -väter hatten, kann er gleich mit zehn Großväter aufwarten und die bringen sein eigentlich ganz normales Leben manchmal ganz schön durcheinander, und manchmal wünscht sich Fabio auch, dass seine Großväter so normal wären wie andere Großväter. 
Und dann erschüttert ein Ereignis Fabios ganzes Leben und er erkennt, dass es unwichtig ist, was man für eine Familie hat, am wichtigsten ist, dass die Familie zusammenhält. 

Zugegeben, als ich zum ersten Mal von "Wo man im Meer nicht mehr stehen kann" von Fabio Genovesi gehört habe, wusste ich nicht, was mich in der Geschichte erwarten würde, doch das, was ich aus dem Inhalt wusste, fühlte sich zu gut an, um das Buch nicht lesen zu wollen. Und tatsächlich lag ich mit meiner Einschätzung nicht daneben. Möglicherweise habe ich das Buch, dessen Geschichte hauptsächlich in einem sonnigen italienischen Dorf spielt vor ein paar Monaten zur falschen Zeit gelesen. Möglicherweise habe ich sie aber auch genau zur richtigen Zeit gelesen, denn während es draußen meist grau und regnerisch war, hat mir "Wo man im Meer nicht mehr stehen kann" immer einen besonders wohligen Sonnenstrahl geschenkt, der einem das Gesicht wärmt, aber nicht so grell ist, dass er in den Augen weh tut. Und das ist Fabio Genovesis Geschichte auch: wie ein besonders schöner Urlaubstag, der einfach nicht enden soll. 
Wir begleiten bei dieser teilweise autobiografischen Geschichte den Protagonisten Fabio beim Erwachsenwerden, in denen er die typischen Probleme eines Heranwachsenden erlebt. Wir erleben auch Fabios ganz eigene Herangehensweise an diese Probleme, die einen großen Teil des Charmes, den diese Geschichte zweifellos inne hat, ausmacht. Ein kleines bisschen naiv, ein kleines bisschen unwissend, aber gleichzeitig mit einer unglaublichen Herzensgüte ausgestattet, spielt sich der Protagonist sofort in jedes Herz der Leserinnen und Leser seiner Geschichte. Und auch seine zehn Großväter sind Figuren, denen man in Büchern noch nicht sooft begegnet ist und die genau deswegen so einzigartig sind und einen unverwechselbaren Humor in den Roman bringen. Nicht nur einmal habe ich mich bei den beschriebenen Situationen mit Fabios Großvätern gefragt, was wirklich passiert und was der Fantasie des Autoren entsprungen ist, wenn man den autobiografischen Teil der Geschichte berücksichtigt. 
Was allerdings zweifelsohne feststeht, ist, dass "Wo man im Meer nicht mehr stehen kann" sich zwischen Familienroman, einer Coming-Age-Story und einer sehr schönen Wohlfühlgeschichte bewegt, die zeigt, wie viel Kraft im kindlichen Glauben und im geschriebenen Wort steckt, und die kalte Jahreszeiten aufhellt und im Sommer den letzten warmen Sonnenstrahl des Tages einfängt, damit man ihn noch lange herumtragen kann. 
Ein Buch für jede Jahreszeit. 

Freitag, 15. Mai 2020

Chandler Baker- Whisper Network






Verlag: Heyne
Seiten: 482
Erschienen: 30. März 2020
Preis: 20 Euro (Ebook: 15.99 Euro)







Die Kolleginnen und Freundinnen Sloane, Ardie und Grace leiden seit Jahren unter ihrem Vorgesetzten Ames. Über Ames' Verhalten gegenüber den weiblichen Angestellten an ihrem gemeinsamen Arbeitsplatz wird immer wieder hinter vorgehaltener Hand geredet, es gab Gerüchte, die aber genauso oft von der obersten Firmenleitung ignoriert wurden. Fast zeitgleich mit der Vorstellung einer neuen Arbeitskollegin, verdichten sich immer mehr die Hinweise, dass Ames zum leitenden Geschäftsführer der Firma befördert werden soll. Als sich die neue Arbeitskollegin kurz darauf den Frauen anvertraut, steht für sie endgültig fest, dass Ames' Aufstieg zum Firmenboss unbedingt verhindert werden muss. Und wenn ihre Worte allein nicht ausreichen, um Veränderungen zu bewirken, müssen Taten sprechen, auch wenn Sloane, Ardie und Grace nicht ahnen können, was sie damit in Gang setzen... 

Schon lange im Vorfeld war ich sehr gespannt auf "Whisper Network" von Chandler Baker. Seit der 'me too' Bewegung ist angesichts der enormen Priorität der Debatte, die unter anderem sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz beinhaltet, das Thema immer wieder in den Medien vertreten und den Umstand daraus Stoff zu machen für diverse Adaptionen ist nicht nur ausreichend gegeben, sondern hilft auch das Thema weiterhin in der Öffentlichkeit zu halten. So besaß das Thema des Romans also schon im Vorfeld der Lektüre eine ungeheure Portion Brisanz und ich fand es interessant zu erfahren, wie die Autorin dieses umgesetzt hat. Am Ende wurde "Whisper Network" eine Mischung aus Gesellschafts- und Kriminalroman, der durchaus unterhalten konnte und das aus meiner Sicht auch bis zur letzten Seite vollbracht hat. 
Die Handlung von "Whisper Network" ist in einer Struktur aufgebaut, in der die Leserin und der Leser lange Zeit überhaupt nicht wissen, was eigentlich passiert ist. Die Ereignisse im Verlauf werden rückwärts erzählt, so dass das katastrophale Ereignis am Anfang der Geschichte Stück für Stück aufgefasert wird, um begreiflich zu machen, wie es zur Ausgangssituation kommen konnte. Dieser Erzählstil wirkt gerade zu Beginn der Handlung undurchsichtig, aber genau das habe ich als positiv empfunden, da ich selbst die einzelnen Puzzleteile zusammenfügen wollte, bis sich ein Gesamtbild ergab und nicht nur einmal wurde ich dabei auf die falsche Fährte gelockt. Der Erzählstil von Bakers Geschichte wird wohl auch einigen Serienkennerinnen und -kenner bekannt vorkommen, denn dieser erinnert sehr an die Serie "Big little lies", die damit große Erfolge feierte und überdies auch den feministischen Grundgedanke mit "Whisper Network" gemeinsam hat.
Und auch, wenn dieser Grundgedanke, der in der vorliegenden Geschichte das Thema der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz behandelt und über das man sprechen und mit allen Mitteln verhindern muss, damit in der Öffentlichkeit hält und das sehr lobenswert ist, war er doch der Ausgangspunkt für etwas, das mir an "Whisper Network" nicht gut gefallen hat und das waren die Figuren in Bakers Geschichte oder besser formuliert: die völlige Überzeichnung ihrer Charaktereigenschaften. Das Grundthema reicht an sich schon völlig aus, um den feministischen Aspekt voll und ganz zu erfüllen, doch ich wurde das Gefühl nicht los, dass Chandler Baker ihren Figuren noch den letzten Rest an Feminismus einverleiben wollte, was allerdings nur dazu führte, dass diese ins Stereotypische abgerutscht sind. Das führte zwar nicht dazu, dass die Handlung weniger unterhaltsam war aber doch in meinem Fall das ein oder andere Mal dazu, dass ich irritiert die Stirn gerunzelt habe, weil ich das Gefühl hatte, dass die Figuren bei manchen Handlungen einem Handbuch gefolgt sind. 
Zusammenfassend ist "Whisper Network" eine unterhaltsame und interessante Geschichte geworden, die trotz allem die Priorität des wichtigen Grundthemas immer wieder hervorhebt und dieses auch nie aus den Augen verliert. 

Montag, 11. Mai 2020

Lesemonat April

Herzlich Willkommen zu meinem Lesemonat April. Im vergangenen Monat war ich natürlich wieder eine fleißige Leserin und habe insgesamt acht Bücher gelesen mit 5171 Seiten. Und damit wird der April schon einmal vorsorglich der Monat der dicken Bücher genannt. Dann kann es auch schon los gehen.

Begonnen hatte der Lesemonat April mit Leigh Bardugo's neustem Streich "Das neunte Haus", der Auftakt einer neuen Reihe, die sich zumindest im Voreindruck vom Inhalt her etwas unterscheidet von dem Genre, in dem die Autorin normalerweise zu Hause ist. Obwohl auch das neuste Werk wieder einmal mit Protagonisten mit düsterer Vergangenheit aufwarten kann, spielt "Das neunte Haus" dieses Mal an einem realen Ort, in diesem Fall der Yale Universität, in der mysteriöse Studentenverbindungen ihre Machenschaften treiben und in der die Hauptfigur Alex Stern einen Mord aufklären muss. Und überhaupt wirkt die ganze Geschichte viel mehr verrückt in unsere Realität, als man es noch von Bardugos andere Geschichten kennt. Natürlich weist auch "Das neunte Haus" jede Menge fantastische und paranormale Einflüsse auf, aber genau dieses Verrücken in unsere Realität hat mir unheimlich gut an der Geschichte gefallen. Auch die Komplexität in der Handlung hat mich sehr gefesselt, so dass "Das neunte Haus" ein unglaublich vielschichtiger und interessanter Auftakt war. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung.

Weiter ging es im April mit einer Geschichte, auf die ich schon sehr gespannt war. "The Grace Year (Ihr Widerstand ist die Liebe)" von Kim Liggett habe ich durch Zufall auf Instagram entdeckt, der Inhalt versprach ein ähnliches Szenario wie bei "Die Tribute von Panem" mit einer Prise "Der Report der Magd". Und genau das war es schlussendlich auch, hauptsächlich eine Mischung aus beiden Geschichten, die zwischendurch ein paar durchgeknallte Momente hatte und aus deren Ende ich nicht ganz schlau geworden bin. Trotzdem war es interessant zu lesen, auch wenn ich mir zusammenfassend sehr viel mehr Originalität gewünscht hätte, denn schlussendlich war es eben bloß nur eine Mischung aus Panem und "Der Report der Magd". 

Das nächste Buch im Lesemonat war die Fortsetzung einer Reihe, die ich eigentlich nicht weiter lesen wollte. "Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast" von Christelle Dabos ist der zweite Teil der 'Die Spigelreisende' Serie, dessen erster Teil ich zwar interessant fand, der mich aber nicht wirklich überzeugen konnte. Doch als sich die Stimmen immer mehr vervielfachten, dass die Fortsetzung sehr viel besser sein soll, ließ ich mich überreden der Fantasy-Reihe noch eine zweite Chance zu geben, und die hat sich mehr als gelohnt. Die Grundidee hinter der Spiegelreisenden Serie hat mich von Anfang an fasziniert auch die Heldin war mir sofort sympathisch, doch nachdem all das im ersten Teil noch ziemlich undurchsichtig und distanziert gewirkt hat, habe ich in "Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast" sofort zur Handlung und zu den Figuren eine Beziehung aufbauen können, auch die Handlung wirkte viel zielstrebiger und so wurde die Geschichte plötzlich total spannend und auch die Welt, in der sie spielte immer faszinierender. Jetzt bin ich natürlich sehr gespannt, wie es in der Spiegelreisenden Welt weiter geht. Band drei liegt schon bereit.

Weiter ging es im April mit "Das Buch der vergessenen Artisten" von Vera Buck. Die Geschichte um den Schausteller Mathis Bohnsack wird in zwei Zeitebenen erzählt, eine spielt Anfang der 1900er Jahre und beschreibt, wie Mathis zur Schaustellerei gekommen ist, die zweite siedelt sich um den Beginn des zweiten Weltkrieges an, als Mathis, mittlerweile in Berlin angekommen und mit Partnerin, Mitglied einer Schaustellergruppe wird, die immer mehr von der Verfolgung der Nazis bedroht wird und in der Mathis beschließt das Leben und die Geschichten der einzelnen Schausteller in einem Buch festzuhalten, damit diese nicht vergessen werden. Obwohl ich für die Lektüre des Buches vergleichsweise ziemlich lange gebraucht habe, fand ich die Geschichte in den größten Teilen sehr interessant, auch wenn sie trotzdem einige Längen besaß. Auch die Tatsache, dass sehr viele historisch wichtige Persönlichkeiten in Vera Bucks Geschichte mal freiwillig und mal unfreiwillig Gastauftritte hatten, hat mir sehr gut gefallen und so wurde "Das Buch der vergessenen Artisten" zu einer Geschichte, die ich in guter Erinnerung behalten werde. 

Der Lesemonat ging weiter und hatte schließlich auch einen Roman von John Irving im Gepäck. Schon als ich die ersten Zeilen von "Owen Meany" las, wusste ich, dass John Irving mich wieder einmal hatte. Kann man denn noch großartiger erzählen als dieser wundervolle Mann? Gibt es denn noch herrlichere und schrägere und nicht mehr zu vergessende Figuren als die, die John Irving erschafft? Ich glaube nicht. "Owen Meany" ist bereits vor sehr vielen Jahren zur Papier gebracht worden und doch hat sie nichts von ihrem Zauber verloren. Auch wenn ich mich ein paarmal über den doch sehr religiösen Einfluss in Irvings Geschichte gewundert habe, hat mich dieser doch überhaupt nicht gestört. Denn eigentlich war er überhaupt nicht fehl am Platz, wenn man überlegt, was für eine Figur Owen Meany war. Ich habe das Buch vom ersten bis zum letzten Wort genossen und ich kann es jetzt schon nicht mehr erwarten mir weitere Romane von John Irving vorzunehmen. Denn bisher waren es nur drei und das sind auf jeden Fall zu wenige. 

Das nächste Buch aus dem Lesemonat April kommt von Angie Kim. Der Ausflug nach "Miracle Creek" war eine Mischung aus Gesellschafts-, Einwanderer-, Justiz- und Kriminalroman und wie immer bei wilden Genrewechsel fand ich die Lektüre sehr interessant. Ausgangsszenario, eine verheerende Explosion in einer sogenannten Druckluftkammer, in der Patienten eine Sauerstofftherapie erhalten können, in der sie reinen Sauerstoff einatmen. Die Explosion, bei der mehrere Menschen starben und die zunächst als tragisches Unglück deklariert, am Ende zu einem spektakulären Mordprozess wird, in dem auf der Anklagebank eine Mutter sitzt, die die Kammer vorsätzlich zur Explosion gebracht haben soll, um ihren autistischen Sohn, der sich in der Kammer befand, zu töten. Jede Menge Wendungen und Handlungsumwürfe führten dazu, dass man nie so recht wusste, wer jetzt die Wahrheit sagte und wer log. So hat die Autorin alles richtig gemacht und einen mehr als spannendes und interessantes Debüt vorgelegt. 

Weiter ging es mit einem Buch, für das ich knapp ein ganzes Jahr gebraucht habe. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass "Max, Mischa und die Tet-Offensive" von Johan Harstad ein schlechtes Buch ist, im Gegenteil. Erst einmal hat die schiere Länge meiner Lektürezeit wohl auch damit zu tun, dass Harstads Werk stolze knapp 1400 Seiten vorzuweisen hat. Und dann habe ich mich nie gedrängt gefühlt die Geschichte in Windeseile zu lesen, weil ich der Meinung bin, dass manche Bücher Zeit brauchen. Und da der Autor sowieso eine ganze Lebensgeschichte zu erzählen hatte, fand ich es auch nicht tragisch, dass mich sein Buch so lange begleitet hat. Es geht um Max, der mit seiner Familie von Norwegen in die USA einwandert und sich zunächst in der Nähe von New York City niederlässt. Es geht um den Vietnamkrieg oder eher dessen Folgen, die die Figuren ein Leben lang begleiten. Es geht um Max Liebe zu Mischa, die ihn durch Jahrzehnte begleitet. Es geht um Kunst, Theater, einfach um das Leben. Johan Harstad hat mit "Max, Mischa und die Tet-Offensive" ein monumentales Glanzstück geleistet, das mich als Leserin ein wenig wehmütig zurück gelasssen hat, denn wenn eine Geschichte einen so lange begleitet, dann fühlt man am Ende noch ein bisschen mehr als sonst, als hätte man eine Handvoll guter Freunde verloren. 

Und zu guter Letzt reiste ich mit der Autorin Delphine Minoui ins zerstörte Syrien in die Stadt Daraya. In "Die geheime Bibliothek von Daraya" erzählt uns Minoui wie eine Handvoll junger Männer die unendliche Kraft des Lesens entdeckt. Alles beginnt damit, dass sie anfangen aus zerstörten Häusern Bücher zu retten. Und als diese immer mehr wurden, entschlossen die jungen Männer sich die Bibliothek zu gründen, die ein Zufluchtsort für die Restbevölkerung von Daraya wird, die unerbittlich ihre Stadt verteidigen, während der Präsident von Syrien alles daran setzt diese zu erobern. Mit der ständigen Angst vor herabfallenden Bomben, finden die übrig gebliebenen Einwohner der Stadt im geschriebenen Wort die Kraft und den Trost, den sie brauchten, um durchzuhalten und nicht aufzugeben. "Die geheime Bibliothek von Daraya" macht auf der einen Seite wütend über die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges und dessen Folgen, auf der anderen Seite macht sie aber auch Hoffnung, dass Bücher die Macht haben Unglaubliches zu bewirken und Licht spenden, wenn nur noch Dunkelheit herrscht. 

Und das war er auch schon wieder, mein Lesemonat April. Insgesamt war ich wieder einmal sehr zufrieden und dankbar, um die Bücher, die ich lesen durfte. Und ich freue mich natürlich schon sehr auf den Mai und die Geschichten, die mich dort erwarten. 

Freitag, 10. April 2020

Lesemonat März

Etwas verspätet reiche ich euch nun meinen Lesemonat März nach. Dieser hat sich am Ende relativ kurz gehalten mit vier beendeten Büchern und insgesamt 1716 Seiten. Besser ein paar Bücher, als gar keine. Das wären die Fakten, dann können wir loslegen.

Begonnen hat der Lesemonat mit dem Finale der Lockwood und Co. Reihe von Jonathan Stroud. Ich weiß nicht, warum ich so lange dafür gebraucht habe "Das grauenvolle Grab" endlich zu lesen. Höchst wahrscheinlich hat es ein bisschen mit Wehmut zu tun, weil die Buchreihe um den höchst charismatischen Anthony Lockwood, seinen Mitarbeitern und seiner Geisteragentur hiermit endet. Natürlich befinden wir uns wieder in London, das, sobald es dunkel wird von zahlreichen Geistern heimgesucht wird. Doch woher kam eigentlich diese mysteriöse Geisterepidemie, die sich Nacht für Nacht in Londons Straßen wiederholt? Dieser Frage gehen Lockwood und seine Gefährten im letzten Band der Reihe nach und genau wie alle vier Vorgänger ist "Das grauenvolle Grab" ein spannender, witziger und gruseliger Lesegenuss für Jung und Alt. Diese Geisteragentur werde ich mit Sicherheit vermissen.

Weiter ging es im März mit dem neuen wunderbaren Buch von Patrick Hertweck. "Tara und Tahnee" ist ein toll erzähltes Abenteuer über ein mutiges Mädchen geworden, die sich aufmacht zu einer langen Reise, um ihren Vater zu befreien und seine Unschuld zu beweisen. Dieses Mal nimmt uns Patrick Hertweck weit mit in die Vergangenheit, in der Autos bloß eine nicht vorstellbare Zukunftsvision waren und in der Cowboys, Indianer und Kopfgeldjäger in der Überzahl waren. Als unsere Protagonistin schließlich das Ende ihrer Reise erreicht, findet sie viel mehr, als sie jemals ahnen konnte. Nach seinem Debüt war das nun schon die zweite Geschichte von Patrick Hertweck, die mir richtig gut gefallen hat. Zu "Tara und Tahnee" habe ich auch eine Rezension geschrieben.

Das nächste Buch stand schon lange vor seinem Erscheinen auf meiner Wunschliste. Ich habe eine Schwäche für Klassiker-Adaptionen und da kam Christina Henry mit dem ersten Teil der Chroniken von Alice "Finsternis im Wunderland" natürlich gerade recht. Seit zehn Jahren ist Alice bereits in dem kleinen Zimmer im Hospital eingesperrt und jagt ihren verlorenen Erinnerungen nach. Sie weiß nicht mehr, was sie an diesen Ort gebracht hat, nur, dass es mit einem weißen Kaninchen zu tun hat. Als ein Brand im Hospital ausbricht, gelingt Alice mit ihrem Zimmernachbarn Hatcher, einem verrückten Axtmörder die Flucht. Doch nun muss sich Alice ihrer Vergangenheit stellen und dem, was das weiße Kaninchen ihr angetan hat. Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe ich mich gut in die Geschichte eingefunden. Die Geschichte ist nichts für schwache Nerven, hat aber auch einiges an Potenzial, ich bin gespannt auf die Fortsetzung. Auch zu "Finsternis im Wunderland" habe ich eine Rezension geschrieben. 

Und zu guter letzt, kam dann noch ein King. Bei Stephen King's "Finderlohn" habe ich meine seltsame Eigenart mal wieder spielen lassen nicht wirklich zusammenhängende Reihen mittendrin zu beginnen, weil mich der Inhalt so interessiert hat. In "Finderlohn" spielen Bücher eine große Rolle und nicht wirklich gesunde Obsessionen für ehemalige Bestseller Autoren. Das klang nach einer Geschichte, die ich unbedingt sofort lesen musste und mich nicht erst mit dem ersten Teil der Bill Hodges Reihe aufzuhalten. Nach der Lektüre habe ich dann aber doch beschlossen die gesamte Reihe zu lesen, weil mich das Buch zu gut unterhalten hat und ich vor allem die Figur von Bill Hodges auf jeder Seite gefeiert habe. "Finderlohn" ist viel mehr ein Krimi als irgendetwas anderes, doch auch das beherrscht King grandios. 

Das ging schnell. Das war er schon wieder. Mein Lesemonat März. Klein aber fein, und vor allem sehr unterhaltsam. Ich freue mich schon auf die Bücher, die mich im April erwarten. 

Samstag, 4. April 2020

Christina Henry - Finsternis im Wunderland (Die Chroniken von Alice)




Verlag: Penhaligon
Seiten: 352
Erschienen: 16. März 2020
Preis: 18 Euro (Ebook: 12.99 Euro)









Bereits seit zehn Jahren ist Alice in ihrem kleinen Zimmer in den düstern Hospital gefangen. Alles, was ihr geblieben ist, sind bruckstückhafte Erinnerungen an ihre Vergangenheit und den Grund, warum sie schlussendlich in dieser Anstalt gelandet ist. Sie weiß, dass in ihren unvollständigen Erinnerungen ein Mann mit Kaninchenohren eine große Rolle spielt, denn dieser Mann verfolgt Alice bis in ihre Albträume. Wer ist Alice und warum ist sie an diesem grausamen Ort gelandet?
Als ein Feuer im Hospital ausbricht, sieht Alice endlich die Chance für ihre Flucht gekommen. Zusammen mit ihrem Zimmernachbarn Hatcher, ein geisteskranker Axtmörder, der in den letzten Jahren zu einem Freund geworden ist, macht sie sich auf dem Weg ins Unbekannte. Doch außer Alice und Hatcher ist auch etwas Anderes aus dem Hospital entkommen, etwas Dunkles und zutiefst Bedrohliches, das in den Tiefen der Anstalt eingesperrt war und sich nun auf die Jagd nach Blut macht. Alice erkennt, dass ihr Schicksal untrennbar mit diesem Ungeheuer zusammenhängt und erst, wenn sie dieses besiegt, wird sie endlich erfahren, was mit ihr passiert ist und was das weiße Kaninchen getan hat...

Schon lange, bevor der erste Teil der Chroniken von Alice "Finsternis im Wunderland" von Christina Henry erschien, stand das Buch auf meiner Wunschliste. Klassiker Adaptionen übten schon immer eine Faszination auf mich aus und diese düstere und unheimliche Neuinszenierung von Lewis Carrolls "Alice im Wunderland" schien damit genau das Richtige für mich zu sein. Nach der letzten gelesenen Seite, ließ mich die Geschichte schlussendlich mit zwiespältigen Gefühlen zurück. Ich hatte anfangs etwas Probleme in die Geschichte hineinzufinden, da die Leserin und der Leser wie Alice selbst im Original durch ein Kaninchenloch mitten ins Wunderland, oder im vorliegenden Fall mitten in die Handlung hineinfallen. Es fiel zunächst schwer sich in dem düstern Hospital zurechtzufinden, weil die Alice, die man in "Finsternis im Wunderland" begegnet sich doch im erheblichen Maße von der Alice aus dem Original unterscheidet. 
Doch, wenn man sich mit dem düsteren Setting arrangiert hat, wird Christina Henrys Adaption unglaublich interessant. Ganz besonders gefallen haben mir die Interpretationen, seitens der Autorin, der verschiedenen Figuren aus Carrolls Klassiker. Mit diesen finsteren charakterlichen Neuinterpretationen breitet sich eine vielschichtige, spannende und detailreiche Handlung vor dem Leser aus. Henry reißt den Handlungsstrang, passend zu der düsteren Stimmung ihrer Adaption, aus dem klassischen Wunderland hinaus und verfrachtet ihn in die sogenannte 'Alte Stadt', ein zwielichtiger, gefährlicher und dunkler Ort, in dem man Gefahr läuft an jeder Ecke aufgemischt zu werden. Während der Lektüre habe ich mich mehr als einmal gefragt, wohin die Geschichte führt. Trotzdem hat mich dieser Eindruck nie negativ gestimmt, sondern ich war umso neugieriger auf das Ende des Buches. 
Auch Alice 'Gefährte', der Axtmörder Hatcher, verkörperte einen unglaublich interessanten und vielseitigen Charakter in der Geschichte. Ich hoffe, dass man im Folgeband noch ein bisschen mehr über ihn und vor allem über seine Vergangenheit erfahren wird. 
Christina Henrys Neuinterpretation von Carrolls Klassiker ist also zusammenfassend eine gelungene düstere Reise geworden, wobei ich an dieser Stelle noch einmal das Düstere besonders hervorheben möchte, denn meiner Ansicht nach, braucht der erste Teil der Alice-Chroniken eine Triggerwarnung zu Beginn der Geschichte, da man es im Verlauf des Romans mit unglaublich und erschreckend vielen Arten von Gewalt zu tun bekommt, die man, gerade, weil es sich im Original um ein Kinderbuch handelt, in dieser Form nicht erwarten würde. 
Bleibt mir nur noch mich auf die Fortsetzung der Alice-Chroniken zu freuen. 

Donnerstag, 12. März 2020

Patrick Hertweck - Tara und Tahnee (Verloren im Tal des Goldes)




Verlag: Thienemann-Esslinger
Seiten: 304
Erschienen: 14. Februar 2020
Preis: 15 Euro (Ebook: 12.99 Euro)








Stell dir vor, du bist alleine zu Hause, wartest auf deinen Vater, der schon vor Ewigkeiten zurück sein wollte und einfach nicht kommen will. Plötzlich hörst du ein unheimliches Geräusch und ein Mann erscheint auf deiner Türschwelle. Doch dieser Mann ist nicht dein Vater...
Genau das passiert Tahnee, ein eigentlich sehr mutiges und unerschrockenes Mädchen, das mit ihrem Vater in einer Hütte fernab der Zivilisation lebt. Der unbekannte und mysteriöse Mann stellt sich relativ schnell als Kopfgeldjäger heraus, der auf der Suche nach Tahnees Vater ist. Doch die kann nicht glauben, dass ihr Vater ein böser Mensch sein soll und flieht Hals über Kopf vor dem Kopfgeldjäger und lässt ihr Zuhause zurück.
Tahnee macht sich auf dem Weg ins weit entfernte San Francisco, um dort Antworten auf ihre vielen Fragen zu finden und findet dort mehr, als sie geahnt hat...

Vor wenigen Jahren hat mich Patrick Hertweck mit seinem Debüt "Maggie und die Stadt der Diebe" von der ersten Seite an verzaubert. Ich habe mir gewünscht, dass es seine abenteuerliche Erzählung über ein mutiges Mädchen, das sich einer Diebesbande anschließt, schon viel früher gegeben hätte, als ich noch jünger war, denn Maggie hätte sich wohl ohne zu zögern in meine Reihe der Kinderbuchheldinnen eingefügt, doch glücklicherweise gibt es Bücher, die man in jedem Alter, immer und überall lesen kann, weil sie dich glücklich machen, weil sie dich weit weg führen aus deinem Alltag und mit dir großartige Abenteuer erleben. Und genau zu diesen Büchern gehört jetzt nicht mehr nur Maggie, sondern auch Patrick Hertwecks zweiter Roman "Tara und Tahnee". 
Dieses Mal werden wir weit weg in die Vergangenheit mitgenommen, in die Zeit der Goldgräber, Cowboys, Schurken und Kopfgeldjäger, als es noch keine Autos auf den Straßen gab, sondern nur Pferde und Kutschen und in der wir ein mutiges Mädchen, namens Tahnee, kennen lernen, die sich auf die gefährliche und abenteuerreiche Reise nach San Francisco macht, um ihren Vater zu retten. Und in der wir Tara begegnen, zunächst nur in Tagebucheinträgen aber dann auch später im 'richtigen' Leben, die uns zeigt, dass sie mindestens genauso viele Fragen an ihre Vergangenheit an, wie Tahnee. 
Patrick Hertweck ist hier wieder einmal etwas ganz Besonderes gelungen. Er erschafft einen spannenden und wunderbaren Abenteuerroman, er spickt ihn mit Selbstfindung, einer großen Portion Freundschaft und jeder Menge unglaublich vielschichtigen und liebevollen Figuren. Natürlich dürfen auch die typischen Bösewichte nicht fehlen, die aber ebenfalls großartig herausgearbeitet sind, dass man das Gefühl hat, man würde ihnen über die Schulter sehen, wenn sie ihre bösen und gemeinen Spielchen treiben. 
Auch die Art und Weise, wie Patrick Hertweck die Geschichte seiner zwei neuen Heldinnen erzählt hat, möchte ich besonders hervorheben. Indem wir Tahnee in der Handlung und Tara zunächst nur in Tagebucheinträgen kennen lernen, verwebt der Autor geschickt nach und nach beide Erzählstränge, so dass sich am Ende beide treffen können und die Geschichte zu einem großartig konstruierten und erzähltem Ende kommt. 
Und um meine Lobeshymne abzuschließen, möchte ich betonen, wie wunderbar ich es finde mit welchen Eigenschaften Patrick Hertweck seine Heldinnen ausstattet. Wir brauchen viel mehr Mädchen und wir brauchen Mädchen wie Maggie, Tara und Tahnee in der Kinderbuchliteratur. 
"Tara und Tahnee" ist ein besonderes, ein spannendes und wunderbar geschriebenes Buch geworden. Die Geschichte reißt nicht nur komplett mit, sondern wird auch jede Leserin und jeden Leser aus dem Alltag katapultieren, um an einen anderen Ort aufzuwachen und jede Menge Abenteuer mit besonderen Figuren zu erleben und Freundschaften zu schließen. 
Unbedingt lesen! 

Sonntag, 1. März 2020

Lesemonat Februar

Herzlich Willkommen zum Lesemonat Februar.
Im vergangenen Monat war ich sehr fleißig und habe insgesamt neun Bücher beenden können. Zusammen waren das 2987 Seiten. Und bei dieser Anzahl, hatte ich dann noch das Glück gleich drei Monatshighlights abstauben zu können, die kommen aber, wie immer, zum Ende des Monats.
Dann wären die Fakten geklärt, es kann los gehen. 

Begonnen hat der Februar mit dem ersten Teil der "Little Women" Geschichte von Louisa May Alcott. Natürlich hatte die gleichnamige Ende Januar erschienene Filmadaption von Greta Gerwig großen Anteil daran, dass ich auch endlich einmal das Buch lesen wollte und am Ende wurde meine Einschätzung dann eine seltene Rarität, der Film hat mir tatsächlich besser gefallen als die Buchvorlage. Diese war sicherlich auch nicht schlecht, aber die filmische Umsetzung hatte dann am Ende ein bisschen mehr Charme und hinterließ einen prägnanteren Eindruck als die literarische Vorlage. Trotzdem ist beides sicherlich wert es sich anzusehen.

Weiter ging es im Lesemonat mit der Hexer-Reihe, besser gesagt mit dem ersten Teil der Vorgeschichte "Der letzte Wunsch" und der Fortsetzung "Das Schwert der Vorsehung". Der Autor Andrzej Sapkowski führt hier in Kurzgeschichten die Hexer Figur Geralt von Riva ein und erzählt von seiner Arbeit, die hauptsächlich daraus besteht Städte oder bestimmte Personen von Ungeheuern zu befreien. Auch die Nebenfiguren, die in der eigentlichen Hexer-Reihe eine bedeutende Rolle spielen werden hier eingeführt. Insgesamt boten beide Bücher einen guten Einblick in die Hexer-Welt, wobei mir der erste Teil besser gefallen als der zweite, der sich vor allem am Ende doch etwas gezogen hat. Ich freue mich sehr auch den Rest der Reihe zu lesen. 

Das nächste Buch aus dem Februar kam von Christoph Poschenrieder. Seinen neuestes Werk "Der unsichtbare Roman" hatte ich schon länger auf dem Wunschzettel stehen. Die Geschichte spielt kurz nach dem Ende des ersten Weltkrieges, als ein halbwegs erfolgreicher Schriftsteller aus Berlin den Auftrag erhält einen Roman zu schreiben, der die Kriegsschuld jeden anderen aber möglichst nicht den Deutschen zuschieben soll. Dei Auftraggeber sind der Überzeugung, dass die Kraft der Literatur überzeugender ist, als alle Politiker, die Deutschland noch zur Verfügung stellen kann. Das mag irgendwie ziemlich charmant anmuten, doch nachdem der Schriftsteller den Auftrag annimmt, überkommt ihn leider eine Schreibblockade, die so lange anhält, bis der Abgabetermin des Manuskripts in unmittelbare Nähe rückt. Poschenrieder hat eine interessante Idee zu seinem Roman gefunden und auch während des Lesens wurde ich gut unterhalten. Trotzdem fehlt der Geschichte leider eine gewisse Originalität, damit sie auch länger im Gedächtnis bleibt. Zu "Der unsichtbare Roman" wird noch eine Rezension von mir kommen. 

Weiter ging es im Lesemonat mit einem Spontankauf und spontanem Sofort Lesen von "Die Reisenden", geschrieben von Regina Porter. Die Geschichte, die ich zufällig bei einer lieben Bloggerkollegin entdeckt hatte, klang einfach viel zu interessant und ich wurde nicht enttäuscht. Am meisten fasziniert hat mich die Erzählstruktur in diesem Roman, den man, wenn man es genau nimmt, eigentlich nicht so nennen dürfte, denn "Die Reisenden" ist viel mehr eine Ansammlung von Essays, in der die Geschichten zweier Familien erzählt und immer mehr zusammengefügt werden. Auf der einen Seite ist Porters Erzählweise unglaublich interessant, weitab vom 'normalen' Stil und somit auch ein bisschen einzigartig, auf der anderen Seite weist die Geschichte der Autorin eine Vielzahl von Figuren auf und der Erzählstil trägt nicht unbedingt dazu bei, dass man von diesen vielen Charakteren weniger überfordert wird. Trotz allem war "Die Reisenden" ein unglaublich unterhaltsames und sehr interessantes Buch. 

"Die höchst wundersame Reise zum Ende der Welt" von Nicholas Gannon lag schon viel zu lange auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Es wurde also höchste Zeit das Kinderbuch davon zu befreien und das habe ich nicht bereut. Die Geschichte von Arthur, der sich aufmachen will, um seine verschollenen Abenteurer Großeltern zu finden, war tatsächlich etwas anders, als ich im Vorfeld erwartet habe, aber sie war nicht minder liebenswerter. Es geht um Aufbruch, Freundschaft und dass es manchmal gar nicht so schlimm ist anders zu sein. Die Geschichte von Nicholas Gannon gehört definitiv zu den Büchern, bei der man sich am Ende immer ein bisschen besser fühlt. 

Weiter ging es im Februar mit dem ersten Monatshighlight, obwohl ich bis heute immer noch nicht so richtig weiß, ob ich es wirklich als Highlight bezeichnen möchte. Es ist wohl ein Highlight, wenn man ein Buch fast in einem Stück durchliest und man es einfach nicht mehr weglegen kann. Aber genauso ist es Fakt, dass mich "Scham" von Ines Bayard von Anfang bis zum Ende erschüttert hat, manchmal war ich auch richtig verstört, als die Autorin ihre Protagonistin die Tragödie einer Vergewaltigung erfahren lässt, in der sie danach den Zeitpunkt verpasst sich ihrer unmittelbaren Umgebung anzuvertrauen und dann in einem Strudel aus Lügen, Geheimnissen, Verzweiflung, Selbsthass und Hilferufen gerät, aus dem es kein Entkommen mehr gibt. Bis zu dem Zeitpunkt, in dem das Unvorstellbare geschieht und die Protagonistin selbst zur Täterin wird. "Scham" ist unfassbar ehrlich und genau deswegen so verstörend, gewiss kein Roman für jeden, aber, wenn man sich darauf einlässt, dann mit allem, was man hat. 

Das nächste Monatshighlight war der Debütroman der Autorin Katya Apekina. Ihr Buch "Je tiefer das Wasser" erzählt die Geschichte von zwei Schwestern. Edith und Mae kommen nach dem zweiten Selbstmordversuch ihrer Mutter bei ihrem Vater in New York an, der dort eine erfolgreiche Schriftstellerkarriere vorzuweisen hat. Während der Umzug für Mae eine Art Befreiungsritual von ihrer psychisch kranken Mutter auslöst, gibt Edith ihrem Vater die Schuld an die Lage ihrer Mutter. Das führt zum Zerwürfnis der beiden Schwestern und die beiden gehen getrennte Wege. Von Apekinas Debüt geht eine unglaubliche Sogwirkung aus von der ersten Seite an. Ich bin ganz in dem Roman versunken und es fiel mir unglaublich schwer wieder aufzutauchen. Außerdem bin ich der Meinung, dass sich die Geschichte der beiden Schwestern mit nichts vergleichen lässt, was sie unglaublich einzigartig macht. Zu "Je tiefer das Wasser" gibt es auch eine Rezension von mir zu lesen. 

Und zu guter Letzt kommt ein Buch, oder viel mehr eine Graphic Novel, für die ich unglaublich dankbar bin. Meiner Meinung nach, müsste es für "Der Ursprung der Welt" von Liv Strömquist Feiertage und Paraden geben. "Der Ursprung der Welt" geht weit über den Feminismus hinaus, es feiert eine Revolution, eine Revolution des weiblichen Geschlechtsorgans. Es räumt mit Vorurteilen und Falschinformationen auf, es wirft einen Blick in die Geschichte und Biologie und es ist so unglaublich lehrreich und wichtig, dass man es am liebsten nehmen und in die Welt hinaustragen möchte. Liv Strömquist hat sehr viel richtig gemacht mit diesem großartigen Buch und es sollte viel bekannter sein oder eben gemacht werden. 

Und das war es 'schon' wieder mit meinem Lesemonat Februar. Insgesamt war es wieder sehr erfolgreich. Ich freue mich schon auf die Bücher im nächsten Monat.